Teil 3 – Sozialaktion oder „Social Washing“? Macher Festival: Hauptsache machen – Mission ohne Haftung?

100 „Häuser“ in vier Tagen – Vertraut uns, wir tun Gutes… Fragen beantworten wir nicht…

(Quelle Titelbild: little-home.eu). Dass das dieses Jahr zum dritten Mal veranstaltete DIY-Festival in Kooperation mit dem deutschen Handwerksgewerbe nicht zufällig auch eine Plattform für christlich-fundamentalistische bis rechtschristliche (Missions-)Organisationen, hatten wir in TEIL 1 unserer Beitragsreihe bereits berichtet. In TEIL 2 sind wir näher auf das weitreichende Netzwerk hinter dem Macher Festival eingegangen.

Quelle: Instagram

Die öffentlichkeitswirksamste Sozialaktion des Festivals fand hingegen gemeinsam mit dem Verein Little Home e.V. statt. Angekündigt war der Bau von 100 Kleinsthäusern für obdachlose Menschen: 90 klassische „Little Homes“ und zehn größere „Little Home 2.0“.

Doch auch unsere Fragen zu dieser Aktion ließen sowohl die Macher Festival GmbH als auch Little Home e.V. unbeantwortet.

Und schließlich teilte uns noch die Verbraucherzentrale Hessen mit, sie prüfe die Einleitung rechtlicher Schritte aufgrund der von der Macher Festival GmbH verwendeten Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Doch der Reihe nach:

175.000 Euro Spenden für „Little Homes“

Nach Angaben von Little Home kostet ein kleines Haus ungefähr 2.000 Euro, ein größeres etwa 8.000 Euro. Daraus ergab sich ein Spendenziel in einer betterplace-Kampagne des Vereins von 280.000 Euro. Little Home warb damit, die 100 Häuser innerhalb von vier Tagen zu errichten.

Am 13. Juli warben auch die Real Life Guys für die Kampagne: Alle innerhalb von 48 Stunden eingehenden Spenden sollten von ihnen verdoppelt werden. Mittlerweile sind gut 175.000 Euro zusammengekommen. Wie hoch der von den Real Life Guys tatsächlich zusätzlich gezahlte Betrag war, wollte uns weder Little Home noch die Macher Festival GmbH mitteilen.

Quelle: betterplace.org

Was wurde aus den Little Homes?

Offen blieb nach dem Festival auch, wie viele „Häuser“ tatsächlich vollständig fertiggestellt und bezugsbereit waren, wo sie aufgestellt werden sollen und für wie viele bereits konkrete Nutzer*innen, genehmigte Standorte oder verbindliche Duldungen feststehen.

Auch stellten wir die Frage, warum die Betterplace-Kampagne nach dem Festival fortgeführt wird, obwohl sich diese explizit auf die Bauaktion vor Ort auf dem Festival bezog. Weder Little Home noch die Macher Festival GmbH beantworteten unser Fragen.

Betterplace sah in der weiterhin fortgesetzten Spendenaktion auf unsere Anfrage hin kein Problem. Die Kosten eines solchen Projekts könnten schließlich auch nach dem Festival fortbestehen. Den Projektverantwortlichen habe man dennoch um eine Erklärung gebeten. Wie diese Erklärung ausfiel, wurde uns nicht mitgeteilt.

Quelle: Instagram

Am 26. August räumte Little Home schließlich auf seiner Webseite ein: „100 Häuser. Nicht geschafft. Und trotzdem stolz.“ Man habe keine hundert Häuser fertig.

Nun stünden „noch viele Little Homes halb fertig in der Gegend“. Man suche jetzt einen Stellplatz und Unterstützung, um die Little Homes fertig zu stellen.

Little Homes als Antwort auf Wohnungslosigkeit?

Doch abgesehen davon: Sind solche Kleinsthäuser überhaupt eine fachlich vertretbare Antwort auf Wohnungslosigkeit? Und laufen solch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie auf dem Macher Festival nicht Gefahr, dass Wohnungslosigkeit vor allem als Gegenstand ehrenamtlicher Bau- und Spendenaktionen dargestellt wird, während strukturelle Ursachen und fachlich anerkannte Lösungsansätze wie die Vermittlung in regulären Wohnraum in den Hintergrund treten?

„Unterhalb anerkannter Mindeststandards“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) lehnt Tiny Homes als reguläre Lösung seit Jahren ab.

Quelle: Screenshot bagw.de

In einem Positionspapier warnt sie vor Unterkünften unterhalb anerkannter Mindeststandards, fehlender Rechtssicherheit und der Gefahr, dass Kommunen durch private Projekte aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Selbst deutlich größere Tiny Houses bewertet die BAG W kritisch. Die klassischen Little Homes mit etwa 3,2 bis 3,3 Quadratmetern unterschreiten solche Größen nochmals erheblich.

In einer ausführlichen Stellungnahme auf Fragen von FundiWatch – die wir hier mit Zustimmung der BAG W vollständig veröffentlichen – bekräftigten Paul Neupert (Fachreferent Wohnen) und Sarah Lotties (Fachreferentin Gesundheit) von der BAG W diese Kritik.

Nach Einschätzung der BAG W erfüllen die einfachen Little Homes grundlegende Anforderungen an menschenwürdiges Wohnen nicht. Genannt werden unter anderem die extrem geringe Fläche, fehlendes fließendes Wasser, unzureichende sanitäre Möglichkeiten, Belastungen durch Hitze und Kälte sowie Fragen des Brandschutzes und der verwendeten Baustoffe.

Die BAG W erklärte gegenüber FundiWatch außerdem, ihr seien keine institutionellen Träger der Wohnungslosenhilfe bekannt, die Little Homes als fachlich reguläres Wohnangebot einsetzten. Denkbar seien solche Unterkünfte allenfalls als eng befristete Übergangslösung – und auch dann nur, wenn sie in ein fachliches Hilfesystem eingebunden sind und eine konkrete Perspektive auf regulären Wohnraum besteht.

„Eine einfache Hütte ist besser als gar kein Schutz über dem Kopf“

Die BAG W weist aber zugleich auch darauf hin, dass Tiny Homes auf individueller Ebene tatsächlich für viele erstmals eine Verbesserung darstellen.

„Eine einfache Hütte ist besser als gar kein Schutz über dem Kopf“, so die BAG W. Bau und Bereitstellung von Tiny Homes sei insofern vergleichbar mit der Ausgabe von Schlafsäcken oder Zelten und könne tatsächlich Leben retten.

Die Tendenz, dass immer mehr Akteure ohne Kenntnis vom und Anbindung an das Hilfesystem und ohne Wissen um Recht und rechtliche Ansprüche Tiny Homes bereitstellen und dabei die Absenkung der Standards – wissentlich oder unwissentlich – vorantreiben, sehe die BAG W jedoch grundlegend kritisch.

Ohne Wasser, Mietvertrag und gesicherten Stellplatz?

Eine Holzhütte wird nicht allein dadurch zu Wohnraum, dass sie fertig gebaut ist. Sie braucht einen legalen Stellplatz, Brandschutz und eine sanitäre Versorgung. Und die darin lebende Person braucht Schutz davor, dass ihr „Zuhause“ möglicherweise wieder kurzfristig versetzt oder ihr wieder entzogen wird.

Bereits in der Vergangenheit kam es zu Konflikten um Standorte. In Berlin wurden Little Homes wegen fehlender Genehmigungen entfernt beziehungsweise abgerissen. Deutschlandfunk Nova stellte die Vorteile eines unmittelbaren Rückzugsortes den fachlichen Einwänden gegen fehlende Mindeststandards und unsichere Standorte gegenüber.

FundiWatch wollte von Little Home wissen, welchen rechtlichen Status die Bewohner*innen erhalten, ob Miet-, Nutzungs- oder Schenkungsverträge bestehen und unter welchen Voraussetzungen ein Haus versetzt oder entzogen werden kann. Wir fragten außerdem nach Zuständigkeiten für Transport, Aufstellung, Reparaturen, Versicherung und Wartung.

Der Verein beantwortete auch diese Fragen nicht.

Hilfe nur für die „Motivierten“?

Noch problematischer wird es bei den öffentlich beschriebenen Auswahlkriterien.

Little-Home-Gründer Sven Lüdecke erklärte gegenüber der Südwest Presse, lediglich rund fünf Prozent der Bewerber*innen erfüllten die Kriterien. „Wir suchen nach Motivation aus“, sagte er. Je motivierter eine wohnungslose Person sei, ihre Situation zu verändern, desto größer sei ihre Chance. Bei einem Suchtproblem werde etwa die Bereitschaft erwartet, sich um einen Therapieplatz zu bemühen. Zudem sei eine Mitarbeit am Bau erwünscht, weil die Betroffenen das Haus anschließend „mehr zu schätzen“ wüssten.

Die BAG W kritisierte dieses Prinzip gegenüber FundiWatch als Auswahl der vermeintlich „Erfolgsversprechenden“. In der Wohnungslosenhilfe wird hierfür auch der Begriff „Creaming“ verwendet: Hilfe erreicht vor allem Menschen, die bereits vergleichsweise gute Voraussetzungen mitbringen, während Personen mit schweren psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen, Behinderungen oder geringer Fähigkeit zur Selbstorganisation ausgeschlossen werden können.

Dabei sind es gerade diese Menschen, die besonders niedrigschwellige Unterstützung benötigen. Wer suchtkrank ist, schafft es möglicherweise gerade nicht, sofort einen Therapieplatz zu organisieren. Wer psychisch oder körperlich erkrankt ist oder eine Behinderung hat, kann womöglich nicht am Hausbau mitarbeiten. Wird beides dennoch zum Maßstab für die Vergabe, wird aus Hilfebedarf eine persönliche Bewährungsprobe.

Auf Anfrage von FundiWatch teilte Little Home nicht mit, wer die „Motivation“ beurteilt, welche überprüfbaren Kriterien gelten und ob abgelehnte Personen eine Begründung oder Beschwerdemöglichkeit erhalten. Auch die Frage nach der Beteiligung ausgebildeter Fachkräfte der Sozial-, Sucht- und Wohnungslosenhilfe blieb unbeantwortet.

Die Macher Festival GmbH wiederum ließ unsere Fragen unbeantwortet, ob sie sich mit der fachlichen Kritik an dem Konzept der Kleinsthäuser auseinandergesetzt hat und wie die sachgerechte Verwendung der auf dem Festival gebauten Little Homes gewährleistet werde.

Erfolg nach Eigenangaben

Little Home veröffentlicht erstaunliche Erfolgszahlen zu Menschen, die nach dem Einzug in eine Wohnung oder Arbeitsstelle vermittelt worden sein sollen. Kritisch hinterfragt wurden diese Zahlen in Medienberichten nach unseren Recherchen bisher offenbar noch nie. Unklar bleibt demnach unter anderem, wie lange ehemalige Bewohner*innen nachverfolgt werden, wie „Vermittlung“ definiert wird, ob Wohnverhältnisse dauerhaft bestehen und wie viele Bewerber*innen bereits vor der Vergabe ausgeschlossen wurden.

FundiWatch fragte Little Home deshalb, ob das Konzept jemals unabhängig wissenschaftlich evaluiert wurde. Eine Antwort erhielten wir auch dazu nicht.

Fragen zur Finanzkontrolle

FundiWatch fragte Little Home außerdem nach seinen internen Kontrollmechanismen. Hintergrund ist ein 2020 vor dem Kölner Amtsgericht geführtes Verfahren gegen Vereinsgründer Sven Lüdecke.

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete damals, die Staatsanwaltschaft habe Lüdecke Untreue in 17 Fällen sowie Betrug im Zusammenhang mit Spendengeldern vorgeworfen. Lüdecke bestritt die Vorwürfe. Das Verfahren wurde eingestellt; zu einer Verurteilung wegen dieser Vorwürfe kam es nicht. Laut dem Bericht bestanden nach der Beweisaufnahme Zweifel an wesentlichen Teilen der Anklage.

Der Artikel berichtete aber zugleich über frühere rechtskräftige Verurteilungen Lüdeckes, unter anderem wegen Betrugs, sowie über mehrere verbüßte Freiheitsstrafen in der Vergangenheit vor den neuen Vorwürfen. In der Folgezeit kam es zu einigen Veränderungen in den Leitungspositionen von Little Home e.V. Sven Lüdecke hingegen ist auch heute noch dessen Vereinsvorsitzender.

Vor diesem Hintergrund fragten wir nach Vier-Augen-Prinzip, Zeichnungsberechtigungen, unabhängiger Kassenprüfung, externer Kontrolle, Jahresabschlüssen und den heutigen Entscheidungs- und Kontovollmachten Lüdeckes. Little Home beantwortete keine dieser Fragen. Zwar ist das selbstverständlich kein Beleg dafür, dass heute Gelder zweckwidrig verwendet werden. Überprüfen lassen sich die internen Kontrollen so allerdings auch nicht.

Festivalbericht oder verlängerte Öffentlichkeitsarbeit?

Nach dem Festival meldeten Branchenportale unter Berufung auf den Werkzeughersteller Fischer, im Rahmen der Little-Home-Aktion seien 100 Tiny Houses für wohnungslose Menschen „entstanden“. Wie bereits erwähnt, trifft das selbst nach den eigenen Angaben von Little Home nicht zu. Wie viele Little Homes tatsächlich fertig gestellt wurden, ob diese bezugsbereit, genehmigt und konkreten Nutzer*innen zugeordnet wurden, lässt sich den Berichten nicht entnehmen.

Quelle: Screenshot fz-profiboerse.de

Sozialaktion oder „Social Washing“?

Die 100-Häuser-Aktion erzeugt starke Bilder: Hunderte junge Menschen packen gemeinsam an, Unternehmen stellen Material bereit, Influencer*innen werben um Spenden und am Ende stehen zahlreiche kleine Holzhäuser auf dem Festivalgelände.

Ob damit nachhaltig Wohnungslosigkeit bekämpft wird, ist eine andere Frage. Und sich dieser Frage zu stellen, daran haben die Beteiligten offenbar keinerlei Interesse.

Die BAG W warnte gegenüber FundiWatch davor, dass solche Aktionen Unternehmen und Veranstaltenden positive Aufmerksamkeit verschaffen können, ohne die strukturellen Ursachen von Wohnungslosigkeit zu verändern. Sie spricht in diesem Zusammenhang von der Gefahr eines „Social Washing“.

An spektakulären Bauaktionen mangelt es allerdings nicht. Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum, abgesicherten Mietverhältnissen, qualifizierten Hilfen und einer kommunalen Wohnungspolitik, die auch Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf erreicht.

Der Selbstversuch als Erzählmuster

Doch all das scheint die Real Life Guys nicht wirklich zu kümmern. Stattdessen passt die Little-Home-Aktion zu einem bekannten Erzählmuster der Real Life Guys: Ein gesellschaftliches oder existenzielles Problem wird zum spektakulären Selbstversuch.

Und so geht auch die Bauaktion auf dem Macher Festival auf einen solchen „Selbstversuch“ zurück:

Quelle: Screenshot YouTube, „The Real Life Guys“ zur Serie „10 Tage obdachlos“

Nach einem 2025 auf YouTube veröffentlichten Selbstversuch von Johannes Mickenbecker, bei dem er weitgehend allein auf einem Waldgrundstück lebte und dabei auch einem Obdachlosen begegnete, versuchte er 2026 gemeinsam mit Daniel Michaelidis von den Real Life Guys zehn Tage „obdachlos“ auf der Straße zu leben. Die Serie erschien schließlich bei Joyn, aus dem „Selbstversuch“ 2025 entstand der bereits in Teil 2 erwähnte und auf dem Festival beworbene Kino-Dokumentarfilm „100 Tage Autark“.

Nach sechs Tagen brachen Mickenbecker und Michaelidis die Aktion ab. In der siebten Folge kommt Mickenbecker dann zu dem Fazit:

„Eine der besten Möglichkeiten, den Menschen auf der Straße ein Stück Würde und Sicherheit zu geben, um ihnen den Weg zurück in die Gesellschaft zu ermöglichen, sind die kleinen Häuser vom Verein Little Home e.V.“

Schließlich bauen die Real Life Guys „ein richtig süßes Tiny House“ und kündigen dabei bereits die Bauaktion auf dem Macher Festival an.

In der letzten Folge tritt dann Sven Lüdecke von Little Home selbst in der Serie auf und begutachtet das von den Real Life Guys gebaute Tiny House. Bevor es dann – nach einer „Testnacht“ der Real Life Guys – an eine obdachlose Person übergeben wird, der sie „Viel Spaß mit deinem neuen Haus“ wünschen.

„Armutssimulation privilegierter Menschen mit garantiertem Rückfahrschein“

Gemeinsam ist den „Selbsterfahrungsexperimenten“, dass die Real Life Guys aus ihren privilegierten Positionen heraus die Experimente freilich jederzeit beenden konnten und gleichzeitig über Reichweite verfügen.

Die BAG W bezeichnete solche Formate gegenüber FundiWatch als „Armutssimulation privilegierter Menschen mit garantiertem Rückfahrschein“. Sie  beurteilt entsprechende Selbstversuche als „ethisch fragwürdig“.

Freiwilliger Verzicht ist eben nicht dasselbe wie unfreiwillige Wohnungslosigkeit. Wer sich für ein Video zeitweise schwierigen Bedingungen aussetzt, erlebt weder dieselbe Rechtsunsicherheit noch dieselbe Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit wie ein Mensch, der tatsächlich keine Wohnung hat. Wer dann noch im Rahmen so einer Aktion behauptet, die Zurverfügungstellung von unter Mindeststandards liegender Little Homes sei „eine der besten Möglichkeiten“ obdachlosen Menschen zu helfen, scheint nicht nur uninformiert sondern erweckt auch erhebliche Zweifel, ob es ihm wirklich um echte Hilfe geht.

Auf die Nachfragen von FundiWatch, ob sich die Macher Festival GmbH bei der Planung der Aktion mit der fachlichen Kritik u.a. der BAG W auseinandergesetzt hat, welchen Status Nutzer*innen erhalten, denen die errichteten Little Homes zur Verfügung gestellt werden und wie die Nutzer*innen ausgewählt werden erhielten wir übrigens ebenfalls keine Antwort.

Bauen und Schweißen auf eigene Gefahr?

Und dann wäre da noch der Haftungsausschluss. Besucher*innen des Macher Festivals mussten 2026 offenbar eine ungewöhnlich weitreichende Haftungsfreistellungs- und -ausschlusserklärung abgeben. Nach bisherigem Stand soll sie auch für das Festival 2027 wieder verwendet werden.

Der Hinweis auf den Haftungsausschluss findet sich im „Kleingedruckten“, konkret unter § 15 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Macher Festival GmbH. Dort heißt es, Bestandteil der AGB sei eine „vom Besucher auszufüllende Haftungsfreistellungs- und -ausschlusserklärung“. Abrufbar ist diese Erklärung dort nicht. Deren Unterzeichnung ist offenbar erst nach Erwerb der Tickets vorgesehen und soll dann wohl Voraussetzung sein, um das Gelände betreten zu dürfen.

Tatsächlich darf die Haftung für fahrlässig verursachte Verletzungen von Leben, Körper oder Gesundheit in AGB aber (rechtlich) nicht ausgeschlossen werden. Im Übrigen müssen Allgemeine Geschäftsbedingungen für Verbraucher*innen bei Vertragsschluss transparent sein.

Verbraucherzentrale prüft Abmahnung

FundiWatch bat deshalb die Verbraucherzentrale Hessen um Prüfung. Diese teilte am 20. August mit, die Fachgruppe Rechtsdurchsetzung prüfe „wegen fehlender Hinweise für die Verbraucher vor Abschluss des Bestellvorgangs für die Tickets, rechtliche Schritte in Form einer Abmahnung gegen den Anbieter einzuleiten“. Der aktuelle Stand der Prüfung ist uns derzeit nicht bekannt.

Unsere Fragen hierzu an die Macher Festival GmbH blieben ebenso unbeantwortet wie unsere Fragen zu Verletzungen oder größeren Schäden im Rahmen des Festivals 2026.

Hauptsache machen?

Das Versprechen des Macher Festivals klingt erst einmal gut: Nicht lange reden, sondern anfangen. Gemeinsam bauen, ausprobieren und vielleicht sogar Interesse am Handwerk wecken. Dabei noch Notleidenden etwas „Gutes“ tun.

Nur: Machen allein reicht nicht. Und welche Ideologien sollen bei diesem Festival – so ganz beiläufig und niederschwellig – mit transportiert werden? Ist es wirklich Zufall, dass sich Follower*innen des Festivals in einigen Accounts quasi nahtlos auf Wahlkampfveranstaltungen rechtslibertärer Gruppen wieder finden oder sich Missionierung christlich-fundamentalistischer Gruppen und Werbung für evangelikale Filme ausgesetzt sehen, die sich einem ganz bestimmten – und gewiss nicht pluralistischen Weltbild – verschrieben sehen?

Im Übrigen: Ein möglichst weitreichender Haftungsausschluss ersetzt keine Verantwortung. Gleiches gilt für die religiöse Ausrichtung: Wenn Missionsorganisationen auf dem Gelände Glaubensgespräche führen, gemeinsam beten und zu einer Entscheidung für Jesus einladen, sollte das auch so benannt und transparent gemacht werden. Erst so würde eine informierte und letztlich selbstbestimmte Entscheidung über eine Teilnahme ermöglicht. Und letztlich gilt dies auch für die Übernahme von Verantwortung vermeintlich sozialer Projekte bzw. dass diese auch tatsächlich auf Unterstützung angewiesenen Personen zugutekommen.

Natürlich: Dass unsere Fragen nicht beantwortet wurden, belegt zunächst einmal nichts. Es zeigt allerdings eine beklemmende Intransparenz, die unseres Erachtens so nicht hingenommen werden sollte. Dass große Handwerksverbände und Künstler*innen dies einfach so zu akzeptieren scheinen, hinterlässt bei uns kein gutes Gefühl. Und erst recht nicht, dass professionelle Medien offenbar nicht interessiert daran sind, diesen Fragen nachzugehen.

Weit mehr als ein bloßes Bastel- und Tüftlerwochenende

Um ein bloßes Bastel- und Tüftlerwochenende geht es beim Macher Festival jedenfalls offensichtlich längst nicht mehr.

Rund ums Festival treffen die Real Life Guys auf Handwerksverbände, Missionsorganisationen, christliche Medienprojekte, Sozialvereine und professionelle Filmstudios. Über einzelne Beteiligte im weiteren Sinne reichen die Verbindungen mittlerweile bis in rechtslibertäre politische Netzwerke. Als vollkommen unpolitischer Abenteuerspielplatz lässt sich das Festival kaum noch glaubhaft darstellen.

Vielleicht reicht das ja, damit vor dem Festival 2027 noch einmal genauer hingesehen wird.


Transparenzhinweis: Unsere bis heute unbeantwortet gebliebenen Anfragen an die Macher Festival GmbH und den Little Home e.V. sind an dieser Stelle abrufbar.

Teil 2 – Das Netzwerk: Macher Festival: Hauptsache machen – Mission ohne Haftung?

Das Netzwerk hinter dem Festival – „Der perfekte Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus“

(Quelle Titelbild: northdata.de). In Teil 1 unserer Beitragsreihe zum dieses Jahr zum dritten Mal veranstalteten DIY-Festival sind wir bereits darauf eingegangen, dass es bei dem Macher Festival um mehr als ein Fantreffen der reichweitenstarken YouTuber The Real Life Guys geht.

Zwischen zahlreichen Action-Angeboten, Auftritten bekannter DJs und einer Kooperation mit dem deutschen Handwerksgewerbe bietet das Festival auch eine Plattform für christlich-fundamentalistische bis rechtschristliche (Missions-)Organisationen und Netzwerke.

Mit den eingeladenen Missionsorganisationen sind die christlichen Verbindungen des Festivals jedoch längst nicht vollständig beschrieben. Vielmehr führen diese Verbindungen direkt in das Umfeld der Veranstalter.

Die Macher Festival GmbH

Das Projekt des Macher Festivals ist mittlerweile ebenso wie das auf YouTube gestartete Projekt The Real Life Guys – ursprünglich bestehend aus den Zwillingsbrüdern Johannes und Philipp Mickenbecker – als eigene Gesellschaft organisiert.

75 Prozent der Anteile an der Macher Festival GmbH hält die The Real Life Guys GmbH. Deren Geschäftsführer sind Johannes Mickenbecker, Daniel Horst und Julius Vogelbusch. Die übrigen 25 Prozent hält die Atromitos UG von Daniel Michailidis.

Quelle: northdata.de

Michailidis ist zugleich Geschäftsführer der Macher Festival GmbH sowie langjähriger Freund und Manager der Real Life Guys. Wirtschaftlich liegt das Festival damit vollständig in den Händen der Real-Life-Guys-Gruppe und ihres unmittelbaren Umfelds. (Registerinformationen zur Macher Festival GmbH, The Real Life Guys GmbH, Atromitos UG).

Das christliche Medienprojekt Life Lion e.V.

Zum selben Umfeld gehört das ausdrücklich christliche Medienprojekt Life Lion e.V.

Es wurde 2020 vom mittlerweile verstorbenen Philipp Mickenbecker – dem Zwillingsbruder von Johannes Mickenbecker – und dem Evangelisten Christopher Schacht gegründet. Nach eigener Darstellung wollte Philipp Mickenbecker über Life Lion seine Erfahrungen mit Jesus und seiner Krebserkrankung öffentlich weitergeben.

Quelle: lifelion.de

Life Lion beschreibt sich heute als christliches Medienprojekt, das den Glauben an Jesus durch persönliche Geschichten erfahrbar machen will. Auf seiner Website nennt das Projekt Johannes Mickenbecker, Julius Vogelbusch, Daniel Horst und Daniel Michailidis unter den „Menschen, die uns begleiten“. (Life Lion: Über uns, Interview zum Ziel, „Jesus auf YouTube groß“ zu machen).

Im Podcast und auf dem YouTube-Kanal von Life Lion finden sich neben zahlreichen hoch emotionalisierenden Videos unter Titeln wie „Nach 4 Mal Krebs übernatürlich geheilt“, „Hat Gott wirklich Feuer vom Himmel fallen lassen“ oder „Für den Satan vergewaltigt“ zahlreiche Auftritte bekannter evangelikaler Akteur*innen.

So z.B. ein Interview mit dem Prediger Henok Worku, mittlerweile leitender Prediger der Vive Church am Standort in Frankfurt (der auf einer „Holy Spirit Night“ von einer „neuen Bücherverbrennung“ träumte) sowie der eng mit dem rechtsextremen Leonard Jäger („Ketzer der Neuzeit“) verbundenen Christfluencerin Jasmin Friesen („liebezurbibel“).

Hinzu kommen Interviews mit Katja Ryczak vom Verein Hope e.V., über dessen ausgeprägten Glauben an „dämonische Belastungen“ und exorzistische Praktiken wir erst kürzlich berichteten (vgl. Hope e.V. – Dämonen im Klassenzimmer). Hope e.V. gehört dem Netzwerkverein Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) an, zu dessen Mitgliedorganisationen auch die International Justice Mission (IJM) gehört, die – wie bereits in Teil 1 berichtet – auf dem diesjährigen Macher Festival in einem Talk-Format zu Gast war.

Weitere evangelikale „Prominenz“ auf dem Macher Festival: Samuel Koch & Lukas Furch

Als weiterer Unterstützer von Life Lion wird der evangelikale Schauspieler Samuel Koch genannt. Koch trat mehrfach in Formaten von Life Lion auf, darunter in einem ausführlichen Video über seinen Unfall in der ZDF-Sendung „Wetten, dass…?“, sein Leben und seinen Glauben.

Beim ersten Macher Festival 2024 sprach Koch auf der Hauptbühne über seinen Unfall und seine Beziehung zu Jesus. Er berichtete, sein Glaube sei durch den Unfall hinterfragt, zugleich aber intensiviert worden. Koch war damit nicht nur privater Festivalgast, sondern gestaltete das damalige Bühnenprogramm mit einem ausdrücklich religiösen Beitrag. (Bericht über das Macher Festival 2024).

2026 besuchte Koch das Festival nach den vorliegenden Social-Media-Aufnahmen offenbar als eine Art VIP-Gast gemeinsam mit Lukas Furch. Furch ist seit Längerem mit den Mickenbeckers und den Real Life Guys befreundet sowie persönlich und beruflich auch mit Koch verbunden.

Quelle: Instagram

Zudem verantwortet Furch maßgeblich das Marketing in Deutschland zur Netflix-Serie The Chosen im deutschsprachigen Raum. Nach Angaben von The Chosen Deutsch ist Furch „Chef-Stratege hinter dem Kino-Release, den Setbesuchen und allen anderen Kampagnen und Ideen zwischen den USA und Deutschland“.

Auf die evangelikale Jesus-Serie wurde er nach eigener Darstellung durch Kochs Mutter aufmerksam; auch Samuel Koch und Furch traten bereits gemeinsam mit geistlichen Impulsen im Umfeld der Serie auf. (Porträt von Lukas Furch, Interview zu seinem Einstieg bei The Chosen, gemeinsame geistliche Impulse).

Vom Macher Festival zu Frauke Petrys „Team Freiheit“

Von dort führt die Verbindung in ein weiteres Milieu: Denn Furch arbeitet mittlerweile für die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry.

Bereits 2025 nahm Petry an der rechtslibertären Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) teil und tauschte sich dort auch mit einer Gruppe christlicher Influencer*innen aus, zu der neben dem rechtsextremen Leonard Jäger („Ketzer der Neuzeit“), Jasmin Friesen („liebezurbibel“), Alexander Oberschelp von den O’Bros u.a. auch Lukas Furch gehörte.

Kurz nach seinem Besuch des Macher Festivals berichtete Furch auf Instagram von seinem Besuch bei der Vorstellung der Wahlkampagne Kleinpartei Team Freiheit in Mecklenburg-Vorpommern – gemeinsam mit Frauke Petry und Thomas Kemmerich. So war das Macher Festival auf Furchs Instagram Account nur einen „Slide“ vom Wahlkampfauftakt des Team Freiheit entfernt…

Quelle: Instagram

Team Freiheit ist eine von Frauke Petry initiierte, libertär-rechtskonservative Kleinpartei, die für einen stark verkleinerten Staat und eine wirtschaftsliberale Politik eintritt. Die Partei spricht sich ausdrücklich gegen die sogenannte Brandmauer zur AfD aus.

Furchs Verbindungen in rechtslibertäre und rechtskonservative Kreise fallen immer wieder auf. Kurz vor seinem Besuch auf der ARC-Konferenz 2025 besuchte er u.a. mit Leonard Jäger (den er öffentlich als seinen Freund bezeichnet), und weiteren Personen der rechtsextremen Szene die Amtseinführung von US-Präsident Donald J. Trump in Mar-a-Lago.

Lukas Furch im Webtalk mit Leonard Jäger; Quelle: YouTube, „Ketzer der Neuzeit“ und „Furchensohn“

Ein „christliches“ Hollywood? Parable Studios & die Real Life Guys

Eine weitere Verbindung führt von den Real Life Guys in die christliche Filmbranche.

Die Filmemacher Lukas Augustin und Alexander Zehrer begleiteten Philipp Mickenbecker während seiner letzten Lebensmonate und schufen den Dokumentarfilm Philipp Mickenbecker – Real Life. Der Film zeigt Mickenbeckers Festhalten an der Erwartung eines göttlichen Wunders bis zu seinem Tod.

Quelle: mickenbecker.film

Die taz ordnete die filmische Aufbereitung als Ausdruck „popkultureller Frömmigkeit“ ein und verwies auf die Verbindung zum konservativ-evangelikalen Life-Lion-Umfeld; der Deutschlandfunk bezeichnete ihn als „Insiderfilm“, der die radikale Frömmigkeit einer freikirchlichen Gemeinschaft sichtbar mache. (taz: „Christliche Ideologie im Internet“, Deutschlandfunk: „Blut, Gott und Tränen“).

Schließlich resümmiert die taz:

„An Stellen, die Schatten auf Philipps Glauben werfen könnten, hält sich der Film gerne kurz. Auf die Frage, warum die Zwillinge bis zur vierten Klasse zu Hause unterrichtet wurden, antwortet die Mutter: ‚Weil es uns wichtig war, dass wir alle unsere Dinge in Verbindung mit dem Glauben leben. Das war teilweise extrem. Wir waren immer extrem.‘

Doch die „Real Life Guys“ machen die Szene, die sonst oft in ihrer eigenen christlichen Blase stecken bleibt, zugänglich. Weil sie bei Reizthemen wie dem biblizistischen Weltbild, Purity-Culture und Homosexualität vage bleiben, bilden sie den perfekten Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus.“

Augustin und Zehrer gründeten 2024 die Parable Studios. Das Unternehmen versteht sich als werteorientiertes Filmstudio, das hoffnungsvolle und christlich anschlussfähige Geschichten produzieren möchte. Sein Ursprung wird ausdrücklich mit den Erfahrungen beim Mickenbecker-Film verbunden.

In einem Interview erklärten die Gründer, ihre christlichen Werte seien für ihre Arbeit wichtig. Nicht jeder Film müsse ausdrücklich „fromm“ sein; entscheidend seien Hoffnung, Respekt, Ehrlichkeit und Nächstenliebe. Der Erfolg des Mickenbecker-Films habe gezeigt, dass ein großes Publikum für solche Geschichten existiere.

Quelle: parable-studios.com

Verbindungen zu Angel Studios aus den USA

Augustin und Zehrer arbeiteten auch mit dem US-amerikanischen Medienunternehmen Angel Studios zusammen. Für den missionarisch geprägten Dokumentarfilm „Testify: A Vision to Die For“, der exklusiv über Angel verbreitet wird, führte Zehrer Regie; Augustin war als Produzent beteiligt.

Angel Studios bezeichnet sich selbst als familienfreundliche „Alternative zu Hollywood“. Bei der US-Vermarktung des Films Bonhoeffer geriet das Unternehmen allerdings in die Kritik: Der reißerische Untertitel „Pastor. Spy. Assassin.“ und ein historisch irreführendes Plakat mit Bonhoeffer und einer Pistole machten dessen Erbe für Narrative rechter US-Evangelikaler anschlussfähig (Tagesschau). Gleichwohl schaffte der Film es – mit angepasster Marketingstrategie und neuem Filmplakat – auch in Deutschland in die Kinos.

Das US-Filmplakat, auf dem Bonhoeffer in der linken Hand eine Pistole hält. Quelle: tagesschau.de
Das deutsche Filmplakat – die Pistole und der Untertitel „Pastor. Spy. Asassin.“ wurden entfernt. Quelle: https://www.filmposter-archiv.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens: Angel Studios und dessen Vorgängerunternehmen VidAngel – ein Anbieter von Filtersoftware, mit der sich als anstößig empfundene Inhalte aus Filmen und Serien ausblenden ließen (was ihm einen Rechtsstreit mit Disney einhandelte) – spielten ursprünglich auch eine zentrale Rolle bei der Finanzierung, Vermarktung und Verbreitung von The Chosen – der Serie, die nun vom bereits erwähnten und ebenfalls auf dem Festival präsenten Lukas Furch in Europa vermarktet wird.

100 Tage Autark

Mit 100 Tage Autark produziert Parable Studios nun aktuell eine erste vollständig eigenständige Kinodokumentation. Der Film basiert auf der gleichnamigen Real-Life-Guys-Serie, in der Johannes Mickenbecker und sein Umfeld versuchen, hundert Tage weitgehend autark auf einem Acker zu leben.

Quelle: Instagram

Damit werden die medienwirksamen Selbstversuche der Real Life Guys erneut in eine professionell produzierte, werteorientierte Erzählung überführt.

Und wenig überraschend: Der Film wurde und wird auch weiterhin im Umfeld des Macher Festivals 2026 beworben. (Parable Studios, Entstehung des Studios, Produktionsangaben zu 100 Tage Autark).

Mehr als ein loses Umfeld

Das Macher Festival steht also nicht einfach neben der evangelikalen Medienarbeit der Beteiligten.

Die Festivalgesellschaft gehört den Real Life Guys und Daniel Michailidis. Dieselben Personen werden von Life Lion als Unterstützer genannt. Über Samuel Koch und Lukas Furch reichen die Kontakte zu The Chosen und über Furch weiter in ein rechtslibertäres politisches Milieu. Über die Filmemacher hinter Philipp Mickenbecker – Real Life und die Erfolgsserie The Chosen reichen die Aktivitäten bis in aktuelle Film- und Kinoproduktionen hinein.

Nicht jede dieser Verbindungen ist formalisiert, und es mag sein, dass nicht alle Beteiligten genau dieselben religiösen oder politischen Positionen teilen. Follower*innen des Macher Festivals dürften – insbesondere auf Social Media – aber dennoch in weit größere ideologische Kreise geleitet werden, als es ein DIY-Festival zunächst erwarten lassen mag. Dass das Zufall ist, scheint bei näherer Betrachtung des doch recht eindeutig ideologischen Netzwerks um das Macher Festival eher fraglich.

Und als bloßes, weltanschaulich neutrales Bastelfestival lässt sich das Macher Festival vor diesem Hintergrund wohl ohnehin kaum noch beschreiben. Wieso wird das nirgends thematisiert?

Zum Abschluss dieses Teils noch ein Podcast-Tipp…

Im Podcast von Sophia Sailer und Johanna Warda werden in der Folge „Jesus, Canva, Sauerteig: So missionieren Insta-Freikirchen“ übrigens mehrere der hier genannten Akteur*innen ebenfalls näher eingeordnet, darunter auch die Real Life Guys, Life Lion und Samuel Koch – Hörtipp! [Edit 01.09.2026: In einer früheren Version hatten wir hier einen falschen Vornamen von Koch verwendet].

Quelle: Podcast hö lol

Teil 3: 100 „Häuser“ in vier Tagen – Sozialaktion oder „Social Washing“?

In TEIL 3 blicken wir noch mal konkret auf das Macher Festival 2026:

„Häuser“ für Obdachlose bauen – also DIY und „Gutes tun“ zugleich? Wie ist die Aktion aus fachlicher Perspektive zu beurteilen und was wurde eigentlich aus den sog. Little Homes und den dafür gesammelten Spenden?

Und warum sollen Besucher*innen des Festivals bzw. deren Erziehungsberechtigte bei einer Teilnahme an dem Festival eigentlich weitreichende Haftungsausschlüsse und -freistellungen abgeben (übrigens auch im Vorverkauf für 2027) – und ist das eigentlich rechtens?

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