Mission Respekt – oder Mission gescheitert?

Wie die Bremische Evangelische Kirche dem „Hassprediger“ Olaf Latzel wieder eine Bühne bietet

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat sich jahrelang vom in Medien als „Hassprediger“ bezeichneten und wegen Volksverhetzung angeklagten Olaf Latzel distanziert – und ihn disziplinarisch sanktioniert.

Jetzt kooperiert ausgerechnet ihr eigenes Projekt „Lighthouse“ im Rahmen der „Aktionswoche.Evangelisation“ mit Latzel und seiner St. Martini Gemeinde. Am gleichen Wochenende heißt Latzel mit der Alliance Defending Freedom (ADF) anschließend einen einflussreichen Player der internationalen christlichen Rechten bei sich willkommen.

Nachfragen weicht die Kirchenleitung aus – und dann erhalten wir eine Mail, die wir eigentlich nie hätten erhalten sollen und an der ablesbar wird, wie die BEK in dieser Angelegenheit agiert.

Eine Pressemitteilung zu diesem Artikel ist hier abrufbar.

Edit (13.04.2026): Über den Fall berichten zwischenzeitlich auch mehrere Medien, wie queer.de (09.04.2026), Schwulissimo (09.04.2026) und die taz (12.04.2026). Außerdem haben wir noch den Abschnitt „Lighthouse – das Trojanische Pferd der Evangelikalen in die Bremer Zivilgesellschaft?“ ergänzt.


Über den Einfluss der Evangelikalen auf die Soziale Arbeit in Bremen, insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit des Sozialwerks der Freien Christengemeinde Bremen und dessen Netzwerke, berichteten wir hier.

Weiterlesen

Ein Projekt zwischen Aufbruch und Rückgriff

Beim Lighthouse Bremen handelt es sich um eine gesamtkirchliche Arbeitsstelle der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). Auf den ersten Blick inszeniert sich das Lighthouse modern und weltoffen: niedrigschwellig, experimentell, nah an den Menschen.

Formate wie „Prayer to go“ oder Bikertreffen unter dem Titel „Ride on Faith“ sollen Glauben aus kirchlichen Räumen herausholen und auch kirchenferne Gruppen erreichen:

Website der „Lighthouse – Bremische Evangelische Kirche“ mit Navigationsleiste (Info, Aktionen, Termine, Newsletter, Galerie, Kontakt). Darunter ein Abschnitt „Das LIGHTHOUSE erklärt“ mit einem Foto eines beleuchteten Kirchengebäudes bei Nacht und erklärendem Text zum Projekt „Lighthouse“.
Screenshot Webseite Lighthouse, Quelle: https://lighthouse-bremen.de/

Ein zweiter Blick weckt jedoch bereits andere Assoziationen: Angebote wie „Feuerabende für Männer!“ knüpfen wohl doch eher an konservativ-evangelikale Milieus inklusive darin vertretener klassischer Rollenbilder an – „echte Männer“ treffen sich am offenen Feuer „unter sich“:

Werbebild mit der Aufschrift „LIGHTHOUSE Feuerabende“: Am Strand bei Abenddämmerung stehen mehrere Männer um ein Lagerfeuer, im Hintergrund ist Wasser mit Lichtern am Horizont zu sehen. Unten steht der Text „Feuerabende für Männer!“.
Screenshot Werbung für Lighthouse-„Feuerabende“,Quelle: https://lighthouse-bremen.de/

Die missionarische Ausrichtung des Lighthouse wird jedenfalls stark betont.

Lighthouse – das Trojanische Pferd der Evangelikalen in die Bremer Zivilgesellschaft?

(Edit 13.04.2026: Dieser Abschnitt wurde nach Erstveröffentlichung hinzugefügt)

Bereits Mitte 2022 berichtete die taz über das Lighthouse Bremen und dessen Leiter Johannes Müller – dem ehemaligen Jugendreferenten der Matthäusgemeinde, die wie St. Martini und die Stiftung Marburger Medien Mitglied der Evangelischen Allianz ist.

Die Evangelische Allianz Deutschland (EAD) arbeitet übrigens immer wieder mit der Alliance Defending Freedom (ADF) zusammen, wie beispielsweise bei Veröffentlichung von queerfeindlichen Broschüren, erst Ende letzten Jahres zum Selbstbestimmungsgsetz.

Die Gruppe Religionsfrei in Bremen berichtet, dass die Förderung der Evangelikalen durch die Leitung der BEK bereits 2013 mit der Neuwahl des Kirchenausschusses unter Vorsitz von Edda Bosse, der damaligen Kirchenleiterin, begonnen habe.

Religionsfrei in Bremen bezeichnet das Lighthouse als…

„…das Trojanische Pferd der Evangelikalen in die Bremer Zivilgesellschaft“.

Entsprechendes lässt sich scheinbar auch für die Rolle des Lighthouse innerhalb der als eher liberal geltenden Bremer Landeskirche selbst feststellen…

„Mission Respekt“ – Anspruch mit Sollbruchstelle

Offiziell arbeitet das Lighthouse unter dem Leitmotiv „Mission Respekt“. Gemeint ist ein missionsorientierter Ansatz, der Verkündigung mit Dialog, Respekt und Religionsfreiheit verbinden soll.

Das hierzu veröffentlichte Konzeptpapier des Lighthouse nimmt Bezug auf das ökumenische Leitpapier „MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt.

Das Leitpapier wurde 2011 vom Ökumenischen Rat der Kirchen, der Evangelischen Weltallianz und dem Vatikan veröffentlicht. Konservative Evangelikale sehen in dem Papier teils eine Verwässerung klassischer Evangelisation zugunsten von Dialog, während andere betonen, der Anspruch respektvoller Glaubenskommunikation unter Achtung anderer Glaubensbekenntnisse bleibe oft programmatisch und werde von aggressiven Missionspraktiken in Teilen der Christenheit noch längst nicht eingelöst.

Und tatsächlich: Auch im aktuellen Fall zeigt sich, wie wirkungslos das Papier weiterhin bleibt. Denn wie sollten die Ansprüche des erwähnten Papiers mit einem Pastor zusammen passen, dessen Predigten immer wieder Respekt vermissen lassen oder Respekt vor Andersdenkenden und -gläubigen gar willentlich verwehren?

Missionstraining mit einem der umstrittensten Pastoren Deutschlands

Vom 20. bis 24. April 2026 lädt das Lighthouse zur „Aktionswoche Evangelisation.

Das Ziel:

„Christen in D darin AUSBILDEN und SENDEN, das Evangelium klar zu formulieren und mutig ‚Eins zu Eins‘ weiterzugeben.“

Zweiteiliges Plakat zur „Aktionswoche Evangelisation“ (20.–24. April 2026). Links: Titel, Datum und Slogan „Geh’ los und erzähl’ bei dir vor Ort von Jesus!“ sowie ein QR-Code für weitere Infos. Rechts: Beschreibung der Aktionswoche mit Einladung, den christlichen Glauben praktisch weiterzugeben, gefolgt vom Tagesprogramm (Workshop, Einsatz, Feiern). Unten stehen Treffpunkt (St. Martini-Kirche in Bremen), Anmeldehinweis mit QR-Code "theturning.info" sowie Logos von Lighthouse und St. Martini.
Veranstaltungsankündigung auf der der Webseite von Lighthose, Quelle: lighthouse-bremen.de


In täglichen Workshops mit Lighthouse-Leiter Johannes Müller wird das Missionieren trainiert, bevor es dann für den „Praxisteil“ auf die Straße geht. Abends wird das Erlebte „gefeiert“.

Programmübersicht zum Ablauf der „Aktionswoche (20.–24. April)“. Überschrift „Ablauf der Tage Mo–Fr“. Treffpunkt werktags 16–19:30 Uhr in St. Martini Bremen oder vor Ort. Programmpunkte: 16:00 Ankommen; 16:30–16:45 Andacht (Olaf Latzel, via YouTube); 16:45–17:20 Training (Johannes Müller, via YouTube); 17:20–17:30 Gebet und Vorbereitung; 17:30–18:30 Outreach in Teams; 18:30–19:30 Zeugnisse, Lobpreis, Gebet und Abschluss. Zusätzlich: Sonntag 10:00 Gottesdienst aus St. Martini (YouTube-Übertragung).
Ablaufprogramm der Aktionswoche, Quelle: lighthouse-bremen.de


Treffpunkt und offenbar spirituelles Zentrum der Aktionswoche ist die St. Martini Gemeinde Bremen. Jeder Tag beginnt mit einer Andacht von Olaf Latzel. Andachten und Workshops werden auch online übertragen, so dass Gemeinden die Evangelisationswoche auch bei sich vor Ort organisieren können.

All das geschieht in Zusammenarbeit mit einem Pastor, der zeitgleich mit Gehaltskürzungen durch die BEK sanktioniert wird.

Der Fall Latzel: Eskalation mit Ansage

Denn Olaf Latzel steht seit Jahren für eine bewusst provozierende Form von Predigt.

So verweigerte er einer Pastorin die Kanzel und beleidigte andere Religionen. Dabei nannte Latzel zum Beispiel das islamische Zuckerfest (das muslimische Fest des Fastenbrechens) „Blödsinn“, sprach vom katholischen „Reliquiendreck“ oder von Buddha als „dicken, fetten Herrn“.

Spätestens damit war er weit über Bremen hinaus zum Symbol eines besonders scharf ausgrenzenden, kulturkämpferischen Fundamentalismus geworden.

Zum Strafverfahren wegen Volksverhetzung und Disziplinarmaßnahmen der BEK führten letztlich queerfeindliche Äußerungen Latzels auf einem Eheseminar im Jahr 2019, das ein Gemeindemitglied online veröffentlichte. Eine Chronik des gesamten Verfahrens ist bei buten un binnen veröffentlicht.

In dem Eheseminar sprach Latzel – wie u.a. im Urteil des Amtsgerichts Bremen wiedergegeben – von Homosexualität als eine „Degenerationsform von Gesellschaft“. Außerdem sagte er: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Hinzu kam die Formulierung: „Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung. Das ist zutiefst teuflisch und satanisch.

Das Amtsgericht Bremen verurteilte Latzel wegen dieser Äußerungen zunächst wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe. Das Landgericht sprach ihn in der Berufung hingegen frei.

Zwar sah das Landgericht die Wortwahl Latzels als „befremdlich“ und „archaisch“ an und gewiss nicht als geeignet, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, wo alle gut miteinander auskommen. Es hielt die Schwelle zur Strafbarkeit aber als noch nicht erreicht.

Das Oberlandesgericht Bremen wiederum hob das Urteil des Landgerichts auf, weil es eine seines Erachtens durchaus mögliche Strafbarkeit nicht ausreichend geprüft sah und verwies die Sache zurück an das Landgericht.

Überraschenderweise kam es dort dann nicht zu einem Urteil. Denn das Landgericht stellte das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage ein: Latzel musste 5.000 Euro an den Bremer Verein Rat&Tat – Zentrum für queeres Leben zahlen.

Damit war das Strafverfahren beendet, die strafrechtliche Beurteilung der Äußerungen Latzels bleibt ungeklärt.

Die BEK auf Distanz – zumindest offiziell

Die BEK reagierte nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Latzel zunächst deutlich und äußerte sich immer wieder zur „Causa Olaf Latzel:

Die Kirchenleitung distanzierte sich dabei „entschieden“ von Latzels abwertenden Äußerungen und erklärte, sie stehe „klar an der Seite homosexuell lebender Menschen“. Im Mai 2020 leitete sie ein Disziplinarverfahren ein. Zwischenzeitlich wurde Latzel sogar vorläufig seines Dienstes enthoben, wogegen er sich jedoch erfolgreich wehrte.

Nach Abschluss des Strafverfahrens beschloss der Kirchenausschuss im Mai 2025 schließlich als Sanktion eine Kürzung von Latzels Bezügen um fünf Prozent für 48 Monate. Die Maßnahme müsste demnach also auch aktuell noch wirksam sein.

Ungeachtet dessen, ob man die von der BEK ergriffenen Maßnahmen als ausreichend beurteilen mag – die Botschaft der BEK, an der maßgeblich die damalige Kirchenpräsidentin Edda Bosse mitwirkte, schien bisher jedenfalls klar: So nicht.

Und jetzt: Kooperation

Umso bemerkenswerter ist die aktuelle Zusammenarbeit.

Denn anders als frühere Konflikte lässt sich die jetzige Kooperation wohl nicht mit der Autonomie der Gemeinden in der spezifischen Struktur der BEK erklären. Hier handelt mit dem Lighthouse eine Arbeitsstelle der Landeskirche selbst und hat sich offenbar aktiv ausgerechnet Latzels Gemeinde als Kooperationspartner ausgesucht.

Die naheliegende Frage: Hat sich die Haltung der BEK unter einer zwischenzeitlich neuen Leitung geändert? Und wenn ja, auf welcher Grundlage?

Will die BEK beschwichtigende Signale senden, statt sich klar gegen Hass und Hetze zu positionieren?

FundiWatch fragt nach

Noch vor Ostern fragten wir bei der BEK nach. Denn für uns enthält die aktuelle Zusammenarbeit zwischen Lighthouse und der St. Martini Gemeinde empfindliche Widersprüche.

Von der BEK erhielten wir eine ausweichende Antwort. Soweit so erwartbar?

Was wir allerdings nicht erwartet hatten, stand in einer zweiten Mail, die wir versehentlich zugestellt bekamen…

Konkrete Fragen – und eine Antwort, die keine ist

Im Kern ging es bei unserer Anfrage an die BEK um vier Punkte:

  • Wie passt die Zusammenarbeit mit Olaf Latzel zur bisherigen klaren Distanzierung – einschließlich laufender Disziplinarmaßnahmen?
  • Hält die Kirche ihn und seine Gemeinde ernsthaft für einen geeigneten Partner – ausgerechnet unter dem Leitbild „Mission Respekt“?
  • Und darüber hinaus: Wie will die BEK dem wachsenden Einfluss christlich-fundamentalistischer Strömungen begegnen, wenn sie gleichzeitig mit entsprechenden Akteuren kooperiert?
  • Und nimmt sie dabei bewusst in Kauf, dass solche Kooperationen als Signal der Akzeptanz verstanden werden könnten?

Kurz gesagt: Wir wollten wissen, ob die BEK ihre eigenen Maßstäbe ernst nimmt – oder ob sie in der Praxis deutliche Abstriche macht.

Die Antwort, die uns Donnerstagabend „für die Kirchenleitung der BEK“ erreichte, könnte nichtssagender und ausweichender kaum sein:

„Alle Veranstaltungen des Lighthouse Bremen finden auf der Grundlage von ‚MissionRespekt.Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt‘ statt. Die Bremische Evangelische Kirche geht davon aus, dass sich auch die von Ihnen genannte Veranstaltung des Lighthouse auf der Basis dieses Konsenspapiers bewegt.“

Mehr nicht. Keine Einordnung, keine Abgrenzung, keine Erklärung der Zusammenarbeit.

Ein Blick hinter die Kulissen: Mission respektlos?

Nun zum Überraschenden und für uns Entlarvenden:

Eine interne, kommentierende E-Mail des Pressesprechers der BEK an einen Medienverteiler (im Cc der aktuelle Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus sowie die Leitung der Kirchenverwaltung) erreichte – offenbar versehentlich – auch uns.

Aus der Kommunikation geht hervor, dass die Antwort bewusst erst spät innerhalb der gesetzten Frist vor den Osterfeiertagen versendet wurde, offenbar mit dem Ziel, möglichst wenig öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Zudem wurde intern festgelegt, auf weitere Nachfragen nicht einzugehen und die öffentliche Reaktion – etwa in sozialen Medien – zu beobachten.

Was sehen wir hier? Auf Zeit spielen, Aufmerksamkeit vermeiden, Kritik möglichst aussitzen.

Mehr als nur ein lokales Problem

Die Kooperation der BEK mit St. Martini sollte auch nicht als ausschließlich lokales Thema gesehen werden.

Abgesehen davon, dass die Aktionswoche (einschließlich der Predigten von Latzel), auch online übertragen wird ist sie bewusst auf die Übernahme durch Gemeinden auch andernorts ausgerichtet.

Zudem sind Latzel und seine Gemeinde in christlich-fundamentalistischen Netzwerken weit vernetzt. Sowohl im „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ als auch weit darüber hinaus wird sein Strafverfahren als vermeintlicher „Justizskandal“ und angeblich zunehmende „Christenverfolgung“ hochstilisiert.

Unterstützung durch die internationale Christliche Rechte: Alliance Defending Freedom

Latzel kann dabei auch auf die Unterstützung der internationalen christlichen Rechten setzen: die rechtschristliche US-amerikanische Anwalts-Lobby-Organisation Alliance Defending Freedom (ADF) begleitete das Strafverfahren gegen Latzel engmaschig medial.

ADF praktiziert Kulturkampf vor Gericht. Ihre Strategie lässt sich durchaus als „lawfare“ bezeichnen – eine Strategie, bei der Mittel des Rechtsstaats wie Gerichtsverfahren nicht primär zur Rechtsdurchsetzung, sondern zur Schwächung der Gegner*innen eingesetzt werden.

Seit Jahren zählt ADF zu den zentralen internationalen Akteuren der christlich-rechten Szene, die weltweit gegen LGBTQ*-Rechte und reproduktive Selbstbestimmung mobilisiert und vom Southern Poverty Law Center als „hate group“ eingeordnet wird.

Screenshot einer Website des SPLC (Southern Poverty Law Center) mit dunklem Design. Links steht groß „Alliance Defending Freedom“ mit dem Hinweis „SPLC Designated Hate Group“. Darunter Angaben: Ideologie „Anti-LGBTQ“, gegründet 1994, Standort Scottsdale, Arizona. Oben Navigation zu „Racial Justice Issues“, „Find Resources“ und „State Support“. Rechts ist das Logo von „Alliance Defending Freedom“ zu sehen.
Infoseite Southern Poverty Law Center zur Alliance Defending Freedom, Quelle: https://www.splcenter.org

So wirkte ADF beispielsweise im Umfeld der Aufhebung des Urteils zum Recht auf Abtreibung in den USA (Roe v. Wade) mit, unterstützt dort aktuell – vor dem Supreme Court gerade erst „erfolgreich“ – Verfahren gegen Verbote von Konversionsbehandlungen und baut – von Medien weitgehend ignoriert oder allenfalls am Rande erwähnt – bereits seit einigen Jahren ihren Einfluss in Europa mit erheblicher finanzieller Schlagkraft aus.

Das European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights (EPF) warnt seit Jahren vor massiv wachsender Einflussnahme religiös-extremer und gegen Menschenrechte agierender Netzwerke in Europa, darunter auch der ADF.

Titelseite des EPF-Reports: Grafik eines Eisbergs im Meer: Über der Wasseroberfläche ist nur die Spitze sichtbar, darunter ein großer Teil mit Geldscheinen im Inneren. Links steht der Titel „Die Spitze des Eisbergs“ sowie der Untertitel über religiös-extremistische Geldgeber gegen Menschenrechte auf Sexualität und reproduktive Gesundheit in Europa (2009–2018). Unten ist das Logo des European Parliamentary Forum (EPF).
Report des EPF „Die Spitze des Eisbergs“, Quelle: Quelle: https://www.epfweb.org

Wie berechtigt diese Warnungen sind, zeigt neben mittlerweile zahlreichen Auftritten der ADF in Deutschland (vgl. z.B. hier, hier oder hier) auch dessen Mitwirkung am Project 2025 – jenem Programm der Heritage Foundation, das nicht bloß konservative Politik formuliert, sondern auf einen autoritären Umbau des US-Staates hinausläuft, wie wir ihn derzeit in den USA verfolgen können.

Das Buch „Der Fall Latzel“: Ein Rufmord GEGEN den Rechtsstaat

Ungeachtet dessen veröffentlichte ausgerechnet Felix Böllmann, Leiter der Rechtsabteilung von ADF International Wien, gemeinsam mit David Wengenroth, Leiter des Meinungs-Ressorts beim rechtskonservativen, evangelikalen Idea-Magazin, Ende vergangenen Jahres das Buch „Der Fall Latzel – Ein Rufmord mithilfe der Justiz.

Buchcover „Der Fall Latzel“ von David Wengenroth und Felix Böllmann. Untertitel „Ein Rufmord mithilfe der Justiz“. Illustration zeigt zwei Männer im Gerichtssaal an einem Tisch sitzend, einer schreibt, der andere mit verschränkten Händen; im Hintergrund eine weitere Person.
Buchcover „Der Fall Latzel“, Fontis-Verlag, Quelle: https://www.fontis-shop.de

Nach Autoren und Untertitel nicht überraschend wird das Verfahren gegen Latzel in dem Buch als politischer Skandal geframed und Latzel zum Opfer einer Kampagne aus Justiz und Medien erklärt.

Idea begleitete das Verfahren ebenfalls intensiv und veröffentlichte beispielsweise ein Interview (Paywall) mit Latzel unter der Zitatüberschrift:

Screenshot eines IDEA-Artikels mit der Überschrift „Interview - Olaf Latzel: ‚Ich halte mich nach wie vor für unschuldig‘“ (29.07.2025). Darunter ein Foto von Olaf Latzel in einer Kirche mit bunten Kirchenfenstern im Hintergrund. Bildunterschrift: Olaf Latzel spricht über seine Gerichtsprozesse und Disziplinarverfahren.
Screenshot Vorschau Idea-Interview mit Olaf Latzel, Quelle: https://www.idea.de

Die BEK und die internationale Christliche Rechte geben sich in St. Martini die Klinke in die Hand…

Zuletzt bleibt zu erwähnen, dass bereits am 25. April 2026 – also einen Tag nach Abschluss der Aktionswoche mit dem Lighthouse – in St. Martini ein „Studientag“ unter dem Titel „Christenverfolgung in Deutschland?! stattfindet.

Zweiteiliges Veranstaltungsplakat „Christenverfolgung in Deutschland?!“ für Studientag kirchlicher Mitarbeiter und Pfarrer. Links: Referentenliste mit Namen und Themen (u. a. Pastor Dr. Theol. Stefan Felber, Dr. jur. Felix Böllmann, Prof. Dr. jur. Torsten Schmidt, Pastor Olaf Latzel). Rechts: Veranstaltungsdetails mit Datum (25. April 2026), Ort (St. Martini Gemeinde Bremen), Veranstalter (ADF International Wien), Kostenhinweis sowie Anmeldeinformationen. Dadruter Bibelvers: "Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. (Matthäus 5,10)"
Veranstaltungsankündigung „Studientag“: „Christenverfolgung in Deutschland?!“ auf der Webseite des Gemeindenetzwerks (Arbeitsbereich des Gemeindehifsbundes), Quelle: https://www.gemeindenetzwerk.de

Veranstalter: Die ADF International Wien. Als Referent dabei: wiederum Felix Böllmann von der ADF.

Auch darauf wiesen wir die BEK in unserer Anfrage hin. Die (Nicht-)Antwort wurde bereits erwähnt.

Man könnte also durchaus sagen: Die BEK und eine als Hate-Group eingeordnete rechtschristliche Organisation werden sich in St. Martini in Kürze die Klinke in die Hand geben…

Hofft die Kirchenleitung, dass das niemand mitbekommt?

Kein Einzelfall – Peter Hahne zu Gast in St. Martini

Wer also die Zusammenarbeit des Lighthouse mit St. Martini als punktuelle Kooperation verharmlosen will, übersieht den größeren politischen und ideologischen Zusammenhang, in dem sich diese Gemeinde längst bewegt.

Im Übrigen zeigte sich bereits im letzten Sommer, als zum Jubiläum der St. Martini Gemeinde ausgerechnet der ehemalige ZDF-Moderator und Brückenbauer zur Neuen Rechten, Peter Hahne, auftrat, wie sehr Latzel und seine Gemeinde ihrer ideologischen Linie treu bleiben.

In seiner Predigt stellte Hahne unter anderem den Nationalsozialismus („Hakenkreuz-Religion„) und queere Menschen („Regenbogen-Religion„) gleich.

Die Veranstaltung mit Hahne wurde zunächst auch auf der Webseite der BEK angekündigt:

1. Rechte Christen unter sich: Dass Olaf Latzel zum Jubiläum seiner Martini-Gemeinde Peter Hahne einlädt, wundert nicht wirklich – beide sind extrem rechts. Dass die Bremische Evangelische Kirche die Veranstaltung auf ihrer Homepage bewirbt macht hingegen fassunglos… buff.ly/PL6AiCY

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-08-26T19:49:40.065Z

Nach kritischen Medienberichten distanzierte sich die BEK, ohne den Auftritt Hahnes namentlich zu erwähnen. Und verwies auf die vermeintliche Alleinverantwortlichkeit der St. Martini Gemeinde.

Sehen wir im aktuellen Fall nun wieder einen merkwürdigen Schlingerkurs?

Die eigentlichen Fragen

Die BEK betont weiterhin ihre Werte: Respekt, Dialog, Verantwortung.

Schließt dieses Motto Kooperationen wie die mit Latzel ein?

Wo bleiben bei so einer Veranstaltung „Respekt, Dialog & Verantwortung“ in Bezug auf die Menschen, die immer wieder Betroffene von Hasstiraden Latzels werden?

Fazit: Zwischen (vermeintlichem) Anspruch und Praxis

Die BEK distanziert sich – und arbeitet doch zusammen.

Sie antwortet – ohne zu antworten.

Und sie kommuniziert – in der Hoffnung, dass es niemand mitbekommt.

Eine „Mission Respekt“ sollte anders aussehen.

„Jesus“ marschiert durch Berlin und missioniert im Estrel Congress Center…

Die christlich-fundamentalistische „Miracle Centre Church“ verspricht „eine Woche der Zeichen, Wunder & Heilungen“

Wer vergangenes Wochenende in Berlin City unterwegs war, hat sich vielleicht über die vielen jubelnden „Jesus-Fans“ gewundert. Viele mögen irritiert gewesen sein – einige sicherlich aber auch interessiert an der großen Begeisterung der jubelnden Menschen.

Und das war erst der Anfang: Denn diese Woche findet – wie schon im Vorjahr – erneut das Missionsevent „Mission Berlin“ im Estrel Convention Center statt.

Hinter der Veranstaltung steht der deutsche Ableger der ugandischen Mega Church „Miracle Centre Cathedral“ („Robert Kayanja Ministries“) aus Kampala. Deren Leiter, Robert Kayanja, reiste mit seiner Ehefrau Jessica zu dem Event extra aus Uganda nach Berlin an. Und wurde von seinen Fans am Flughafen frenetisch bejubelt.

Die von den Veranstaltern angekündigte Woche von „Zeichen, Wundern & Heilungen“ steht Berlin indes wohl nicht bevor. Stattdessen ist gewiss, dass wieder einmal nach Orientierung und Hilfe suchende Menschen mit Unterstützung christlicher Gruppen auch aus Deutschland manipuliert und missbraucht werden.

Weiterlesen

Die „Miracle Centre Cathedral“ & deren schwer reicher Leiter Robert Kayanja

Die „Miracle Centre Cathedral“ ist eine der mittlerweile größten pfingstlerischen Megachurches in Uganda. Gründer Robert Kayanja ist zugleich Gründer einer der größten christlichen Fernsehsender Ugandas, Channel 44 Television.

MCC verbreitet ein sog. „Wohlstandsevangelium“ – also den extremen Glauben, dass sich Reichtum und Gesundheit bzw. Heilung durch den „richtigen“ Glauben erreichen lassen. Regelmäßig berichtet das MCC von Wunderheilungen. Krebs, Aids, Depressionen: alles kann geheilt werden, wenn man nur „richtig“ glaubt…

Doch das ist gefährlich: Die vermeintlich öffentlich auf großen Bühnen – insbesondere im freikirchlich-evangelikalen Umfeld – inszenierten Wunder lassen sich (natürlich) nie beweisen. Durchaus aber, dass diese sich teils als bewusst inszeniert oder gar gefälscht (Link hinter PW) herausstellen, teils nur auf vorübergehende Erleichterung aufgrund regelmäßig bei solchen Events hergestellten ekstatischen Atmosphären zurückzuführen sind. Und nicht selten werden Menschen durch entsprechende Lehren sogar davon abgehalten, wirkliche professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zudem wird denjenigen, bei denen sich der vermeintlich so einfach erreichbare Erfolg nicht einstellt, häufig unterstellt, nicht „richtig“ oder „genug“ zu glauben. Nicht selten werden auch vermeintlich „dämonische Belastungen“ oder „Sünden“ als Ursache ausgemacht. Was schwere psychische und körperliche Folgen bei Menschen hinterlassen kann.

Für Robert Kayanja’s persönlichen Reichtum hat sich die Verbreitung eines Wohlstandsevangeliums hingegen offenbar gelohnt: Laut Le Monde diplomatique pflegt er einen luxuriösen „Superstar“-Lebensstil: Das 2004 von Präsident Museveni eingeweihte Kirchengbäude in einem Armenviertel in Kampala kostete demnach 11 Millionen Dollar. Kayanja sei fast ohne Arbeit reich geworden, fliege erstklassig, habe Bodyguards aus der ugandischen Armee, besitze mehrere Luxusautos und eine Villa im Beverley-Hills-Stil am Viktoriasee. Er hält gute Kontakte zur ugandischen Regierung.

God loves Uganda“ – oder die Einflussnahme evangelikaler Christ*innen zur Verbreitung ihrer menschenfeindlichen Ideologien

Dass die finanzielle Unterstützung – neben Spenden von Gemeindemitgliedern – vor allem aus den USA stammt, räumt Kayanja offen ein. In der Dokumentation „God loves Uganda“, in der es um den Einfluss amerikanischer evangelikaler Christen auf ugandische Politik und Gesellschaft – vor allem im Kontext von LGBTIQ+-Rechten – geht, äußert er sich offen:

American money helped us build this church, […] whatever you see here is the fruit of American labor. [Übersetzung d. Verf.: Amerikanisches Geld hat uns geholfen, diese Kirche zu bauen. Was Sie hier sehen, sind Früchte amerikanischer Arbeit.]

Zwar sind öffentlich keine Positionierungen von Kayanja zu dem (mit Unterstützung insbesondere US-evangelikaler Gruppen) von pfingstlerischen Kirchen energisch unterstützten ugandischen „Anti-Homosexuality-Act“ – einem der weltweit schärfsten Anti-LGBTIQ+-Gesetze der Welt – bekannt. Er selbst wurde wegen Missbrauchsvorwürfen wegen „Sodomie“ mehrfach angeklagt, was sich jedoch bisher offenbar auf „Verleumdungen“ konkurrierender Pastoren zurückführen ließ, die neidisch auf seinen Erfolg gewesen sein sollen.

Dass Kayanja jedoch durchaus mit queerfeindlichen „Größen“ u.a. der US-Evangelikalen Szene zusammenarbeitet, lässt sich gut belegen. Zum Beispiel im Hinblick auf seine große Bewunderung für den US-TV-Evangelisten Benny Hinn: Hinn verkündete 1990 unter Applaus, wie Gott ihm offenbart habe, dass Gott Mitte der 90er Jahre alle Homosexuellen in Amerika „mit Feuer“ zerstören werde. In Kürze wird Hinn zum wiederholten Male in der MCC zu Gast sein. Erst vor einigen Tagen traf Kayanja den ebenfalls queerfeindlichen US-Evangelisten Joel Osteen. Und so weiter…

Der deutsche Ableger: Die „Miracle Centre Church“ in Berlin ruft zur Missionierung von Berlin auf…

Der deutsche Ableger der MCC, die internationale „Miracle Centre Church Berlin„, existiert erst seit 2023. Leiter der Kirche ist Jimmy Ntale (ebenfalls gebürtig aus Kampala), der sich als „geistlicher Sohn des weltbekannten Pastors Robert Kayanja“ bezeichnet. Nach eigenen Angaben ist er zugleich Präsident und Geschäftsführer der in Uganda aktiven „Ntale Hilfsorganisation International e.V.“.

Das von der MCC Berlin veranstaltete Missionsevent „Mission Berlin„, dessen Auftakt ein „Jesus- Marsch“ durch die Innenstadt war, wird auf der eigens eingerichteten Webseite wie folgt beschrieben:

Mission Berlin ist eine kraftvolle, vom Heiligen Geist geleitete Bewegung, die sich der Rettung verlorener Seelen in der Stadt Berlin widmet. Durch die Gnade Jesu und die Kraft des Heiligen Geistes veranstalten wir Konferenzen und Einsätze, die darauf abzielen, depressive Menschen, Jugendliche und Menschen, die Heilung brauchen, zu erreichen. Diese Bewegung, die durch die Zusammenarbeit mehrerer Kirchen ermöglicht wird, bringt Heilung, treibt Dämonen aus und gibt denjenigen, die sich abmühen, wieder Hoffnung – alles im Namen Jesu.

Und:

Mission Berlin ist eine Bewegung, die aus der Sehnsucht entstanden ist, in ganz Deutschland Erweckung zu erleben. Unser Herz schlägt für die Errettung und Befreiung verlorener Seelen und die Wiederherstellung der ersten Liebe zu unserem Erlöser Jesus Christus.

Zu „Mission Berlin“ wurden Robert Kayanja und seine Ehefrau Jessica extra nach Berlin eingeflogen. Und begeistert von der Kirchengemeinde am Flughafen empfangen. Das große „Highlight“ der Missionsveranstaltung findet am kommenden Samstag im ECC statt: Ein Frühstückstreffen mit Pastor Robert Kayanja

Man muss es mit aller Deutlichkeit benennen: Bei „Mission Berlin“ handelt es sich wieder einmal um ein christlich-fundamentalistisches Event, bei dem nach Hilfe, Gesundheit und / oder Orientierung suchende Menschen missbraucht werden. Um sie mit vorgespielter Herzlichkeit durch vorgelogene „Heilungswunder“ für christlich-fundamentalistische und menschenfeindliche Ideologien zu gewinnen – und wohl auch, um an ihr Geld zu kommen…

Unterstützung von deutschen christlichen Gemeinden – und dem größten Hotel Deutschlands

Auch aus der Szene der deutschen Evangelikalen wird „Mission Berlin“ unterstützt. Die Arbeitsgruppe der Evangelischen Allianz Berlin „GottinBerlin“ bewirbt die Veranstaltung auf ihren Seiten. Die Evangelische Allianz Berlin gehört der Evangelischen Allianz Deutschlands (EAD) an, dem größten deutschen Dachverband der Evangelikalen in Deutschland mit eigener Hauptstadtrepräsentanz in Berlin.

Ebenso mit dabei sind die Prediger Sigrid und Martin Baron vom „Gottes-Haus“. Auf ihrer Webseite vertreiben sie Bücher mit dem Titel „Wie Satan das System dieser Welt regiert“ oder „Der Obrigkeit untertan? Über die Grenzen christlichen Gehorsams. Zudem verbreiten die Barons Verschwörungsideologien u.a. zur Corona-Pandemie und sind mit den „Christen im Widerstand“ verbunden (mehr zu den „Christen im Widerstand“ hier).

Und natürlich darf auch eine Band aus der christlich-evangelikalen Lobpreisszene nicht fehlen. Denn der Lobpreisband-Szene kommt offensichtlich eine ganz besondere „Brückenbauer-Funktion“ hinein in die christlich-fundamentalistische Szene zu. Gerne gibt man sich harmlos, vielleicht ein wenig „speziell“. Bei genauerer Betrachtung ihres Umfelds erkennt man dann jedoch eine regelmäßig eindeutige Verortung, wie jüngst auch die Aktivitäten der Lobpreisband O’Bros und der Besuch einer ihrer Mitglieder bei der rechtslibertären Konferenz der „Alliance for responsible Citizenship“ (ARC) rund um Jordan B. Peterson zeigte. Bei „Mission Berlin“ tritt nun die erfolgreiche christliche Lobpreis-Band „Alive Worship“ aus der Karlsruher „Alive Church“ auf. Vergangenes Jahr hatte sie erst ihren Auftritt auf der umstrittenen UNUM24-Konferenz unter Teilnahme des Trump-Unterstützers und homofeindlichen Predigers Bill Johnson aus der Bethel Church. In ein paar Wochen tritt „Alive Worship“ dann beim vermeintlich liberaleren „Spirit Kongress“ auf – mit Theolog*innen wie der Präses der EKD-Synode Anna-Nicole Heinrich oder dem Worthaus-Theologen Thorsten Dietz. Die Abgrenzung zu christlich-fundamentalistischen Gruppen, sie existiert kaum…

Doch auch der Wirtschaft, in diesem Fall dem Estrel Congress Center Berlin (ECC) – dem größten und umsatzstärksten Hotel Deutschlands – scheint egal zu sein, mit wem sie zusammenarbeitet. So darf mit „Mission Berlin“ nun bereits zum zweiten Mal im ECC die „Pseudo-Wunder-Heilungs-Show“ christlicher Fundamentalist*innen stattfinden. Gerade erst berichteten wir, wie das deutsche Baugewerbe sich auf Kooperationen mit christlichen Fundamentalist*innen einlässt. Auch in der Wirtschaft scheint Rückgrat für ein Einstehen zu den Werten unserer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft kaum vorhanden – oder zumindest jegliche Bereitschaft, sich zu informieren, mit wem man zusammenarbeitet, bisher zu fehlen…

Wer wissentlich und willentlich mit christlichen Fundamentalist*innen zusammenarbeitet, macht sich zu deren Komplizen…

Sonja Angelika Strube hat in ihrem Buch „Rechte Versuchung – Bekenntnisfall für das Christentum“ viel bemerkenswert Gutes geschrieben. Ein Zitat – das ebenso für extreme Rechte wie für häufig diesen nahestehende christliche Fundamentalist*innen herangezogen werden kann – sei hier abschließend noch wiedergegeben (ebd., Seite 70):

Wer sich wissentlich und willentlich mit rechten falschen Freunden vernetzt und mit ihnen kooperiert, wer Medien der Extremen Rechten Interviews gibt, als Autor:in für sie schreibt, ihre Demonstrationen besucht oder mit ihnen Demonstrationen oder Kongresse organisiert, macht sich – egal, wie gläubig er ansonsten ist – zum politischen Komplizen und muss sich diese Tat von anderen auch zurechnen lassen. Er macht sich durch sein Tun letztlich selbst zu einem Werbeträger der Rechten und Brückenbauer zwischen politischer Rechter und christlichen Milieus.

Instagram
Fundiwatch at Bluesky
Bluesky
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner