Zwischen Junger Union, christlicher Rechter und Rechtsextremismus

Kooperation zwischen rechtspatriotischer Plattform „Gemeinsam Deutschland Gestalten“ (GDG) und rechtem Christfluencer Leonard Jäger („Ketzer der Neuzeit“)?

(Quelle Titelbild: Instagram, gdg.bund). Der selbsternannte Christfluencer und Szeneinfluencer der Neuen Rechten Leonard Jäger (aka „Ketzer der Neuzeit“) steht offenbar vor einer Zusammenarbeit mit der rechtspatriotischen Plattform „Gemeinsam Deutschland Gestalten“ (GDG) bzw. dem mit dieser verbundenem Podcast „Stolz & Vorurteile„.

Auf Instagram veröffentlichte GDG am 09.09.2026 ein gemeinsames Foto von GDG-Kopf und Unions-Mitglied Benedict Doege mit Jäger und kündigte ein gemeinsames Vorhaben an mit den Worten:

„Da kommt was Großes auf euch zu…“ .

Worum es konkret geht, ist bislang nicht bekannt. Doch bereits bisher weist GDG Verbindungen und Überschneidungen bis in die extreme Rechte auf.

Mit Jäger kommt nun ein reichweitenstarker rechtschristlicher Influencer hinzu, der selbst eng in Neurechte und extrem Rechte Netzwerke eingebunden ist.

JU-Funktionär als Kopf von GDG

GDG hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einer reichweitenstarken rechten Social-Media-Plattform entwickelt. Die Initiative tritt unter anderem für mehr Nationalstolz und konsequentere Abschiebungen sowie gegen das Gendern und eine von ihr so bezeichnete „linkswoke“ Politik ein. Inzwischen existieren auch zahlreiche lokale Ableger.

Als Kopf von GDG gilt Benedict Doege, Vorsitzender der Jungen Union Köln-Lindenthal. Bekannt wurde er zunächst mit dem Projekt „Gegen das Gendern“, das er nach eigener Darstellung 2021 aus „Frust über die woke Politik und den erzwungenen Zeitgeist“ gründete. Bereits 2023 verbreitete „Gegen das Gendern“ das Video einer rechten Störaktion gegen den Kölner CSD.

Dabei gibt es inzwischen mehrere Berührungspunkte zur extremen Rechten. Doege geriet 2025 wegen einer von ihm organisierten „patriotischen Wanderung“ zum Hermannsdenkmal in die Kritik. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums nahmen daran auch Personen aus dem rechtsextremen Spektrum teil.

Die Kölner CDU distanzierte sich von der Veranstaltung. Doege selbst wies eine Nähe zum Rechtsextremismus zurück. Doch das scheint angesichts weiterer dokumentierter Verbindungen – mindestens – fraglich.

Verbindungen bis in die extreme Rechte

GDG und die eng damit verbundenen Aktivitäten von Benedict Doege weisen inzwischen eine Reihe dokumentierter Verbindungen und Überschneidungen bis in die extreme Rechte auf.

Besonders deutlich wurde dies bereits bei der bereits erwähnten von Doege im Oktober 2025 organisierten „patriotischen Wanderung“ zum Hermannsdenkmal, über die u.a. die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Köln berichtet. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums nahmen daran auch Rechtsextremisten teil, darunter Personen aus dem Umfeld der „Aktion Hermannsland“. Die neonazistische „Freischar Westfalen“ hatte zuvor für die Veranstaltung geworben. Auch mehrere AfD-Akteure nahmen teil, darunter ein späteres Mitglied des Bundesvorstands der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“.

Zufall? Auf Instagram finden sich unter den von GDG sowie Doeges Projekt „Gegen das Gendern“ gefolgten Profilen der rechtskonservativen und libertären Szene auch zahlreiche Akteur*innen des rechten bis extrem rechten politischen Influencer-Milieus. Darunter etwa das neurechte Magazin „Krautzone“, die rechte Influencerin Michelle Gollan („eingollan“) und die rechtsextreme Frauengruppe Lukreta. Letztere wird vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet, ist aus dem Umfeld der Identitären Bewegung hervorgegangen, propagiert „Remigration“ und ist eng mit AfD-Strukturen vernetzt.

„Patriotische Wanderung“ am 03.10.2026 zur Wartburg

Laut einer aktuellen Recherche des RechercheNetzwerks.Berlin ist Doeges Medienprojekt „Gegen das Gendern“ zudem „eng verbunden“ mit der sogenannten „Patriotischen Bewegung“. Deren Berliner Ableger „Berliner Patrioten“ entstand laut der Recherche im Umfeld offen neonazistischer Jugendgruppen wie „Deutsche Jugend Voran“ und „Jung und Stark“, bekennt sich zur AfD und unterstützte deren Wahlkampf.

Und: Bereits für den 03.10.2026 ruft GDG erneut zur „patriotischen Wanderung“ auf. Dieses Mal zur Wartburg in Eisenach. Der Aufruf wird bereits von diversen rechten Gruppen geteilt.

Quelle: Instagram

Junge-Union-Vorsitzender als Brückenkopf zur extremen Rechten?

Bemerkenswert ist dabei Doeges gleichzeitige Verankerung in der CDU und Jungen Union.

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz weist darauf hin, dass nach seiner Einschätzung „patriotische Gruppierungen“ zwar nicht per se rechtsextrem seien, betont aber, dass solche Gruppierungen eine „Brückenfunktion zum Rechtsextremismus“ übernehmen könnten.

Bei GDG stellt sich angesichts der dokumentierten Überschneidungen die Frage nach einer solchen Brückenfunktion besonders deutlich. Insbesondere auch, da Doege als Unionsfunktionär agiert, während seine politischen Projekte zugleich Anschlussstellen zu AfD-Akteur*innen und bis in die extreme Rechte aufweisen.

Kooperation mit Leonard Jäger („Ketzer der Neuzeit“)

Mit Leonard Jäger kommt nun offenbar ein Akteur hinzu, der rechte Politik, christlich-fundamentalistische Positionen und rechtschristliche Netzwerke miteinander verbindet.

Nach Recherchen des ARD-Magazins Monitor stuft der Berliner Verfassungsschutz Jäger als „Szene-Influencer“ der Neuen Rechten ein. Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg führte ihn 2025 zudem als einen der „Protagonisten“ aus dem Bereich Rechtsextremismus beziehungsweise verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates auf.

Gleichzeitig ist Jäger eng mit dem christlich-libertären und rechtschristlichen Milieu vernetzt. Zu seinen freundschaftlichen Kontakten gehören etwa die Christfluencerin Jasmin Friesen („Liebe zur Bibel“), der AfD-nahe Prediger Tobias Riemenschneider oder auch Lukas Furch – der Promoter der erfolgreichen evangelikalen Jesus-Serie „The Chosen“, der mittlerweile auch für Frauke Petry und ihre Partei „Team Freiheit“ tätig ist.

Verbindungen ergeben sich auch in die sogenannte „Pro-Life-Bewegung“: Gerade erst war Kristijan Aufiereo – Gründer und Geschäftsführer von 1000plus-Profemina und Herausgeber von Corrigenda sowie bereits seit langem eng mit der Bewegung und dem Anti-Abtreibungs-„Marsch fürs Leben“ verbunden – in Jägers Podcast zu Gast. Im Bundestag war Aufiero als Sachverständiger für die AfD geladen. Zu den Gästen in Jägers Podcast gehörten in der Vergangenheit auch der bereits erwähnte Tobias Riemenschneider und Lukas Furch – ebenso wie der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner.

Die Junge Union: „Wendepunkt“ und „Brücke“ zugleich?

Bemerkenswert ist auch Doeges unmittelbares Umfeld in der Jungen Union. Einer seiner Stellvertreter in der JU Köln-Lindenthal ist Dennis Splitt, Gründer und Vorsitzender von „Wendepunkt Deutschland“.

Im Vorstand von „Wendepunkt Deutschland“ sitzt mit Matthias Büschges zugleich der Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Kölner Stadtrat. Wegen dieser Zusammenarbeit leitete die Kölner CDU ein Parteiausschlussverfahren gegen Splitt ein. Ein Abschluss des Verfahrens ist öffentlich bisher nicht bekannt.

„Wendepunkt Deutschland“ wurde im Dezember 2025 gegründet und von Beginn an in Medienberichten als Anlehnung an Turning Point USA eingeordnet, deren Mitgründer und prägende Figur Charlie Kirk rund drei Monate zuvor ermordet worden war. Kirk hatte Turning Point USA zu einer der einflussreichsten Organisationen der amerikanischen MAGA-Bewegung aufgebaut. Die Gründung von Wendepunkt Deutschland erfolgte zeitgleich mit der jährlichen Großkonferenz von Turning Point USA in Phoenix.

Kritik aus der Union – bislang ohne Konsequenzen für Doege

Zwar scheinen die Aktivitäten Doeges auch innerhalb der Union nicht unumstritten. Während gegen Splitt wegen seiner Zusammenarbeit mit einem AfD-Funktionär bei „Wendepunkt Deutschland“ immerhin ein Partei- und JU-Ordnungsverfahren eingeleitet wurden, hatten Doeges Aktivitäten bislang offenbar keine parteiordnungsrechtlichen Konsequenzen.

Nach der Teilnahme von Personen aus dem rechtsextremen Milieu an seiner letztjährigen „patriotischen Wanderung“ distanzierten sich die Junge Union NRW und die Kölner CDU von der Veranstaltung. Die Junge Union NRW teilte mit, man habe Doege daraufhin zum Gespräch gebeten – er habe dabei „glaubhaft versichert„, die entsprechenden Personen nicht gekannt zu haben.

Ob diese Darstellung – erst recht angesichts der inzwischen dokumentierten Verbindungen und neuen Aktionen von Doeges Projekten – trägt, muss bezweifelt werden. Die nun angekündigte Zusammenarbeit mit Leonard Jäger verschärft diese Zweifel zusätzlich.

 

 

Radiofeature „Heilige Krieger“: Journalist Ralf Homann im Gespräch mit dem WDR

(Bildquelle: WDR) Über das Radiofeature von Ralf Homann „Heilige Krieger – Christfluencer und die Neue Rechte“, an dem auch FundiWatch mitwirken durfte, hatten wir hier bereits berichtet.

Mittlerweile gibt es einige weitere Rezensionen zur Sendung. Zudem hat der WDR ein Interview mit Ralf Homann veröffentlicht, dass hier abrufbar ist.

ARD Radio-Feature: Heilige Krieger – Christfluencer und die Neue Rechte

Erscheinungsdatum bei der ARD am 07.06.2026 – online ab sofort verfügbar: Das neue Radfio-Feature von Ralf Homann.

Wir freuen uns, dass wir mit FundiWatch dabei sein durften und dass mittlerweile Formate zunehmen, die sich auch mit den größeren Zusammenhänge und Auswirkungen christlich-fundamentalistischer Ideologien für unsere gesamte Gesellschaft beschäftigen, Bezüge und Wirkmechnismen (nicht zuletzt bedingt durch Social-Media-Logiken) unaufgeregt und sachlich aufzeigen.

Uns war es vor allem noch mal wichtig, auf die gesamtgesellschaftliche Relevanz christlich-fundamentalisticher Ideologien hinzuweisen, gerade bei der verbreitet festzustellenden Vorstellungen, Gesellschaftsbereiche nach einem christlich-fundamentalistischen Weltbild zu transformieren – bei allen Unterschieden und doch auch besorgniserregenden Parallelen zu den Entwicklungen in den USA. Wir sollten das mehr im Blick behalten.

Ein Hörtipp für das anstehende Wochenende!

Podcast-Zusammenfassung zitiert nach ARD:

Eine neue Generation christlicher Aktivistinnen und Aktivisten feiert Erfolge in den sozialen Medien. So genannte Christfluencer erreichen auf Instagram, YouTube und TikTok hunderttausende Follower – sie verbinden die Vermarktungslogik von Plattformen mit Glaubensfragen. Ultrakonservative Inhalte laufen besonders gut.

Religiöse Erweckung geht bei nicht wenigen einher mit politischer Mobilisierung. Manche bekennen sich offen zur AfD, die Botschaften anderer bleiben anschlussfähig an neurechtes Denken, auch wenn viele sich von Parteipolitik distanzieren.

Im Zentrum stehen familienpolitische Themen wie Geschlechterrollen und immer wieder Abtreibung. Schwangerschaftsabbrüche sind politisch wieder Thema, wie nicht zuletzt die Verhinderung von Frauke Brosius-Gersdorf als Bundesverfassungsrichterin zeigt. Sichtbar wird das nicht nur im Netz, wenn beim „Münchner Marsch fürs Leben“ Online-Aktivisten gemeinsam mit konservativen Gläubigen auf die Straße gehen.

Der Kulturkampf ist in der Religion angekommen. Das ARD Radiofeature zeigt wie Religion auf Social Media funktioniert, wie neurechte Aktivisten das Christentum als Bollwerk gegen Liberalismus, Feminismus und Vielfalt beanspruchen und die Kirchen versuchen ihre Definition universaler christlicher Werte in einer Welt im Wandel zu verteidigen.

Ein Feature von Ralf Homann. Produktion: BR 2026

Eine Kritik zum Feature veröffentlichte am 14.06.2026 epd-Medien:

„Für sein [gemeint: Ralf Homann, d. Verf.] jüngstes Feature dürfte gelten, was Matthias Pöhl, einer der Initiatoren von ‚Fundiwatch‘, des im Jahr 2024 ins Leben gerufenen Recherche- und Aufklärungskollektivs zum Thema ‚Christlicher Fundamentalismus‘, gleich am Anfang äußert: Dass ‚Thema und Gefahren‘, die von christlichen Fundamentalisten ausgehen, trotz des Beispiels USA, hierzulande immer noch zu wenig ‚beachtet und thematisiert‘ würden.“

Weitere Kritiken und Infos zur Sendung:

[Edit 20.6.2026] Weitere Kritiken und Infos zur Sendung finden sich auch hier:

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