Teil 3 – Sozialaktion oder „Social Washing“? Macher Festival: Hauptsache machen – Mission ohne Haftung?

100 „Häuser“ in vier Tagen – Vertraut uns, wir tun Gutes… Fragen beantworten wir nicht…

(Quelle Titelbild: little-home.eu). Dass das dieses Jahr zum dritten Mal veranstaltete DIY-Festival in Kooperation mit dem deutschen Handwerksgewerbe nicht zufällig auch eine Plattform für christlich-fundamentalistische bis rechtschristliche (Missions-)Organisationen, hatten wir in TEIL 1 unserer Beitragsreihe bereits berichtet. In TEIL 2 sind wir näher auf das weitreichende Netzwerk hinter dem Macher Festival eingegangen.

Quelle: Instagram

Die öffentlichkeitswirksamste Sozialaktion des Festivals fand hingegen gemeinsam mit dem Verein Little Home e.V. statt. Angekündigt war der Bau von 100 Kleinsthäusern für obdachlose Menschen: 90 klassische „Little Homes“ und zehn größere „Little Home 2.0“.

Doch auch unsere Fragen zu dieser Aktion ließen sowohl die Macher Festival GmbH als auch Little Home e.V. unbeantwortet.

Und schließlich teilte uns noch die Verbraucherzentrale Hessen mit, sie prüfe die Einleitung rechtlicher Schritte aufgrund der von der Macher Festival GmbH verwendeten Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Doch der Reihe nach:

175.000 Euro Spenden für „Little Homes“

Nach Angaben von Little Home kostet ein kleines Haus ungefähr 2.000 Euro, ein größeres etwa 8.000 Euro. Daraus ergab sich ein Spendenziel in einer betterplace-Kampagne des Vereins von 280.000 Euro. Little Home warb damit, die 100 Häuser innerhalb von vier Tagen zu errichten.

Am 13. Juli warben auch die Real Life Guys für die Kampagne: Alle innerhalb von 48 Stunden eingehenden Spenden sollten von ihnen verdoppelt werden. Mittlerweile sind gut 175.000 Euro zusammengekommen. Wie hoch der von den Real Life Guys tatsächlich zusätzlich gezahlte Betrag war, wollte uns weder Little Home noch die Macher Festival GmbH mitteilen.

Quelle: betterplace.org

Was wurde aus den Little Homes?

Offen blieb nach dem Festival auch, wie viele „Häuser“ tatsächlich vollständig fertiggestellt und bezugsbereit waren, wo sie aufgestellt werden sollen und für wie viele bereits konkrete Nutzer*innen, genehmigte Standorte oder verbindliche Duldungen feststehen.

Auch stellten wir die Frage, warum die Betterplace-Kampagne nach dem Festival fortgeführt wird, obwohl sich diese explizit auf die Bauaktion vor Ort auf dem Festival bezog. Weder Little Home noch die Macher Festival GmbH beantworteten unser Fragen.

Betterplace sah in der weiterhin fortgesetzten Spendenaktion auf unsere Anfrage hin kein Problem. Die Kosten eines solchen Projekts könnten schließlich auch nach dem Festival fortbestehen. Den Projektverantwortlichen habe man dennoch um eine Erklärung gebeten. Wie diese Erklärung ausfiel, wurde uns nicht mitgeteilt.

Quelle: Instagram

Am 26. August räumte Little Home schließlich auf seiner Webseite ein: „100 Häuser. Nicht geschafft. Und trotzdem stolz.“ Man habe keine hundert Häuser fertig.

Nun stünden „noch viele Little Homes halb fertig in der Gegend“. Man suche jetzt einen Stellplatz und Unterstützung, um die Little Homes fertig zu stellen.

Little Homes als Antwort auf Wohnungslosigkeit?

Doch abgesehen davon: Sind solche Kleinsthäuser überhaupt eine fachlich vertretbare Antwort auf Wohnungslosigkeit? Und laufen solch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie auf dem Macher Festival nicht Gefahr, dass Wohnungslosigkeit vor allem als Gegenstand ehrenamtlicher Bau- und Spendenaktionen dargestellt wird, während strukturelle Ursachen und fachlich anerkannte Lösungsansätze wie die Vermittlung in regulären Wohnraum in den Hintergrund treten?

„Unterhalb anerkannter Mindeststandards“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) lehnt Tiny Homes als reguläre Lösung seit Jahren ab.

Quelle: Screenshot bagw.de

In einem Positionspapier warnt sie vor Unterkünften unterhalb anerkannter Mindeststandards, fehlender Rechtssicherheit und der Gefahr, dass Kommunen durch private Projekte aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Selbst deutlich größere Tiny Houses bewertet die BAG W kritisch. Die klassischen Little Homes mit etwa 3,2 bis 3,3 Quadratmetern unterschreiten solche Größen nochmals erheblich.

In einer ausführlichen Stellungnahme auf Fragen von FundiWatch – die wir hier mit Zustimmung der BAG W vollständig veröffentlichen – bekräftigten Paul Neupert (Fachreferent Wohnen) und Sarah Lotties (Fachreferentin Gesundheit) von der BAG W diese Kritik.

Nach Einschätzung der BAG W erfüllen die einfachen Little Homes grundlegende Anforderungen an menschenwürdiges Wohnen nicht. Genannt werden unter anderem die extrem geringe Fläche, fehlendes fließendes Wasser, unzureichende sanitäre Möglichkeiten, Belastungen durch Hitze und Kälte sowie Fragen des Brandschutzes und der verwendeten Baustoffe.

Die BAG W erklärte gegenüber FundiWatch außerdem, ihr seien keine institutionellen Träger der Wohnungslosenhilfe bekannt, die Little Homes als fachlich reguläres Wohnangebot einsetzten. Denkbar seien solche Unterkünfte allenfalls als eng befristete Übergangslösung – und auch dann nur, wenn sie in ein fachliches Hilfesystem eingebunden sind und eine konkrete Perspektive auf regulären Wohnraum besteht.

„Eine einfache Hütte ist besser als gar kein Schutz über dem Kopf“

Die BAG W weist aber zugleich auch darauf hin, dass Tiny Homes auf individueller Ebene tatsächlich für viele erstmals eine Verbesserung darstellen.

„Eine einfache Hütte ist besser als gar kein Schutz über dem Kopf“, so die BAG W. Bau und Bereitstellung von Tiny Homes sei insofern vergleichbar mit der Ausgabe von Schlafsäcken oder Zelten und könne tatsächlich Leben retten.

Die Tendenz, dass immer mehr Akteure ohne Kenntnis vom und Anbindung an das Hilfesystem und ohne Wissen um Recht und rechtliche Ansprüche Tiny Homes bereitstellen und dabei die Absenkung der Standards – wissentlich oder unwissentlich – vorantreiben, sehe die BAG W jedoch grundlegend kritisch.

Ohne Wasser, Mietvertrag und gesicherten Stellplatz?

Eine Holzhütte wird nicht allein dadurch zu Wohnraum, dass sie fertig gebaut ist. Sie braucht einen legalen Stellplatz, Brandschutz und eine sanitäre Versorgung. Und die darin lebende Person braucht Schutz davor, dass ihr „Zuhause“ möglicherweise wieder kurzfristig versetzt oder ihr wieder entzogen wird.

Bereits in der Vergangenheit kam es zu Konflikten um Standorte. In Berlin wurden Little Homes wegen fehlender Genehmigungen entfernt beziehungsweise abgerissen. Deutschlandfunk Nova stellte die Vorteile eines unmittelbaren Rückzugsortes den fachlichen Einwänden gegen fehlende Mindeststandards und unsichere Standorte gegenüber.

FundiWatch wollte von Little Home wissen, welchen rechtlichen Status die Bewohner*innen erhalten, ob Miet-, Nutzungs- oder Schenkungsverträge bestehen und unter welchen Voraussetzungen ein Haus versetzt oder entzogen werden kann. Wir fragten außerdem nach Zuständigkeiten für Transport, Aufstellung, Reparaturen, Versicherung und Wartung.

Der Verein beantwortete auch diese Fragen nicht.

Hilfe nur für die „Motivierten“?

Noch problematischer wird es bei den öffentlich beschriebenen Auswahlkriterien.

Little-Home-Gründer Sven Lüdecke erklärte gegenüber der Südwest Presse, lediglich rund fünf Prozent der Bewerber*innen erfüllten die Kriterien. „Wir suchen nach Motivation aus“, sagte er. Je motivierter eine wohnungslose Person sei, ihre Situation zu verändern, desto größer sei ihre Chance. Bei einem Suchtproblem werde etwa die Bereitschaft erwartet, sich um einen Therapieplatz zu bemühen. Zudem sei eine Mitarbeit am Bau erwünscht, weil die Betroffenen das Haus anschließend „mehr zu schätzen“ wüssten.

Die BAG W kritisierte dieses Prinzip gegenüber FundiWatch als Auswahl der vermeintlich „Erfolgsversprechenden“. In der Wohnungslosenhilfe wird hierfür auch der Begriff „Creaming“ verwendet: Hilfe erreicht vor allem Menschen, die bereits vergleichsweise gute Voraussetzungen mitbringen, während Personen mit schweren psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen, Behinderungen oder geringer Fähigkeit zur Selbstorganisation ausgeschlossen werden können.

Dabei sind es gerade diese Menschen, die besonders niedrigschwellige Unterstützung benötigen. Wer suchtkrank ist, schafft es möglicherweise gerade nicht, sofort einen Therapieplatz zu organisieren. Wer psychisch oder körperlich erkrankt ist oder eine Behinderung hat, kann womöglich nicht am Hausbau mitarbeiten. Wird beides dennoch zum Maßstab für die Vergabe, wird aus Hilfebedarf eine persönliche Bewährungsprobe.

Auf Anfrage von FundiWatch teilte Little Home nicht mit, wer die „Motivation“ beurteilt, welche überprüfbaren Kriterien gelten und ob abgelehnte Personen eine Begründung oder Beschwerdemöglichkeit erhalten. Auch die Frage nach der Beteiligung ausgebildeter Fachkräfte der Sozial-, Sucht- und Wohnungslosenhilfe blieb unbeantwortet.

Die Macher Festival GmbH wiederum ließ unsere Fragen unbeantwortet, ob sie sich mit der fachlichen Kritik an dem Konzept der Kleinsthäuser auseinandergesetzt hat und wie die sachgerechte Verwendung der auf dem Festival gebauten Little Homes gewährleistet werde.

Erfolg nach Eigenangaben

Little Home veröffentlicht erstaunliche Erfolgszahlen zu Menschen, die nach dem Einzug in eine Wohnung oder Arbeitsstelle vermittelt worden sein sollen. Kritisch hinterfragt wurden diese Zahlen in Medienberichten nach unseren Recherchen bisher offenbar noch nie. Unklar bleibt demnach unter anderem, wie lange ehemalige Bewohner*innen nachverfolgt werden, wie „Vermittlung“ definiert wird, ob Wohnverhältnisse dauerhaft bestehen und wie viele Bewerber*innen bereits vor der Vergabe ausgeschlossen wurden.

FundiWatch fragte Little Home deshalb, ob das Konzept jemals unabhängig wissenschaftlich evaluiert wurde. Eine Antwort erhielten wir auch dazu nicht.

Fragen zur Finanzkontrolle

FundiWatch fragte Little Home außerdem nach seinen internen Kontrollmechanismen. Hintergrund ist ein 2020 vor dem Kölner Amtsgericht geführtes Verfahren gegen Vereinsgründer Sven Lüdecke.

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete damals, die Staatsanwaltschaft habe Lüdecke Untreue in 17 Fällen sowie Betrug im Zusammenhang mit Spendengeldern vorgeworfen. Lüdecke bestritt die Vorwürfe. Das Verfahren wurde eingestellt; zu einer Verurteilung wegen dieser Vorwürfe kam es nicht. Laut dem Bericht bestanden nach der Beweisaufnahme Zweifel an wesentlichen Teilen der Anklage.

Der Artikel berichtete aber zugleich über frühere rechtskräftige Verurteilungen Lüdeckes, unter anderem wegen Betrugs, sowie über mehrere verbüßte Freiheitsstrafen in der Vergangenheit vor den neuen Vorwürfen. In der Folgezeit kam es zu einigen Veränderungen in den Leitungspositionen von Little Home e.V. Sven Lüdecke hingegen ist auch heute noch dessen Vereinsvorsitzender.

Vor diesem Hintergrund fragten wir nach Vier-Augen-Prinzip, Zeichnungsberechtigungen, unabhängiger Kassenprüfung, externer Kontrolle, Jahresabschlüssen und den heutigen Entscheidungs- und Kontovollmachten Lüdeckes. Little Home beantwortete keine dieser Fragen. Zwar ist das selbstverständlich kein Beleg dafür, dass heute Gelder zweckwidrig verwendet werden. Überprüfen lassen sich die internen Kontrollen so allerdings auch nicht.

Festivalbericht oder verlängerte Öffentlichkeitsarbeit?

Nach dem Festival meldeten Branchenportale unter Berufung auf den Werkzeughersteller Fischer, im Rahmen der Little-Home-Aktion seien 100 Tiny Houses für wohnungslose Menschen „entstanden“. Wie bereits erwähnt, trifft das selbst nach den eigenen Angaben von Little Home nicht zu. Wie viele Little Homes tatsächlich fertig gestellt wurden, ob diese bezugsbereit, genehmigt und konkreten Nutzer*innen zugeordnet wurden, lässt sich den Berichten nicht entnehmen.

Quelle: Screenshot fz-profiboerse.de

Sozialaktion oder „Social Washing“?

Die 100-Häuser-Aktion erzeugt starke Bilder: Hunderte junge Menschen packen gemeinsam an, Unternehmen stellen Material bereit, Influencer*innen werben um Spenden und am Ende stehen zahlreiche kleine Holzhäuser auf dem Festivalgelände.

Ob damit nachhaltig Wohnungslosigkeit bekämpft wird, ist eine andere Frage. Und sich dieser Frage zu stellen, daran haben die Beteiligten offenbar keinerlei Interesse.

Die BAG W warnte gegenüber FundiWatch davor, dass solche Aktionen Unternehmen und Veranstaltenden positive Aufmerksamkeit verschaffen können, ohne die strukturellen Ursachen von Wohnungslosigkeit zu verändern. Sie spricht in diesem Zusammenhang von der Gefahr eines „Social Washing“.

An spektakulären Bauaktionen mangelt es allerdings nicht. Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum, abgesicherten Mietverhältnissen, qualifizierten Hilfen und einer kommunalen Wohnungspolitik, die auch Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf erreicht.

Der Selbstversuch als Erzählmuster

Doch all das scheint die Real Life Guys nicht wirklich zu kümmern. Stattdessen passt die Little-Home-Aktion zu einem bekannten Erzählmuster der Real Life Guys: Ein gesellschaftliches oder existenzielles Problem wird zum spektakulären Selbstversuch.

Und so geht auch die Bauaktion auf dem Macher Festival auf einen solchen „Selbstversuch“ zurück:

Quelle: Screenshot YouTube, „The Real Life Guys“ zur Serie „10 Tage obdachlos“

Nach einem 2025 auf YouTube veröffentlichten Selbstversuch von Johannes Mickenbecker, bei dem er weitgehend allein auf einem Waldgrundstück lebte und dabei auch einem Obdachlosen begegnete, versuchte er 2026 gemeinsam mit Daniel Michaelidis von den Real Life Guys zehn Tage „obdachlos“ auf der Straße zu leben. Die Serie erschien schließlich bei Joyn, aus dem „Selbstversuch“ 2025 entstand der bereits in Teil 2 erwähnte und auf dem Festival beworbene Kino-Dokumentarfilm „100 Tage Autark“.

Nach sechs Tagen brachen Mickenbecker und Michaelidis die Aktion ab. In der siebten Folge kommt Mickenbecker dann zu dem Fazit:

„Eine der besten Möglichkeiten, den Menschen auf der Straße ein Stück Würde und Sicherheit zu geben, um ihnen den Weg zurück in die Gesellschaft zu ermöglichen, sind die kleinen Häuser vom Verein Little Home e.V.“

Schließlich bauen die Real Life Guys „ein richtig süßes Tiny House“ und kündigen dabei bereits die Bauaktion auf dem Macher Festival an.

In der letzten Folge tritt dann Sven Lüdecke von Little Home selbst in der Serie auf und begutachtet das von den Real Life Guys gebaute Tiny House. Bevor es dann – nach einer „Testnacht“ der Real Life Guys – an eine obdachlose Person übergeben wird, der sie „Viel Spaß mit deinem neuen Haus“ wünschen.

„Armutssimulation privilegierter Menschen mit garantiertem Rückfahrschein“

Gemeinsam ist den „Selbsterfahrungsexperimenten“, dass die Real Life Guys aus ihren privilegierten Positionen heraus die Experimente freilich jederzeit beenden konnten und gleichzeitig über Reichweite verfügen.

Die BAG W bezeichnete solche Formate gegenüber FundiWatch als „Armutssimulation privilegierter Menschen mit garantiertem Rückfahrschein“. Sie  beurteilt entsprechende Selbstversuche als „ethisch fragwürdig“.

Freiwilliger Verzicht ist eben nicht dasselbe wie unfreiwillige Wohnungslosigkeit. Wer sich für ein Video zeitweise schwierigen Bedingungen aussetzt, erlebt weder dieselbe Rechtsunsicherheit noch dieselbe Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit wie ein Mensch, der tatsächlich keine Wohnung hat. Wer dann noch im Rahmen so einer Aktion behauptet, die Zurverfügungstellung von unter Mindeststandards liegender Little Homes sei „eine der besten Möglichkeiten“ obdachlosen Menschen zu helfen, scheint nicht nur uninformiert sondern erweckt auch erhebliche Zweifel, ob es ihm wirklich um echte Hilfe geht.

Auf die Nachfragen von FundiWatch, ob sich die Macher Festival GmbH bei der Planung der Aktion mit der fachlichen Kritik u.a. der BAG W auseinandergesetzt hat, welchen Status Nutzer*innen erhalten, denen die errichteten Little Homes zur Verfügung gestellt werden und wie die Nutzer*innen ausgewählt werden erhielten wir übrigens ebenfalls keine Antwort.

Bauen und Schweißen auf eigene Gefahr?

Und dann wäre da noch der Haftungsausschluss. Besucher*innen des Macher Festivals mussten 2026 offenbar eine ungewöhnlich weitreichende Haftungsfreistellungs- und -ausschlusserklärung abgeben. Nach bisherigem Stand soll sie auch für das Festival 2027 wieder verwendet werden.

Der Hinweis auf den Haftungsausschluss findet sich im „Kleingedruckten“, konkret unter § 15 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Macher Festival GmbH. Dort heißt es, Bestandteil der AGB sei eine „vom Besucher auszufüllende Haftungsfreistellungs- und -ausschlusserklärung“. Abrufbar ist diese Erklärung dort nicht. Deren Unterzeichnung ist offenbar erst nach Erwerb der Tickets vorgesehen und soll dann wohl Voraussetzung sein, um das Gelände betreten zu dürfen.

Tatsächlich darf die Haftung für fahrlässig verursachte Verletzungen von Leben, Körper oder Gesundheit in AGB aber (rechtlich) nicht ausgeschlossen werden. Im Übrigen müssen Allgemeine Geschäftsbedingungen für Verbraucher*innen bei Vertragsschluss transparent sein.

Verbraucherzentrale prüft Abmahnung

FundiWatch bat deshalb die Verbraucherzentrale Hessen um Prüfung. Diese teilte am 20. August mit, die Fachgruppe Rechtsdurchsetzung prüfe „wegen fehlender Hinweise für die Verbraucher vor Abschluss des Bestellvorgangs für die Tickets, rechtliche Schritte in Form einer Abmahnung gegen den Anbieter einzuleiten“. Der aktuelle Stand der Prüfung ist uns derzeit nicht bekannt.

Unsere Fragen hierzu an die Macher Festival GmbH blieben ebenso unbeantwortet wie unsere Fragen zu Verletzungen oder größeren Schäden im Rahmen des Festivals 2026.

Hauptsache machen?

Das Versprechen des Macher Festivals klingt erst einmal gut: Nicht lange reden, sondern anfangen. Gemeinsam bauen, ausprobieren und vielleicht sogar Interesse am Handwerk wecken. Dabei noch Notleidenden etwas „Gutes“ tun.

Nur: Machen allein reicht nicht. Und welche Ideologien sollen bei diesem Festival – so ganz beiläufig und niederschwellig – mit transportiert werden? Ist es wirklich Zufall, dass sich Follower*innen des Festivals in einigen Accounts quasi nahtlos auf Wahlkampfveranstaltungen rechtslibertärer Gruppen wieder finden oder sich Missionierung christlich-fundamentalistischer Gruppen und Werbung für evangelikale Filme ausgesetzt sehen, die sich einem ganz bestimmten – und gewiss nicht pluralistischen Weltbild – verschrieben sehen?

Im Übrigen: Ein möglichst weitreichender Haftungsausschluss ersetzt keine Verantwortung. Gleiches gilt für die religiöse Ausrichtung: Wenn Missionsorganisationen auf dem Gelände Glaubensgespräche führen, gemeinsam beten und zu einer Entscheidung für Jesus einladen, sollte das auch so benannt und transparent gemacht werden. Erst so würde eine informierte und letztlich selbstbestimmte Entscheidung über eine Teilnahme ermöglicht. Und letztlich gilt dies auch für die Übernahme von Verantwortung vermeintlich sozialer Projekte bzw. dass diese auch tatsächlich auf Unterstützung angewiesenen Personen zugutekommen.

Natürlich: Dass unsere Fragen nicht beantwortet wurden, belegt zunächst einmal nichts. Es zeigt allerdings eine beklemmende Intransparenz, die unseres Erachtens so nicht hingenommen werden sollte. Dass große Handwerksverbände und Künstler*innen dies einfach so zu akzeptieren scheinen, hinterlässt bei uns kein gutes Gefühl. Und erst recht nicht, dass professionelle Medien offenbar nicht interessiert daran sind, diesen Fragen nachzugehen.

Weit mehr als ein bloßes Bastel- und Tüftlerwochenende

Um ein bloßes Bastel- und Tüftlerwochenende geht es beim Macher Festival jedenfalls offensichtlich längst nicht mehr.

Rund ums Festival treffen die Real Life Guys auf Handwerksverbände, Missionsorganisationen, christliche Medienprojekte, Sozialvereine und professionelle Filmstudios. Über einzelne Beteiligte im weiteren Sinne reichen die Verbindungen mittlerweile bis in rechtslibertäre politische Netzwerke. Als vollkommen unpolitischer Abenteuerspielplatz lässt sich das Festival kaum noch glaubhaft darstellen.

Vielleicht reicht das ja, damit vor dem Festival 2027 noch einmal genauer hingesehen wird.


Transparenzhinweis: Unsere bis heute unbeantwortet gebliebenen Anfragen an die Macher Festival GmbH und den Little Home e.V. sind an dieser Stelle abrufbar.

Hauptsache ‚machen‘ – Mission ohne Haftung?

Beim Macher Festival der Real Life Guys treffen Nachwuchswerbung fürs Handwerk, evangelikale Mission, riskante Selbstversuche und umstrittene Hilfe für wohnungslose Menschen aufeinander

Auf dem Ferropolis-Gelände in Gräfenhainichen wird geschweißt, geschraubt und ausprobiert. Das von den erfolgreichen Do-It-Yourself- und Abenteuer-YouTubern „The Real Life Guys“ initiierte und wesentlich geprägte Macher Festival präsentiert sich als riesiger Abenteuerspielplatz für Familien, Jugendliche und Menschen, die lieber anpacken als lange diskutieren. Vom 06. bis 09.08.2026 fand das Festival nun bereits zum dritten Mal statt.

Schon 2025 berichtete FundiWatch über die evangelikalen Verbindungen hinter dem Macher Festival. Auch 2026 waren Missionsorganisationen auf dem Gelände aktiv. Gleichzeitig arbeitet das Festival eng mit dem organisierten Handwerk zusammen und warb mit einer spektakulären Aktion in Kooperation mit dem Verein Little Home e.V.: Innerhalb von vier Tagen sollten 100 sogenannte „Little Homes“ (teils auch als „tiny homes“ bezeichnet) für wohnungslose Menschen entstehen.

Doch was wurde aus diesen Häusern? Warum lief die Spendenkampagne nach dem Festival weiter? Und weshalb sollen Besucher*innen bei einem Festival voller Werkzeuge, Maschinen und ungewöhnlicher Eigenbauten weitreichende Haftungsausschlüsse und -freistellungen unterschreiben?

Wir haben der Macher Festival GmbH und dem Little Home e.V. dazu ausführliche Fragen geschickt. Geantwortet hat keiner von beiden. Eine ausführliche Antwort erhielten wir hingegen von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, die das Konzept sogenannter tiny homes und von FundiWatch recherchierte Praktiken des Little Home e.V. kritisch beurteilt.

Los geht es mit Teil 1 unserer Beitragsreihe über das Festival…

Teil 1: Baugewerbe & Mission – „Es gibt immer was zu tun!“

Strategische Partnerschaft mit dem Baugewerbe

Das Macher Festival ist längst mehr als ein Fantreffen rund um die Real Life Guys, denen auf YouTube mehr als zwei Millionen Menschen folgen. Bereits 2025 ging der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) mit ihnen eine „strategische Partnerschaft“ ein. Dieses Jahr wurde sie fortgesetzt.

Quelle: zdb.de

Die Handwerkskammer Halle bezeichnete das Festival als „moderne Plattform des Handwerks“ und hob Nachwuchsgewinnung, Imagepflege und Unternehmenssichtbarkeit hervor. Hornbach warb in einer Pressemitteilung mit der „positiven Energie des Machermomentums“ und bezeichnete die Veranstaltung als größtes DIY- und Handwerksfestival Deutschlands.

Daran ist zunächst nichts auszusetzen – das Handwerk sucht dringend Nachwuchs, und ein Festival, auf dem Jugendliche Werkzeuge und Maschinen tatsächlich ausprobieren können, ist dafür eine naheliegende Plattform.

Die Unterstützung großer Verbände und Unternehmen verleiht dem Festival allerdings auch Seriosität. Bunte Werbebanner und Kooperationen fallen deutlich mehr auf als die missionarische Seite des Festivals. Absicht? Jedenfalls sollte diese Seite des Festivals ebenso wenig unberücksichtigt bleiben, wie weitere sich im Zusammenhang mit dem Festival aufdrängende Fragen.

Quelle: macherfestival.io

Weniger christliche Bands – weniger Mission?

Im Vergleich zum Vorjahr waren 2026 weniger Bands eindeutig dem christlichen Musik- und Gemeindemilieu zuzuordnen.

2025 waren noch unter anderem die O’Bros, Good Weather Forecast und Elijah Thomas Appel aus dem Umfeld der Outbreakband im Programm vertreten. Die Verbindungen hatten wir in unserem Artikel zum Festival 2025 dargestellt.

Quelle: https://www.macherfestival.io/talk-stages-collection/o-bros

Dieses Jahr standen auf der abendlichen Hauptbühne stattdessen eher „weltliche“ Künstler*innen wie die DJs Alle Farben und D.T.E. sowie der Saxophonist André Schnurra – begleitet von aufwendigen Feuer- und Lichtshows und abendlichen Feuerwerken.

Quelle: Instagram

Also weniger christliche Bands und damit auch weniger Mission? Bei genauerem Hinsehen eher nicht. Die evangelistischen Angebote verlagerten sich offenbar stärker auf persönliche Gespräche, Gottesdienste und niedrigschwellige Erlebnisangebote. Weniger offen christliche Bühnenkultur – dafür Mission mitten im allgemeinen Festivalbetrieb.

Mission als Teil des Festivalangebots – THE FOUR und Campus für Christus

In seiner Außendarstellung erscheint das Macher Festival nicht als christliche oder missionarische Veranstaltung. Ein Blick auf die beteiligten Organisationen ergibt jedoch – auch dieses Jahr – ein anderes Bild.

Erneut war THE FOUR auf dem Festival präsent. Dabei handelt es sich um ein Evangelisationskonzept der Missionsorganisation Campus für Christus. THE FOUR erklärt den christlichen Glauben anhand von vier Symbolen, die auch auf dem Festivalgelände an verschiedenen Stellen präsent waren und in einem von THE FOUR veröffentlichten Leseplan näher erläutert werden:

1. Das Herz: „Gott liebt mich“ 2. Trennzeichen: „Ich lebe getrennt von Gott.“ Gemeint ist die durch „Sünde“ verursachte Trennung. 3. Kreuz: „Jesus gab alles für mich.“ Jesu Tod und Auferstehung sollen diese Trennung überwinden. 4.  Fragezeichen: „Will ich mit Jesus leben?“ Das Fragezeichen fordert ausdrücklich zu einer persönlichen Glaubensentscheidung auf.

Quelle: Instagram

 

Und genau darum geht es bei Campus für Christus und THE FOUR: Menschen zu einer solchen Entscheidung zu führen. Auf einem DIY-Handwerkerfestival? Wer sich die Evangelisationsstrategie der Organisation näher anschaut, dürfte davon kaum überrascht sein. Sport, Kultur, Beziehungen, Bildung oder Freizeit werden von Campus für Christus oder auch THE FOUR immer wieder als Begegnungsräume (aus-)genutzt, um damit Zugänge für die eigenen Missionsanliegen zu schaffen.

Kreuzzug für Christus?

Campus für Christus ist der deutsche Ableger der aus den USA stammenden und von Bill Bright gegründeten Missionsorganisation „Campus Crusade for Christ“ (in etwa: „Campus Kreuzzug für Christus“). Bereits 1976 zitierte das Time Magazine evangelikale Kritiker mit der Einschätzung, Campus Crusade werde „wie eine Diktatur mit militärischem Stil“ geführt; das System drohe wichtiger zu werden als seine Botschaft. Mittlerweile hat die US-Organisation den militärischen Namen zumindest im Erscheinungsbild etwas entschärft – sie heißt nun seit 2011 schlicht „Cru“.

Der 2003 verstorbene Gründer Bill Bright gehörte zu den Akteuren, die zur dauerhaften Verbindung von konservativem Evangelikalismus und republikanischer Politik und dem Erstarken einer religiösen Rechten in den USA beitrugen. Zudem war Bright einer der Evangelisten denen – vermeintlich vom Heiligen Geist – das sogenannte „Seven Mountain Mandate“ offenbart wurde. Nach dieser „Vision“ sollen Christ*innen berufen sein, strategisch in zentrale gesellschaftliche Bereiche hineinzuwirken – darunter Politik, Bildung, Medien, Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft, Religion und Familie.

Diese Vorstellung hat sich bis heute zu einer durchaus weit verbreiteten herrschaftstheologischen Ideologie entwickelt, über die wir bereits an verschiedenen Stellen berichtet haben. Umso bemerkenswerter, wie unkritisch genau diese Strategie auch heute noch auf der Webseite von Campus für Christus benannt wird:

„Im Jahr 1975 traf sich Bill Bright, der Gründer von Campus für Christus, mit Loren Cunningham, dem Gründer von „Jugend mit einer Mission“. Sie dachten gemeinsam darüber nach, wie Gesellschaft durch Gottes Liebe transformiert werden könnte. Sie teilten die Gesellschaft in sieben Schlüsselbereiche, wie Politik, Bildung, Kunst und Entertainment ein und betonten die Wichtigkeit, dass Christen in alle diese Bereiche strategisch hineinwirken. Gut 45 Jahre später sind wir als Campus für Christus in Deutschland weiterhin auf den Spuren dieser beiden Visionäre unterwegs und tragen Gottes Liebe durch unsere Ministries in immer mehr Zielgruppen und Bereiche der Gesellschaft hinein.“

Im Übrigen vertritt Campus für Christus national wie international im Wesentlichen „klassisch“ christlich-fundamentalistische und erzkonservative Ideologien. In Deutschland wurde Campus für Christus u.a. für seine Position zu Konversionsbehandlungen kritisiert, also Praktiken, die auf die (nach allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mögliche und potentiell lebensgefährdende) Versuche der Veränderung der sexuellen Orientierung oder Identität von Menschen abzielen.

„Living Bus“, „Camping Church“ & „THE FOUR Challenge“: „Wir bringen die Botschaft zu den Leuten“

Doch zurück zum Festival auf dem Ferropolis-Gelände: Für das Macher Festival 2026 beschrieb THE FOUR den eigenen Einsatz als „Outreach“. Auf der Aktionsseite wurden unter anderem ein „Living Bus“, eine „Camping Church“, Morgenandachten, Lobpreiszeiten, Gottesdienste und die „THE FOUR Challenge“ angekündigt. Wörtlich hieß es: „Wir bringen die Botschaft zu den Leuten“ (THE FOUR: Macherfestival 2026).

Quelle: Screenshot https://thefour.com/de-ch/einsaetze/macherfestival/

Bereits der Rückblick von THE FOUR auf einen früheren Festivaleinsatz zeigt, wie weit diese Präsenz über einen bloßen Informationsstand hinausging. Nach Angaben der Organisation waren die Beteiligten von den Real Life Guys eingeladen worden, „um mit den Menschen über Gott zu sprechen“. Im Living Bus und in einer Kapelle habe es Glaubensgespräche, „evangelistische Inputs“ und ein „Hingabegebet“ gegeben. THE FOUR bezeichnete das Festival rückblickend als „Jackpot“ für die Evangelisation (THE FOUR: Rückblick auf das Macher Festival). THE FOUR betreibt auf dem Festival also nicht einfach einen Informationsstand. Vielmehr handelt es sich um einen geplanten Missionseinsatz offenbar in enger Abstimmung mit den Veranstaltenden.

In der allgemeinen Werbung des Festivals erfährt man davon allerdings kaum etwas. FundiWatch wollte deshalb unter anderem wissen, welche Missionswerke 2026 beteiligt waren, ob THE FOUR ausdrücklich zu evangelistischen Aktivitäten eingeladen wurde, welche Regeln für Bekehrungsaufrufe und sogenannte Hingabegebete gelten und wie Minderjährige vor missionarischen Ansprachen ohne Wissen ihrer Sorgeberechtigten geschützt werden. Das Macher Festival ließ alle Fragen unbeantwortet.

„Planlos? Bau auf Jesus“ – und die Medien laufen vorbei

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Umgang regionaler Medien mit dem Festival. Mitteldeutsche Zeitung und Volksstimme kündigten für den 6. August einen gemeinsamen Livestream vom Gelände an.

Reporter Chris Luzio Schönburg sollte in seiner „Livezeit“ zeigen, „was hier alles entsteht“ (Ankündigung der Mitteldeutschen Zeitung; Ankündigung der Volksstimme). In dem von FundiWatch ausgewerteten Video wird ausführlich über Mitmachangebote, auf dem Festival von Teilnehmenden gebaute Konstruktionen und die Real Life Guys berichtet. Eine Einordnung des religiösen Hintergrunds der YouTuber oder der auf dem Gelände tätigen Missionsorganisationen erfolgte hingegen nicht.

Besonders deutlich wird diese Leerstelle, als der Reporter in seinem Stream an einer für THE FOUR errichteten kirchenartigen Konstruktion vorbeiläuft, auf der sich auch das Logo und die bereits erwähnten vier Symbole von THE FOUR befinden. Groß und deutlich lesbar steht darauf: „Planlos? Bau auf Jesus.“

Anlass für den Reporter, dieses wohl zumindest ungewöhnliche „Angebot“ auf einem Handwerkerfestival anzusprechen? Nein.

Quelle: Screenshot aus dem bei volksstimme.de veröffentlichten Video

Natürlich muss nicht jeder Festivalbesuch zur investigativen Recherche werden. Wenn eine Redaktion die Inszenierung des Veranstalters aber weitgehend übernimmt und einen wesentlichen Teil des Angebots selbst dann übersieht, wenn ihr Reporter im wörtlichen Sinn daran vorbeiläuft, wird es journalistisch – vorsichtig ausgedrückt – „dünn“.

Die Real Life Guys sind nicht nur reichweitenstarke Bastel-YouTuber. Ihr christlicher Glaube und die Einbindung evangelikaler Akteur*innen wurden bereits mehrfach thematisiert und sind öffentlich ohne weiteres nachvollziehbar. Und THE FOUR macht keinen Hehl daraus, dass es auf dem Macher Festival evangelisieren will. Wer das Festival ausführlich vorstellt, sollte diese Ebene zumindest benennen.

THE FOUR, Reach Mallorca und Rose de Jesus

Die Aktivitäten von THE FOUR beschränkten sich übrigens erneut nicht nur auf das Macher Festival. Auch dieses Jahr war die Organisation wieder am zeitgleich stattfindenden „Reach Mallorca“ beteiligt.

Die Kampagne will Tourist*innen und auf Mallorca lebende Menschen mit dem Evangelium erreichen. Auf ihrer Internetseite kündigt „Reach Mallorca“ Straßeneinsätze, Strandgottesdienste, Gespräche an der sogenannten Schinkenstraße und weitere evangelistische Aktivitäten an. Erklärtes Ziel ist, dass Menschen die christliche Botschaft hören (Reach Mallorca; Outreach 2026; THE FOUR: Reach Mallorca).

In Ankündigungen zu Reach Mallorca wurde unter anderem die Christfluencerin Rose de Jesus als „Special Act“ geführt (Instagram-Ankündigung). Rose de Jesus, die auch unter dem Namen Lorosa auftritt, war kurz zuvor eine der Protagonistinnen der ZDF-Dokumentation „Der Teufel in mir – Exorzismus heute“, wo sie bei der Durchführung eines äußerst irritierenden „Exorzismus“ gezeigt wurde.

Das heißt nicht, dass entsprechende Praktiken auch auf dem Macher Festival stattfanden. Es zeigt aber, in welchem missionarischen Umfeld THE FOUR aktiv ist. Fragen nach Inhalt, Grenzen und Schutzkonzepten der religiösen Angebote wären also keineswegs abwegig gewesen, weswegen wir genau damit den Veranstalter konfrontiert haben. Beantwortet hat die Macher Festival GmbH unsere Fragen hingegen nicht.

Evangelisationsteam e.V. auf dem Macher Festival: Evangelisation, während die Kinder bauen

Auch das „Evangelisationsteam“ führte das Macher Festival dieses Jahr erneut als Evangelisationstermin und warb für Unterstützung zur Mitarbeit auf dem Festival.

Quelle: Facebook

Der Evangelisationsteam e.V. entstand wesentlich aus dem Konflikt um Homosexualität innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. So beschloss die Landeskirche Anfang 2012 einen „Kompromiss“ zum Umgang mit homosexuellen Pfarrpersonen. In begründeten Einzelfällen sollten in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft mit ihrem Partner lebende Pfarrpersonen im Pfarrhaus leben dürfen; Voraussetzung war unter anderem die Zustimmung des Kirchenvorstands. Zugleich hielt die Kirchenleitung am Leitbild der Ehe von Mann und Frau fest.

Im Kreis um die Jugendevangelisten und Pfarrer Lutz Scheffler und Theo Lehmann stieß dies auf erhebliche Kritik, die schließlich dazu führte, dass das Evangelisationsteam den „status confessionis“ – also den Bekenntnisfall – ausrief und erklärte, den Landesbischof, die Kirchenleitung und die Landessynode nicht mehr als geistliche Leitung der Landeskirche anzuerkennen. Scheffler wurde daraufhin vom Dienst suspendiert und Ende 2014 wurde das bereits zuvor als loser Zusammenschluss geführte Evangelisationsteam als Verein gegründet.

Eng verwoben ist das Evangelisationsteam auch mit dem Missions- & Gottesdienstnetzwerk „Frohe Botschaft für Deutschland e.V.“. Der mit beiden Organisationen eng verbundene Pfarrer Theo Lehmann trat am 04.11.2017 bei den „Dresdner Gesprächen“ der Jungen Alternative Dresden auf und suchte immer wieder die Nähe zu Pegida und der AfD. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts führt Lehmann entsprechend als Beispiel für die Überschneidungen zwischen christlichem Antifeminismus und extremer Rechter an und verweist auf seine regelmäßigen Auftritte bei CEGIDA („Chemnitz gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Chrismon formulierte bereits 2020, Lehmann gehöre zu den „radikal-evangelikalen“ Vertretern, die „die Nähe zu AfD und Pegida“ suchten.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass das Evangelisationsteam auch enge Verbindungen zum  rechtschristliche Pastor Olaf Latzel aus der St. Martini Gemeinde in Bremen unterhält, der auch beim Chemnitzer Bibelseminar 2025 des Evangelisationsteams auftrat. Latzel fällt immer wieder mit queerfeindlichen Hasstiraden und Zusammenarbeit mit der christlichen Rechten auf.

Bereits zum Macher Festival 2025 hatte FundiWatch dokumentiert, dass das Evangelisationsteam plante, auf dem Festival Eltern anzusprechen, „während ihre Kinder bauen“. Dieses Jahr fragten wir bei den Veranstaltern nach, was sie von dieser Aktion halten und welche konkreten Absprachen mit dem Evangelisationsteam bestanden. Doch die Macher Festival GmbH beantwortete weder dies, noch, welche konkreten Absprachen mit dem Evangelisationsteam bestanden.

International Justice Mission beim „Macher Talk“

Beim Festival trat zudem die ebenfalls evangelikal geprägte International Justice Mission (IJM) im Rahmen eines „Macher-Talks“ – ein Talk-Format auf dem Festival – auf.

Quelle: Instagram

IJM beschreibt sich selbst als internationale Menschenrechtsorganisation, die gegen Menschenhandel, Sklaverei und Gewalt gegen Menschen in Armut vorgeht. Zugleich ist IJM Mitglied im evangelikal geprägten Bündnis Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) (Mitgliedsorganisationen von ggmh).

Zu den Mitgliedorganisationen von ggmh gehörte bis vor Kurzem auch noch der seit Langem umstrittene Verein Mission Freedom, aus dessen Einrichtung „Haus SeeNest“ im Allgäu erst vor Kurzem sämtliche Kinder wegen vermeintlich kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden in Obhut genommen wurden (worüber wir ausführlich berichten). Weiterhin Mitglied bei ggmh ist der Verein Hope e.V., über dessen ausgeprägten Dämonenglauben und Aktivitäten an Schulen wir hier bereits berichteten.

An IJM gibt es seit Jahren fachliche Kritik. Untersuchungen werfen Teilen der Organisation vor, stark auf Polizeieinsätze und sogenannte Rescue Operations zu setzen, deren Folgen für Sexarbeiter*innen und mutmaßliche Betroffene nicht immer ausreichend berücksichtigt würden. Kritisiert wurden unter anderem paternalistische Rettungsnarrative, eine unzureichende Unterscheidung zwischen freiwilliger Sexarbeit und Menschenhandel sowie die Gefahr, dass Razzien zu Festnahmen, Stigmatisierung oder erneuter Abhängigkeit führen können (Type Investigations; anti-trafficing review).

Eine BBC-Africa-Eye-Recherche dokumentierte 2023 Fälle in Ghana, in denen bei von IJM unterstützten „Rettungsaktionen“ Kinder von ihren Familien getrennt und Angehörige als Menschenhändler verfolgt wurden, obwohl sich der Verdacht später nicht bestätigte; Undercover-Aufnahmen warfen zudem Fragen nach einer internen Kultur quantitativer Zielvorgaben für „Rescues“ und Strafverfolgungen auf. IJM wies wesentliche Vorwürfe zurück, bestätigte aber, mit solchen Zielvorgaben zu arbeiten, und kündigte an, mögliche Verbesserungen seiner Verfahren zu prüfen – öffentlich dokumentierte Ergebnisse oder konkrete Konsequenzen dieser Überprüfung sind bislang nicht auffindbar. Bemerkenswert ist, dass IJM Deutschland die Stellungnahme zur BBC-Dokumentation bis heute auf seiner Ghana-Seite aufführt und dort zugleich weiterhin mit vermeintlich quantifizierten Erfolgen wirbt: mehr als 420 „befreite“ Betroffene und mehr als 150 Festnahmen.

FundiWatch fragte die Macher Festival GmbH, warum IJM zum Macher Talk eingeladen wurde. Auch diese Frage blieb unbeantwortet.

Teil 2 – Das Netzwerk hinter dem Festival…

In TEIL 2 schauen wir uns das Netzwerk hinter dem Macher Festival einmal genauer an…

Das „Macher Festival“ der „Real Life Guys“

Missionierung christlicher Fundamentalist*innen zwischen Bohrmaschinen und Monster-Cars?

Vom 07. bis 10.08.2025 fand nördlich von Leipzig zum zweiten Mal das sogenannte Do-It-Yourself & Handwerker-Macher Festival des Projekts The Real Life Guys in Kooperation mit zahlreichen Unternehmen aus dem Bau- und Heimwerkergewerbe statt. Das Ferropolis-Gelände wurde dazu in einen riesigen Abenteuerspielplatz verwandelt.

Wer die Geschichte der Real Life Guys und ihr Engagement in der christlich-fundamentalistischen Szene kennt, wird eine dementsprechende „christliche“ Ausrichtung des Festivals zunächst trotzdem allenfalls am Rande finden. Bei genauerer Betrachtung, scheint das Festival aber durchaus auch als „Missionsfeld“ dienen zu sollen…

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Nach 2024 veranstalteten die Youtuber The Real Life Guys nun zum zweiten Mal das DIY & Handwerker-Macher-Festival in Gräfenhainichen auf der Halbinsel des Ferropolis-Gelände. Mit zahlreichen Partnerunternehmen wie Abus, Bosch, Hailo, Hornbach u.v.m. versprach das Macher Festival ein actionreiches Wochenende bei besten Sommertemperaturen, dessen Fokus auf Spaß, Erlebnis und Abenteuer liegt.

Strategische Partnerschaft zur Förderung des Branchennachwuchses?

Das Ganze soll allerdings offenbar auch einen wirtschaftpolitischem Zweck dienen: Erst letzten Monat gingen der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und die Real Life Guys eine strategische Partnerschaft in den Bereichen Fachkräfte und Branchennachwuchs ein.

Laut einer hierzu veröffentlichten Pressemitteilung soll die Partnerschaft dazu dienen, die vielfältigen Möglichkeiten einer Ausbildung im Bauhandwerk sichtbar zu machen. Die Real Life Guys seien durch spektakuläre Eigenbau-Projekte wie U-Boote aus Badewannen oder selbstkonstruierte Fluggeräte bekannt, erreichten allein auf YouTube fast zwei Millionen Abonnenten und sprächen mit ihrem DIY-Ansatz gezielt eine junge Zielgruppe an.

Doch beim Projekt der Real Life Guys geht es um mehr…

Die Glaubensgeschichte der Real Life Guys

Tatsächlich ist die Erfolgsgeschichte der Real Life Guys und ihr großer Erfolg bemerkenswert. Wer sich mit dieser aber etwas näher befasst, wird schnell feststellen, dass es dabei um deutlich mehr als actionreiche Youtube-Videos und waghalsige DIY-Aktionen geht. Denn Johannes Mickenbecker, der das Projekt The Real Life Guys zunächst mit seinem Zwillingsbruder Philipp und seiner Schwester Elli startete, ist die Vermittlung seines tiefen christlichen Glaubens sehr wichtig.

Zwar wuchsen die Mickenbeckers bereits in einer streng christlichen Familie auf. Die Eltern unterrichteten ihre Kinder in der Grundschulzeit selbst, da es ihnen wichtig war, „dass alle Dinge in Verbindung mit dem Glauben geschehen„. Den Weg zum persönlichen Glauben fand Johannes nach eigenen Angaben aber erst nach dem plötzlichen Tod seiner Schwester und während der Krebserkrankung seines Zwillingsbruders Philipp.

Philipp war sich nach seiner Erkrankung zunächst sicher, dass Gott ihn heilen wird. Mit seiner Zuversicht, die er in seinem Glauben fand, war er gefragter Gast in zahlreichen Talkshows und auf christlichen Events, insbesondere in der freikirchlichen Szene. Die letzten Monate seiner Krankheit – bis hin zu seinem Verbluten auf dem Krankenbett – wurden in der Dokumentation „Philipp Mickenbecker: Real Life“ festgehalten (und kein noch so intimer Moment ausgelassen). Kurz nach dem in der Doku festgehaltenem Moment des Sterbens von Philipp verkündet einer der anwesenden (letzten nicht christlichen) Freunde: „Ich lass mich taufen“.

Bereits Anfang 2024 berichtete die taz über die zunehmend (subtil) missionarischere Ausrichtung der Real Life Guys und das schließlich 2020 mit Christopher Schacht, damals in Ausbildung zum Pastor und Missionar am theologischen Seminar des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), gegründete Projekt Life Lion.

Wer sich auf der Webseite von Life Lion umschaut, erkennt schnell das klar evangelikal christlich-fundamentalistische Profil: Im Podcast finden sich Gespräche mit der eng mit dem rechten Influencer „Ketzer der Neuzeit“ verbundenen Jasmin Friesen (damals noch Neubauer) ebenso wie mit dem Prediger Henok Worku von der Vive Church, der auf einer Holy Spirit Night von neuen Bücherverbrennungen träumte. Auch der Youtube-Kanal von Life Lion mit 300.000 Abonent*innen bedient die geradezu „klassischen“ Themenfelder der Szene, wie „rituelle Gewalt“, Satanismus, Abtreibung, „Zwangsprostitution“, Wunder uvm.

Wo versteckt sich „Gott“ beim Macher Festival?

Von all dem bemerkt man bei der Bewerbung und auf der Homepage des Macher-Festivals zunächst nichts. Lediglich für den Sonntagmorgen wird ein Gottesdienst („Sunday Church“) angeboten.

Blickt man auf die Rezensionen des Events im vergangenen Jahr zurück, findet man auch einige kritische Kommentare:

Ansich ein tolles Festival. Schade, dass es so christlich gehalten ist, auch das Bühnenprogramm. War auf der Webseite nicht zu lesen. Werde nicht mehr hin gehen.

Ein weiterer Kommentar sieht dies offenbar weniger tragisch:

Klasse Sache. Etwas sehr christlich angehaucht aber alles im Rahmen des erträglichen. Freut euch schon auf nächstes Jahr.

Bei den auftretenden Bands ist „Gott“ omnipräsent…

Schaut man allerdings auf die auftretenden Bands, so wird die christlich-fundamentalistische Ausrichtung doch sehr deutlich:

Wenig überraschend finden sich darunter die O’Bros, die mit den Mickenbeckers befreundet sind, und über die in den letzten Wochen bereits ausführlich kritisch berichtet wurde (übrigens ohne, dass sich Alexander Oberschelp bisher dazu positioniert hätte, warum er dieses Jahr zum zweiten Mal an der rechtslibertären Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) teilnahm…).

Des Weiteren die ebenfalls sehr erfolgreiche christliche Lobpreisband Good Weather Forecast, die gemeinsam mit Elijah Thomas Appel auftrat. Appel gehört, ebenso wie Pala Friesen – Ehemann der bereits erwähnten Jasmin Friesen – und Mia Friesen, zur Outbreakband, die ebenfalls der christlich-fundamentalistischen Lobpreis-Band-Szene zuzurechnen ist.

Subtile Missionierung funktioniert eben immer noch am besten über auf den ersten Blick modern wirkende Musik (wer achtet schon auf die Texte?)… Wer an den Bands Gefallen findet, findet sich dann bei einem nächsten Konzert vielleicht schon bei deutlich radikaler ausgerichteten Veranstaltungen wie der UNUM24, der Holy Spirit Night oder einem Gottesdienst des katholischen Theologen Johannes Hartl wieder…

Über Umwege: „Bock auf missionieren?“

Abgesehen davon, scheint den verantstaltenden Real Life Guys bzw. genauer genommen der eigens hierfür gegründeten Macher Festival GmbH aber sehr daran gelegen, den Eindruck eines christlich ausgerichteten Festivals in der Außendarstellung vermeiden zu wollen.

Stattdessen verfolgt man das Anliegen, den „christlichen Glauben“ bei dieser Gelegenheit zu verbreiten, offenbar über Umwege:

So berichtete eine Gruppe der christlich-fundamentalistischen Organisation Campus für Christus (ursprünglich gegründet unter dem Namen „Campus Crusade for Christ“ und u.a. kritisiert für ihre Position zu Konversionsbehandlungen) bereits zum letztjährigen Macher Festival, dass sie von den Real Life Guys eingeladen wurden. Und zwar, so heißt es bei der Gruppe „The Four“ auf ihrer Webseite, „um mit Menschen über Gott und den Glauben zu sprechen – das, was wir am liebsten machen – wie cool ist das denn bitteschön?“.

The Four zeigte sich schon im letzten Jahr begeistert:

Da konnten wir hervorragend mit den wartenden Leuten ins Gespräch über die vier Symbole kommen – sie hingen uns richtig an den Lippen und man konnte mit Jesus “relaten”, als er von einem Boot aus zu den Menschen predigte. […]

Wir brachten auch den Living Bus mit einer Zehnstündigen Fahrt als evangelistischer Begegnungsort mit und bauten kurzerhand einen Kirchen-Aussichtsturm dazu – die Festival-Chappel war perfekt im Herzen des Campings platziert. […]

Also ging es weiter, wir hielten mehrere Evangelistische Inputs mit konkreten Aufrufen, Jesus kompromisslos nachzufolgen. Viele Menschen beteten ein Hingabegebet mit und einige entschieden sich für ein Leben mit Jesus. Irgendwann tauchten die O’Bros und Real Life Guys als Special-Acts auf und wollten den letzten Abend so richtig Party machen mit den Leuten. Doch nach fünf Minuten verabschiedeten sie sich wieder und meinten: „Macht ihr weiter, das passt irgendwie grad nicht in die Atmosphäre hinein.“ Und so wurde aus einer halben Stunde drei (!) Stunden Lobpreis und für viele fühlte es sich an wie Himmel auf Erden! Der Techniker meinte begeistert, dass 1000 Leute da waren. […]

Die Nächte waren kurz, der Schlaf wenig, die Reise lange und die Materialschlacht gross! Aber es hat sich mehr als gelohnt! Crazy, was Gott uns hier ermöglicht hat. Wir sind bereits wieder angefragt für nächstes Jahr.

Und tatsächlich, auch dieses Jahr ist The Four wieder beim Macher Festival vor Ort. Auf seiner Webseite sucht The Four nach Unterstützer*innen für den Missionseinsatz:

Hast du Bock, an dieser wilden Location Jesus gross zu machen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du deine Gaben und Fähigkeiten voll im ganzen Team einsetzen kannst. Wir brauchen jeden und sind sehr gespannt, was Gott dieses Jahr grosses vorbereitet hat. […]

Du kannst dich hier für den Aufbau, das Outreach Camp oder beides anmelden. Erlebe eine unvergessliche Zeit mit Gemeinschaft, Worship, gemeinsamer Gebetszeit und vieles mehr…

Während des diesjährigen Festivals ist The Four offenbar mit einem sogenannten „Living Bus“ aktiv und verteilt „Gewinn des Lebens“-Karten am Glücksrad. Verteilmaterial wie Bibeln und sonstige Traktate wurden offenbar rege verteilt.

Und so findet sich dann neben Monstertrucks und viel Feuerwerk dann doch noch ein Kirchturm mit der Aufschrift „Sprich mit Gott“ auf dem Gelände…

Bilder von der Instagram-Seite des Macherfestivals: Bühne mit Feuerwerk, Monstertrucks, ein aufgebauter Kirchturm

Ein anderer Teil der Gruppe von The Four ist währenddessen zeitgleich beim Missionseinsatz der Organisation ReachMallorca am Ballermann – mit „Heilungsgebeten“ und „Dämonenaustreibungen“ der Christfluencerin Rose de Jesus…

Auch eine weitere Missionsorganisation hat sich auf den Weg zum Macher Festival gemacht: Das „Evangelisationsteam“ suchte auf seiner Webseite ebenfalls nach jungen Leuten als willige Missionare:

Wen suchen wir?

Junge Leute zwischen 18 und 28 Jahren & offen, extrovertiert & herzlich

Bock auf Gespräche mit Eltern, während ihre Kinder bauen

Geschickt – denn vermutlich werden die meisten Eltern beim Aufpassen auf ihre Kinder also nicht weglaufen können. Obwohl es dazu sicher Anlass gäbe, wenn man sich die Inhalte auf der Seite des Evangeliumsdienst ansieht:

In einem auf der Webseite veröffentlichten Rundbrief wird z.B. vom letzten Bibelseminar und den dortigen Predigten des Bremer Pastors Olaf Latzel aus der Bremer Gemeinde St. Martini berichtet. So müssten Christen laut Latzel „in einem Land, das zunehmend Gottes Ordnungen ablehnt, aufstehen und für diese einstehen„. Unter „Gottes Ordnung“, so führt der Bericht weiter aus, sei „die staatliche Ordnung, die Ehe und die biblische Vorstellung von zwei Geschlechtern“ zu verstehen. Erst vor Kurzem wurde ein wegen Volksverhetzung geführtes Verfahren gegen Olaf Latzel gegen Auflagen eingestellt, seine Bezüge von der Landeskirche gekürzt.

Der perfekte Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus…

Und so bleibt zum Ende dieses Artikels, der mit einem scheinbar harmlosen DIY & Handwerker Event begann und damit endet, wie dieses Event offenbar subtil und manipulativ zur Werbung für christlich-fundamentalistische Ideologien genutzt wird, das gleiche Resümee, wie es die taz in oben bereits erwähnten Artikel bereits vergangenes Jahr formuliert hat:

[D]ie „Real Life Guys“ machen die Szene, die sonst oft in ihrer eigenen christlichen Blase stecken bleibt, zugänglich. Weil sie bei Reizthemen wie dem biblizistischen Weltbild, Purity-Culture und Homosexualität vage bleiben, bilden sie den perfekten Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus.

Doch vage bleiben im öffentlichen Auftritt heißt offenbar nicht, dass entsprechende Positionen nicht radikal vertreten und durchzusetzen versucht werden.

Was sagen eigentlich der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und die unterstützenden Unternehmen dazu, dass sie diesen „Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus“ fördern?

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