„SeeNest“ der Himmelsstürmer Deutschland von Mission Freedom stand bereits in Kritik
Mehrere Medien berichten über Inobhutnahmen von sechs Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren aus einem Heim in Immenstadt (Allgäu) – vgl. hier, hier und hier.
Bisher nicht genannt wird der Name der Einrichtung. Es handelt sich jedoch offensichtlich um das erst 2023 eröffnete „Haus SeeNest“ der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH – einer 100%-Tochtergesellschaft des bereits lange in Kritik stehenden christlich-fundamentalistischen Vereins Mission Freedom.
So tragisch der Vorgang ist: Überrascht sind wir nicht. Wir hatten bereits kritisch über die Erteilung der Betriebserlaubnis und Zweifeln an einer dortigen Gewährleistung des Kindeswohls berichtet.
Ihr wollt die Arbeit von FundiWatch unterstützen? Jeder Beitrag zählt!
Weiterlesen
„Kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden“
Grund für die Inobhutnahme seien laut Regierung von Schwaben „kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden“ gewesen. Die gute Nachricht: Stand jetzt befinden sich keine Kinder mehr in der Einrichtung. Für uns ist klar: Der gesamte Fall muss umfassend und insoweit mit den Persönlichkeitsrechten der betroffenen Minderjährigen vereinbar transparent aufgeklärt werden.
Die Regierung von Schwaben teilt laut Berichterstattung mit: „Die weltanschauliche Ausrichtung des Trägers hatte keinen Bezug zu den Inobhutnahmen“. Das ist schwer vorstellbar und sehr viel spricht dafür, dass das nicht zutrifft.
Die Einrichtung und ihre Träger stehen schon lange in Kritik
Auch wenn der Name der Einrichtung bisher nicht genannt wird: Der Vorgang lässt sich klar zuordnen.
So wird in den Berichten u.a. erwähnt, dass es sich um die Einrichtung eines „religiös ausgerichteten“ Betreibers aus Hamburg handelt. Mission Freedom und – an gleicher Adresse – die Himmelsstürmer Deutschland haben dort ihren Sitz: In der Freien Gemeinde Neugraben in Hamburg, zu der auch Gaby Wentland gehört. Wentland ist Gründerin und Vorsitzende von Mission Freedom e.V. und teilte bereits Anfang 2023 auf Facebook mit: „Im Allgäu hat Gott große Pläne vor 23!“

Hamburger Behörden und Opferschutzverbände distanzierten sich übrigens bereits vor Jahren von Mission Freedom. Das Hamburger Landeskriminalamt teilte mit, es halte den Verein für „nicht seriös„.
Bereits Erteilung der Betriebserlaubnis sorgte für Kritik
Zudem wird in den Berichten auf bereits öffentliche Kritik an der Einrichtung und eine Anfrage der Abgeordneten Gabriele Triebel im Bayerischen Landtag aus dem Jahr 2024 hingewiesen.
Schon zu diesem Zeitpunkt berichteten damals bereits unter anderem die Süddeutsche Zeitung (Paywall) und Panorama über das „SeeNest“:
Eine ausführliche Recherche – die bereits vor Erteilung der Betriebserlaubnis erstellt wurde und auch der Genehmigungsbehörde vorlag – haben wir letztes Jahr hier veröffentlicht.

Auch in der 2025 mit Förderung der Freien und Hansestadt Hamburg veröffentlichen Handreichung zu Christlichem Fundamentalismus & Sozialer Arbeit gingen wir auf Mission Freedom und das SeeNest ein. Die Handreichung thematisiert Vorgehensweisen, Strategien und Netzwerke christlich-fundamentalistischer Akteurskonstellationen in der Sozialen Arbeit und ist hier frei abrufbar.
Die Verantwortlichen schweigen zum Vorgang – und tagen ab Sonntag auf dem „Freiheit-Kongress“ in Schwäbisch-Gmünd
Die Verantwortlichen der Einrichtung haben sich bisher öffentlich nicht geäußert.
Stattdessen tagen sie – darunter auch die Vereinsvoritzende von Mission Freedom, Gaby Wentland, sowie die Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland, Inga Gerckens – ab Sonntag gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen auf dem „Freiheit-Kongress“ im evangelikal ausgerichteten Kongresszentrum „Schönblick“ in Schwäbisch-Gmünd:


Mission Freedom ist u.a. neben der Evangelischen Allianz Deutschland und dem Netzwerkverein „Gemeinsam gegen Menachenhandel“ sogar Mitveranstalter dieses Events.
Bereits Programm und Mitwirkende des Kongresses mit einem besonderen Schwerpunkt zum Thema „Rituelle Gewalt“ – darunter auch die Regisseurin Liz Wieskerstrauch mit ihrem Film „Blinder Fleck“ – lassen aufhorchen. Auch be idiesem Thema stand Mission Freedom bereits mehrfach in der Kritik, Verschwörungsideologien zu verbreiten.
Auch die Zeit berichtete kritisch über den Film „Blinder Fleck“ und einem darin vermeintlich falsch dargestellten Fall angeblich „ritueller Gewalt“ an einer Minderjährigen. Aktuell befindet sich unter der Überschrift des Artikels allerdings lediglich ein Hinweis, der Beitrag sei „aus rechtlichen Gründen depubliziert“. Wir haben bereits nachgefragt, was es damit auf sich hat.
Unser Kollektivmitglied Matthias hat für den Kongress übrigens ein Hausverbot erteilt bekommen, Zoé und Ruby haben von vorneherein eine Beobachtung der Veranstaltung aus Sicherheitsgründen für sich ausgeschlossen.
Selbstverständlich bleiben wir dran, an Mission Freedom und an vergleichbaren Organisationen. Mehr dazu bald!



