Beim Macher Festival der Real Life Guys treffen Nachwuchswerbung fürs Handwerk, evangelikale Mission, riskante Selbstversuche und umstrittene Hilfe für wohnungslose Menschen aufeinander
Auf dem Ferropolis-Gelände in Gräfenhainichen wird geschweißt, geschraubt und ausprobiert. Das von den erfolgreichen Do-It-Yourself- und Abenteuer-YouTubern „The Real Life Guys“ initiierte und wesentlich geprägte Macher Festival präsentiert sich als riesiger Abenteuerspielplatz für Familien, Jugendliche und Menschen, die lieber anpacken als lange diskutieren. Vom 06. bis 09.08.2026 fand das Festival nun bereits zum dritten Mal statt.
Schon 2025 berichtete FundiWatch über die evangelikalen Verbindungen hinter dem Macher Festival. Auch 2026 waren Missionsorganisationen auf dem Gelände aktiv. Gleichzeitig arbeitet das Festival eng mit dem organisierten Handwerk zusammen und warb mit einer spektakulären Aktion in Kooperation mit dem Verein Little Home e.V.: Innerhalb von vier Tagen sollten 100 sogenannte „Little Homes“ (teils auch als „tiny homes“ bezeichnet) für wohnungslose Menschen entstehen.
Doch was wurde aus diesen Häusern? Warum lief die Spendenkampagne nach dem Festival weiter? Und weshalb sollen Besucher*innen bei einem Festival voller Werkzeuge, Maschinen und ungewöhnlicher Eigenbauten weitreichende Haftungsausschlüsse und -freistellungen unterschreiben?
Wir haben der Macher Festival GmbH und dem Little Home e.V. dazu ausführliche Fragen geschickt. Geantwortet hat keiner von beiden. Eine ausführliche Antwort erhielten wir hingegen von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, die das Konzept sogenannter tiny homes und von FundiWatch recherchierte Praktiken des Little Home e.V. kritisch beurteilt.
Los geht es mit Teil 1 unserer Beitragsreihe über das Festival…
Teil 1: Baugewerbe & Mission – „Es gibt immer was zu tun!“
Strategische Partnerschaft mit dem Baugewerbe
Das Macher Festival ist längst mehr als ein Fantreffen rund um die Real Life Guys, denen auf YouTube mehr als zwei Millionen Menschen folgen. Bereits 2025 ging der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) mit ihnen eine „strategische Partnerschaft“ ein. Dieses Jahr wurde sie fortgesetzt.

Die Handwerkskammer Halle bezeichnete das Festival als „moderne Plattform des Handwerks“ und hob Nachwuchsgewinnung, Imagepflege und Unternehmenssichtbarkeit hervor. Hornbach warb in einer Pressemitteilung mit der „positiven Energie des Machermomentums“ und bezeichnete die Veranstaltung als größtes DIY- und Handwerksfestival Deutschlands.
Daran ist zunächst nichts auszusetzen – das Handwerk sucht dringend Nachwuchs, und ein Festival, auf dem Jugendliche Werkzeuge und Maschinen tatsächlich ausprobieren können, ist dafür eine naheliegende Plattform.
Die Unterstützung großer Verbände und Unternehmen verleiht dem Festival allerdings auch Seriosität. Bunte Werbebanner und Kooperationen fallen deutlich mehr auf als die missionarische Seite des Festivals. Absicht? Jedenfalls sollte diese Seite des Festivals ebenso wenig unberücksichtigt bleiben, wie weitere sich im Zusammenhang mit dem Festival aufdrängende Fragen.

Weniger christliche Bands – weniger Mission?
Im Vergleich zum Vorjahr waren 2026 weniger Bands eindeutig dem christlichen Musik- und Gemeindemilieu zuzuordnen.
2025 waren noch unter anderem die O’Bros, Good Weather Forecast und Elijah Thomas Appel aus dem Umfeld der Outbreakband im Programm vertreten. Die Verbindungen hatten wir in unserem Artikel zum Festival 2025 dargestellt.

Dieses Jahr standen auf der abendlichen Hauptbühne stattdessen eher „weltliche“ Künstler*innen wie die DJs Alle Farben und D.T.E. sowie der Saxophonist André Schnurra – begleitet von aufwendigen Feuer- und Lichtshows und abendlichen Feuerwerken.

Also weniger christliche Bands und damit auch weniger Mission? Bei genauerem Hinsehen eher nicht. Die evangelistischen Angebote verlagerten sich offenbar stärker auf persönliche Gespräche, Gottesdienste und niedrigschwellige Erlebnisangebote. Weniger offen christliche Bühnenkultur – dafür Mission mitten im allgemeinen Festivalbetrieb.
Mission als Teil des Festivalangebots – THE FOUR und Campus für Christus
In seiner Außendarstellung erscheint das Macher Festival nicht als christliche oder missionarische Veranstaltung. Ein Blick auf die beteiligten Organisationen ergibt jedoch – auch dieses Jahr – ein anderes Bild.
Erneut war THE FOUR auf dem Festival präsent. Dabei handelt es sich um ein Evangelisationskonzept der Missionsorganisation Campus für Christus. THE FOUR erklärt den christlichen Glauben anhand von vier Symbolen, die auch auf dem Festivalgelände an verschiedenen Stellen präsent waren und in einem von THE FOUR veröffentlichten Leseplan näher erläutert werden:
1. Das Herz: „Gott liebt mich“ 2. Trennzeichen: „Ich lebe getrennt von Gott.“ Gemeint ist die durch „Sünde“ verursachte Trennung. 3. Kreuz: „Jesus gab alles für mich.“ Jesu Tod und Auferstehung sollen diese Trennung überwinden. 4. Fragezeichen: „Will ich mit Jesus leben?“ Das Fragezeichen fordert ausdrücklich zu einer persönlichen Glaubensentscheidung auf.


Und genau darum geht es bei Campus für Christus und THE FOUR: Menschen zu einer solchen Entscheidung zu führen. Auf einem DIY-Handwerkerfestival? Wer sich die Evangelisationsstrategie der Organisation näher anschaut, dürfte davon kaum überrascht sein. Sport, Kultur, Beziehungen, Bildung oder Freizeit werden von Campus für Christus oder auch THE FOUR immer wieder als Begegnungsräume (aus-)genutzt, um damit Zugänge für die eigenen Missionsanliegen zu schaffen.
Kreuzzug für Christus?
Campus für Christus ist der deutsche Ableger der aus den USA stammenden und von Bill Bright gegründeten Missionsorganisation „Campus Crusade for Christ“ (in etwa: „Campus Kreuzzug für Christus“). Bereits 1976 zitierte das Time Magazine evangelikale Kritiker mit der Einschätzung, Campus Crusade werde „wie eine Diktatur mit militärischem Stil“ geführt; das System drohe wichtiger zu werden als seine Botschaft. Mittlerweile hat die US-Organisation den militärischen Namen zumindest im Erscheinungsbild etwas entschärft – sie heißt nun seit 2011 schlicht „Cru“.
Der 2003 verstorbene Gründer Bill Bright gehörte zu den Akteuren, die zur dauerhaften Verbindung von konservativem Evangelikalismus und republikanischer Politik und dem Erstarken einer religiösen Rechten in den USA beitrugen. Zudem war Bright einer der Evangelisten denen – vermeintlich vom Heiligen Geist – das sogenannte „Seven Mountain Mandate“ offenbart wurde. Nach dieser „Vision“ sollen Christ*innen berufen sein, strategisch in zentrale gesellschaftliche Bereiche hineinzuwirken – darunter Politik, Bildung, Medien, Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft, Religion und Familie.
Diese Vorstellung hat sich bis heute zu einer durchaus weit verbreiteten herrschaftstheologischen Ideologie entwickelt, über die wir bereits an verschiedenen Stellen berichtet haben. Umso bemerkenswerter, wie unkritisch genau diese Strategie auch heute noch auf der Webseite von Campus für Christus benannt wird:
„Im Jahr 1975 traf sich Bill Bright, der Gründer von Campus für Christus, mit Loren Cunningham, dem Gründer von „Jugend mit einer Mission“. Sie dachten gemeinsam darüber nach, wie Gesellschaft durch Gottes Liebe transformiert werden könnte. Sie teilten die Gesellschaft in sieben Schlüsselbereiche, wie Politik, Bildung, Kunst und Entertainment ein und betonten die Wichtigkeit, dass Christen in alle diese Bereiche strategisch hineinwirken. Gut 45 Jahre später sind wir als Campus für Christus in Deutschland weiterhin auf den Spuren dieser beiden Visionäre unterwegs und tragen Gottes Liebe durch unsere Ministries in immer mehr Zielgruppen und Bereiche der Gesellschaft hinein.“
Im Übrigen vertritt Campus für Christus national wie international im Wesentlichen „klassisch“ christlich-fundamentalistische und erzkonservative Ideologien. In Deutschland wurde Campus für Christus u.a. für seine Position zu Konversionsbehandlungen kritisiert, also Praktiken, die auf die (nach allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mögliche und potentiell lebensgefährdende) Versuche der Veränderung der sexuellen Orientierung oder Identität von Menschen abzielen.
„Living Bus“, „Camping Church“ & „THE FOUR Challenge“: „Wir bringen die Botschaft zu den Leuten“
Doch zurück zum Festival auf dem Ferropolis-Gelände: Für das Macher Festival 2026 beschrieb THE FOUR den eigenen Einsatz als „Outreach“. Auf der Aktionsseite wurden unter anderem ein „Living Bus“, eine „Camping Church“, Morgenandachten, Lobpreiszeiten, Gottesdienste und die „THE FOUR Challenge“ angekündigt. Wörtlich hieß es: „Wir bringen die Botschaft zu den Leuten“ (THE FOUR: Macherfestival 2026).

Bereits der Rückblick von THE FOUR auf einen früheren Festivaleinsatz zeigt, wie weit diese Präsenz über einen bloßen Informationsstand hinausging. Nach Angaben der Organisation waren die Beteiligten von den Real Life Guys eingeladen worden, „um mit den Menschen über Gott zu sprechen“. Im Living Bus und in einer Kapelle habe es Glaubensgespräche, „evangelistische Inputs“ und ein „Hingabegebet“ gegeben. THE FOUR bezeichnete das Festival rückblickend als „Jackpot“ für die Evangelisation (THE FOUR: Rückblick auf das Macher Festival). THE FOUR betreibt auf dem Festival also nicht einfach einen Informationsstand. Vielmehr handelt es sich um einen geplanten Missionseinsatz offenbar in enger Abstimmung mit den Veranstaltenden.
In der allgemeinen Werbung des Festivals erfährt man davon allerdings kaum etwas. FundiWatch wollte deshalb unter anderem wissen, welche Missionswerke 2026 beteiligt waren, ob THE FOUR ausdrücklich zu evangelistischen Aktivitäten eingeladen wurde, welche Regeln für Bekehrungsaufrufe und sogenannte Hingabegebete gelten und wie Minderjährige vor missionarischen Ansprachen ohne Wissen ihrer Sorgeberechtigten geschützt werden. Das Macher Festival ließ alle Fragen unbeantwortet.
„Planlos? Bau auf Jesus“ – und die Medien laufen vorbei
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Umgang regionaler Medien mit dem Festival. Mitteldeutsche Zeitung und Volksstimme kündigten für den 6. August einen gemeinsamen Livestream vom Gelände an.
Reporter Chris Luzio Schönburg sollte in seiner „Livezeit“ zeigen, „was hier alles entsteht“ (Ankündigung der Mitteldeutschen Zeitung; Ankündigung der Volksstimme). In dem von FundiWatch ausgewerteten Video wird ausführlich über Mitmachangebote, auf dem Festival von Teilnehmenden gebaute Konstruktionen und die Real Life Guys berichtet. Eine Einordnung des religiösen Hintergrunds der YouTuber oder der auf dem Gelände tätigen Missionsorganisationen erfolgte hingegen nicht.
Besonders deutlich wird diese Leerstelle, als der Reporter in seinem Stream an einer für THE FOUR errichteten kirchenartigen Konstruktion vorbeiläuft, auf der sich auch das Logo und die bereits erwähnten vier Symbole von THE FOUR befinden. Groß und deutlich lesbar steht darauf: „Planlos? Bau auf Jesus.“
Anlass für den Reporter, dieses wohl zumindest ungewöhnliche „Angebot“ auf einem Handwerkerfestival anzusprechen? Nein.

Natürlich muss nicht jeder Festivalbesuch zur investigativen Recherche werden. Wenn eine Redaktion die Inszenierung des Veranstalters aber weitgehend übernimmt und einen wesentlichen Teil des Angebots selbst dann übersieht, wenn ihr Reporter im wörtlichen Sinn daran vorbeiläuft, wird es journalistisch – vorsichtig ausgedrückt – „dünn“.
Die Real Life Guys sind nicht nur reichweitenstarke Bastel-YouTuber. Ihr christlicher Glaube und die Einbindung evangelikaler Akteur*innen wurden bereits mehrfach thematisiert und sind öffentlich ohne weiteres nachvollziehbar. Und THE FOUR macht keinen Hehl daraus, dass es auf dem Macher Festival evangelisieren will. Wer das Festival ausführlich vorstellt, sollte diese Ebene zumindest benennen.
THE FOUR, Reach Mallorca und Rose de Jesus
Die Aktivitäten von THE FOUR beschränkten sich übrigens erneut nicht nur auf das Macher Festival. Auch dieses Jahr war die Organisation wieder am zeitgleich stattfindenden „Reach Mallorca“ beteiligt.
Die Kampagne will Tourist*innen und auf Mallorca lebende Menschen mit dem Evangelium erreichen. Auf ihrer Internetseite kündigt „Reach Mallorca“ Straßeneinsätze, Strandgottesdienste, Gespräche an der sogenannten Schinkenstraße und weitere evangelistische Aktivitäten an. Erklärtes Ziel ist, dass Menschen die christliche Botschaft hören (Reach Mallorca; Outreach 2026; THE FOUR: Reach Mallorca).
In Ankündigungen zu Reach Mallorca wurde unter anderem die Christfluencerin Rose de Jesus als „Special Act“ geführt (Instagram-Ankündigung). Rose de Jesus, die auch unter dem Namen Lorosa auftritt, war kurz zuvor eine der Protagonistinnen der ZDF-Dokumentation „Der Teufel in mir – Exorzismus heute“, wo sie bei der Durchführung eines äußerst irritierenden „Exorzismus“ gezeigt wurde.
Das heißt nicht, dass entsprechende Praktiken auch auf dem Macher Festival stattfanden. Es zeigt aber, in welchem missionarischen Umfeld THE FOUR aktiv ist. Fragen nach Inhalt, Grenzen und Schutzkonzepten der religiösen Angebote wären also keineswegs abwegig gewesen, weswegen wir genau damit den Veranstalter konfrontiert haben. Beantwortet hat die Macher Festival GmbH unsere Fragen hingegen nicht.
Evangelisationsteam e.V. auf dem Macher Festival: Evangelisation, während die Kinder bauen
Auch das „Evangelisationsteam“ führte das Macher Festival dieses Jahr erneut als Evangelisationstermin und warb für Unterstützung zur Mitarbeit auf dem Festival.

Der Evangelisationsteam e.V. entstand wesentlich aus dem Konflikt um Homosexualität innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. So beschloss die Landeskirche Anfang 2012 einen „Kompromiss“ zum Umgang mit homosexuellen Pfarrpersonen. In begründeten Einzelfällen sollten in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft mit ihrem Partner lebende Pfarrpersonen im Pfarrhaus leben dürfen; Voraussetzung war unter anderem die Zustimmung des Kirchenvorstands. Zugleich hielt die Kirchenleitung am Leitbild der Ehe von Mann und Frau fest.
Im Kreis um die Jugendevangelisten und Pfarrer Lutz Scheffler und Theo Lehmann stieß dies auf erhebliche Kritik, die schließlich dazu führte, dass das Evangelisationsteam den „status confessionis“ – also den Bekenntnisfall – ausrief und erklärte, den Landesbischof, die Kirchenleitung und die Landessynode nicht mehr als geistliche Leitung der Landeskirche anzuerkennen. Scheffler wurde daraufhin vom Dienst suspendiert und Ende 2014 wurde das bereits zuvor als loser Zusammenschluss geführte Evangelisationsteam als Verein gegründet.
Eng verwoben ist das Evangelisationsteam auch mit dem Missions- & Gottesdienstnetzwerk „Frohe Botschaft für Deutschland e.V.“. Der mit beiden Organisationen eng verbundene Pfarrer Theo Lehmann trat am 04.11.2017 bei den „Dresdner Gesprächen“ der Jungen Alternative Dresden auf und suchte immer wieder die Nähe zu Pegida und der AfD. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts führt Lehmann entsprechend als Beispiel für die Überschneidungen zwischen christlichem Antifeminismus und extremer Rechter an und verweist auf seine regelmäßigen Auftritte bei CEGIDA („Chemnitz gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Chrismon formulierte bereits 2020, Lehmann gehöre zu den „radikal-evangelikalen“ Vertretern, die „die Nähe zu AfD und Pegida“ suchten.
Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass das Evangelisationsteam auch enge Verbindungen zum rechtschristliche Pastor Olaf Latzel aus der St. Martini Gemeinde in Bremen unterhält, der auch beim Chemnitzer Bibelseminar 2025 des Evangelisationsteams auftrat. Latzel fällt immer wieder mit queerfeindlichen Hasstiraden und Zusammenarbeit mit der christlichen Rechten auf.
Bereits zum Macher Festival 2025 hatte FundiWatch dokumentiert, dass das Evangelisationsteam plante, auf dem Festival Eltern anzusprechen, „während ihre Kinder bauen“. Dieses Jahr fragten wir bei den Veranstaltern nach, was sie von dieser Aktion halten und welche konkreten Absprachen mit dem Evangelisationsteam bestanden. Doch die Macher Festival GmbH beantwortete weder dies, noch, welche konkreten Absprachen mit dem Evangelisationsteam bestanden.
International Justice Mission beim „Macher Talk“
Beim Festival trat zudem die ebenfalls evangelikal geprägte International Justice Mission (IJM) im Rahmen eines „Macher-Talks“ – ein Talk-Format auf dem Festival – auf.

IJM beschreibt sich selbst als internationale Menschenrechtsorganisation, die gegen Menschenhandel, Sklaverei und Gewalt gegen Menschen in Armut vorgeht. Zugleich ist IJM Mitglied im evangelikal geprägten Bündnis Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) (Mitgliedsorganisationen von ggmh).
Zu den Mitgliedorganisationen von ggmh gehörte bis vor Kurzem auch noch der seit Langem umstrittene Verein Mission Freedom, aus dessen Einrichtung „Haus SeeNest“ im Allgäu erst vor Kurzem sämtliche Kinder wegen vermeintlich kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden in Obhut genommen wurden (worüber wir ausführlich berichten). Weiterhin Mitglied bei ggmh ist der Verein Hope e.V., über dessen ausgeprägten Dämonenglauben und Aktivitäten an Schulen wir hier bereits berichteten.
An IJM gibt es seit Jahren fachliche Kritik. Untersuchungen werfen Teilen der Organisation vor, stark auf Polizeieinsätze und sogenannte Rescue Operations zu setzen, deren Folgen für Sexarbeiter*innen und mutmaßliche Betroffene nicht immer ausreichend berücksichtigt würden. Kritisiert wurden unter anderem paternalistische Rettungsnarrative, eine unzureichende Unterscheidung zwischen freiwilliger Sexarbeit und Menschenhandel sowie die Gefahr, dass Razzien zu Festnahmen, Stigmatisierung oder erneuter Abhängigkeit führen können (Type Investigations; anti-trafficing review).
Eine BBC-Africa-Eye-Recherche dokumentierte 2023 Fälle in Ghana, in denen bei von IJM unterstützten „Rettungsaktionen“ Kinder von ihren Familien getrennt und Angehörige als Menschenhändler verfolgt wurden, obwohl sich der Verdacht später nicht bestätigte; Undercover-Aufnahmen warfen zudem Fragen nach einer internen Kultur quantitativer Zielvorgaben für „Rescues“ und Strafverfolgungen auf. IJM wies wesentliche Vorwürfe zurück, bestätigte aber, mit solchen Zielvorgaben zu arbeiten, und kündigte an, mögliche Verbesserungen seiner Verfahren zu prüfen – öffentlich dokumentierte Ergebnisse oder konkrete Konsequenzen dieser Überprüfung sind bislang nicht auffindbar. Bemerkenswert ist, dass IJM Deutschland die Stellungnahme zur BBC-Dokumentation bis heute auf seiner Ghana-Seite aufführt und dort zugleich weiterhin mit vermeintlich quantifizierten Erfolgen wirbt: mehr als 420 „befreite“ Betroffene und mehr als 150 Festnahmen.
FundiWatch fragte die Macher Festival GmbH, warum IJM zum Macher Talk eingeladen wurde. Auch diese Frage blieb unbeantwortet.
Teil 2 folgt bald…
In TEIL 2 schauen wir uns in Kürze das Netzwerk hinter dem Macher Festival einmal genauer an…
