Beitrag der ZDF-Kindernachrichtensendung „logo“ gelöscht
Nach Kritik und Programmbeschwerden löschte das ZDF nun eine Passage aus einer Folge der Kindernachrichtensendung „logo“ nachträglich aus dem Archiv. An der bisherigen Stelle der Folge vom 19.03.2026 erfolgt nun ein entsprechender Hinweis. Dem Beitrag wurde vorgeworfen, dass dort das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan einseitig positiv dargestellt worden sei, während ein anschließender Beitrag zur Geschichte der Kirche sehr kritisch gewesen sei. Bemerkenswert ist, aus welcher Ecke die Kritik insbesondere stammte.
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Kritik vom christlichen Medienmagazin „pro“ und dem evangelikalen Wirtschaftslobbysisten Thorsten Alsleben
Dem Beitrag wurde vorgeworfen das Ende des Fastenmonats Ramadan einseitig positiv dargestellt zu haben, während demgegenüber der Beitrag zu christlichen Kirchen zu kritisch ausgefallen sei. In dem anderthalbminütigen Beitrag wurden u.a. mittelalterliche Ablassbriefe, Missbrauch und die Angst vor der Hölle thematisiert.
Besonders lautstark war die Kritik von Seiten der christlich-evangelikalen Medieninitiative „pro„, deren Geschäftsführer Christoph Irion eine förmliche Programmbeschwerde einreichte. Irion ist auch Mitglied im Konvent der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD).
Auch der frühere Redakteur des ZDF-Hauptstadtstudios Thorsten Alsleben legte eine Beschwerde ein und kritisierte die Sendung scharf. Auf X bezeichnete Alsleben die Sendung als „einseitigen Hetzbericht über die Geschichte der christlichen Kirchen“.
Alsleben ist mittlerweile Wirstchaftslobbyist und Geschäfstführer der Iniitiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), in der Kritiker*innen ein professionelles Kampagneninstrument der Arbeitgeberlobby sehen, das unter dem Label „Soziale Marktwirtschaft“ neoliberale Deregulierungs-, Privatisierungs- und Anti-Sozialstaats-Positionen popularisiert.
Außerdem ist Alsleben evangelikaler Christ und im Vorstand des Christburg Campus Berlin, einem Trägerverein mit gemeinnütziger GmbH, unter dessen Dach christliche Kitas und Schulen arbeiten. Der Christburg Campus ist Mitglied im Verband christlicher Bekenntnisschulen (VEBS), mit der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD) verbunden und weitgehend in evangelikale bis christlich-fundamentalistische Kreise vernetzt.
In Kritik geriet Alsleben – selbst innerhalb der CDU – unter anderem aufgrund öffentlich queerfeindlicher Äußerungen. 2024 postete er auf X:
„Vögelt mit wem Ihr wollt, wenn Ihr erwachsen seid, lasst Euch abschnippeln oder annähen, was ihr wollt“, aber „geht mir damit nicht auf die Nerven, lasst es Euch nicht von mir bezahlen und vor allem Finger weg von den Kindern.“
ZDF räumt „Fehler“ ein und löscht Beitrag
In einer Stellungnahme räumt das ZDF bei dem Beitrag nun Fehler ein:
„Tatsächlich war die Kombination beider Inhalte innerhalb einer einzigen „logo!“- Sendung ein Fehler, da dadurch der Eindruck einer beabsichtigten Gegenüberstellung entstehen konnte. Dies war seitens der Redaktion jedoch keinesfalls intendiert. Vielmehr wurden ursprünglich beide Beiträge unabhängig voneinander geplant und behandelten unterschiedliche aktuelle Anlässe: Anlass für das Erklärvideo zu den christlichen Kirchen waren neu veröffentlichte Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen in Deutschland, während der Beitrag zum Ramadan-Ende angekündigt wurde, da dessen Feier an jenem Tag begann.“
„pro“-Geschäftsführer Irion reicht Löschung nicht
Der Beitrag wurde nun gelöscht. Ausdrücklich begrüßt wurde dies bereits von pro-Geschäftsführer Irion. Allerdings reicht ihm dies nicht aus. Der Spiegel berichtet, Irion fordere eine Behandlung im ZDF-Fernsehrat:
„Es geht aus unserer Sicht nicht allein um einen einzelnen misslungenen Beitrag, sondern um grundsätzliche Fragen journalistischer Sorgfalt bei religiösen Themen – zumal in einem Nachrichtenangebot für Kinder“
Was von dieser Seite mit „Sorgfalt“ gemeint sein dürfte?
Und jetzt?
Wer den ursprünglichen logo-Beitrag gesehen hat, mag nicht ganz abstreiten können, dass die Darstellungen sehr verkürzt erscheinen mögen und in ihrer Gegenüberstellung zusätzlich ein – auch für eine Kindersendung – unterkomplexes Bild gezeichnet hatten.
Aber ist eine bloße Löschung nun wirklich die Lösung?
Es scheint zuzunehmen, dass Medien auf Druck von Gruppen aus dem christlich-fundamentalistischer Spektrum durchaus vorschnell einknicken. Eine echte Fehlerkorrektur heißt jedoch nicht, es sich einfach zu machen und nachzugeben. Stattdessen könnte Kritik auch mit einer Schärfung, Konkretisierung und ggf. Ergänzung Rechnung getragen werden.
Ein Ansatz wäre zum Beispiel, sich auch in einer Kindersendung einmal ausführlicher mit den Gefahren christlich-fundamentalistischer Angebote im Kinder- und Jugendbereich zu befassen und über diese aufzukären.
Die Netzwerke von Thorsten Alsleben zum Beispiel dürften dafür genug Material bieten. Und selbstverständlich könnten dabei auch Beispiele gezeigt werden, wie Christ*innen ihren Glauben nicht an fundamentalistischen Ideologien sondern einem offenen und von echter Nächstenliebe geprägten Menschenbild ausrichten. Und die als Christ*innen queerfeindlichen Beschimpfungen wie denen von Alsleben deutlich widersprechen.
Edit (17.05.2026): Kurz nach Veröffentlichung dieses Beitrags haben wir noch klargestellt, dass aus der Sendung lediglich der kritisierte Beitrag – und nicht die gesamte Sendung – entfernt wurde.

