Hasspredigt mit Ansage
(Quelle Titelbild: Instagram). In den letzten Tagen hat ein geplanter Auftritt des australischen, der MAGA-Bewegung nahestehenden, Predigerehepaars Martin und Millicent Sedra im Gospel Forum Stuttgart für einigen Wirbel gesorgt. Das umstrittene freikirchliche Gospel Forum – übrigens auch Mitglied im Netzwerk „Gemeinsam für Stuttgart“ – hatte die beiden für einen Auftritt auf der teils von mehreren tausend vorwiegend jungen Menschen besuchten Holy Spirit Night eingeladen.
Nachdem Amos Koch, nach eigenen Angaben „ex-evangelikal-

charismatisch“ und ehemaliger Jugendmissionsleiter, auf Instagram ein Reel mit Predigtausschnitten der Sedras hochgeladen hatte, entstand eine rege Debatte. In Videoausschnitten wird u.a. unter dem Titel „How God ‚celebrates‘ Pride“ gezeigt, wie eine Feuerwalze über Menschen herabfällt – untermalt mit klassischer Walzermusik.
Koch benannte die Äußerungen der Sedras als menschenfeindlich und kritisierte den geplanten Auftritt deutlich.
Die Sedras wurden zunächst in Stuttgart wieder ausgeladen…
Schließlich lud das Gospel Forum die beiden wieder aus. Inhaltlich distanzierte es sich hingegen nicht. Gegenüber dem evangelikalen Magazin idea teilte Leiter Markus Wenz in einer Stellungnahme lediglich mit, „die Art„, wie die Sedras „über Homosexuelle, über Muslime, über Andersdenkende“ sprechen, passe nicht zu dem, wofür das Gospel Forum stehe. Theologisch stehe man sich in vielen Dingen hingegen sehr nahe.
Dass sich auch im Gospelforum bereits Prediger*innen wie ein Ben Fitzgerald (Awakening Church) wünschte, Deutsche sollten wieder stolz darauf sein, Deutsche zu sein („I want Deutsche to be proud of being Deutsche. Who cares about history?“), oder ein Johannes Hartl (Gebetshaus Augsburg, Deutschland betet gemeinsam u.a.) dort ein „christliches Europa“ beschwor und unter Jubel davor warnte, dass wir uns „den Islam ins Haus holen“ oder dass dort ein Henok Worku (Vive Church) von neuen Bücherverbrennungen (freilich mit Ausnahme der Bibel) träumte, bleibt unerwähnt. Und zeigt vielleicht, wie viel noch extremer die Sedras in ihren Predigten auftreten…
…und dann in München wieder eingeladen
Doch die Ausladung der Sedras traf auch auf viel Kritik. Und zwar nicht nur bei den Sedras, die als Ursache der Absage das Wirken dämonischer Mächte über Deutschland, u.a. in Form „des Islams“ und queerer Menschen ausmachten. Insbesondere auf Social Media wurde heftig debattiert und gestritten, u.a. dass das Gospel Forum vermeintlich „dem Zeitgeist“ nachgebe.

Und schließlich lud der mit der Missionsorganisation CfaN (Christus für alle Nationen) eng verbundene Prediger David Rotärmel (Leiter von Reviving the World und bundesweit u.a. mit seinen sogenannten „Nights of hope“ aktiv), die Sedras postwendend zu einer eigenen kostenlosen Veranstaltung am 12.10. nach München ein. Nicht ohne (mit „tagging“) unerwähnt zu lassen, wie sehr er das Leitereherpaar Wenz der Holy Spirit Night schätzt und wie nahe man sich steht.
Rotärmel warb schließlich intensiv gemeinsam mit den Sedras – auf seinen Social Media Kanälen für die Veranstaltung.
Private Eventlocation in München erteilt Absage – Stadt Garching sieht keine Handhabe
Bei einer zunächst versuchten Buchung einer Münchener Location am letzten Wochenende verschwieg Rotärmel den dort geplanten Auftritt der Sedras. Nach Hinweisen von FundiWatch an den Hallenbetreiber nahm dieser eine eigene Prüfung vor und lehnte die Buchung im Hinblick auf seine Werte ab.
Schließlich wurde am Sonntag von Rotärmel angekündigt, dass die Veranstaltung nun im Bürgerhaus der Stadt Garching bei München stattfinden soll. Auch dort hatte Rotärmel laut Mitteilung der Stadt den Auftritt der Sedras nicht erwähnt und lediglich eine christliche Veranstaltung mit viel Musik angekündigt. Vom Auftritt der Sedras erfuhr die Stadt nach eigenen Angaben erst nach den Hinweisen von FundiWatch am Montagmorgen.
Doch für eine Absage der Veranstaltung sah man auch nach weiteren Prüfungen keine Handhabe. Grundsätzlich bestehe für öffentliche Einrichtungen ein Kontrahierungszwang. Auf Nachfrage hätten die Sicherheitsbehörden mitgeteilt, dass gegen die Sedras nichts vorliege. Die Polizei wollte laut Mitteilung der Stadt nicht einmal eine Polizeistreife zur Veranstaltung vorbeischicken, um sicherzustellen, dass es dort zu keinen Rechtsverstößen kommt.
Einer der widerwärtigsten Auftritte, die wir bisher erlebt haben
Die Veranstaltung fand also gestern Abend im Bürgerhaus Garching statt. Rotärmel gelang es, binnen nur etwa vier Tagen, nach Einschätzung der Stadt Garching wohl immerhin rund 400 Personen – darunter viele junge Menschen und auch Familien mit Kindern – für die Teilnahme vor Ort zu mobilisieren. Gleichzeitig wurde die Veranstaltung im Livestream übertragen. Das Video dazu ist derzeit weiterhin online und erreichte in nicht einmal 24 Stunden bereits knapp 11.000 Aufrufe.
Über den Verlauf der Veranstaltung werden wir noch näher berichten. So viel bereits jetzt: Es war wohl bisher einer der widerwärtigsten Auftritte, die wir bisher beobachtet haben.
Queere Menschen, Muslim*innen, liberale Theolog*innen (wobei die Sedras hierbei eine sehr merkwürdige Beurteilung vorzunehmen scheinen) wurden verächtlich gemacht und beschimpft, es wurde geschrien und gebrüllt. Die „Pride-Bewegung“ wurde als „dämonisch“ bezeichnet, ebenso „der Islam“, den Sedra „hasse“. Beide würden versuchen, Deutschland „zu übernehmen“. Abtreibung wurde mit dem Holocaust verglichen. Und das sind nur einige wenige Beispiele aus mehr als einer Stunde Hasstiraden.
Rotärmel und das Publikum waren hingegen hellauf begeistert und feierten die „Predigt“ mit Standing Ovations und Jubel. Eine Teilnehmerin zeigte sich begeistert, dass „endlich mal so klar gesprochen“ wurde.
Was wir da erlebt haben, müssen wir tatsächlich erst mal sacken lassen…
FundiWatch schaltet schließlich selbst die Staatsanwaltschaft ein
FundiWatch hat mittlerweile die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und diese um Prüfung der getätigten Äußerungen auf mögliche Strafrechtsverstöße gebeten. Die Stadt Garching selbst lehnte dies nach der Veranstaltung ab.
Wir werden die weiteren Entwicklungen aufmerksam beobachten.
Aufruf zum Widerspruch!
Gleichzeitig rufen wir all diejenigen, die für eine pluralistische freiheitliche Gesellschaft stehen, auf, derartigen Hasstiraden laut und deutlich zu widersprechen.
Ganz unabhängig von ihrer Religion und Weltanschauung, sexuellen Orientierung oder Identität. Denn solche Hasstiraden betreffen das friedliche Miteinander in einer offenen und demokratischen Gesellschaft – und damit uns alle.
Solch ein Auftritt sollte sich nicht wiederholen dürfen.
