CSD München trifft auf christlich-fundamentalistische Veranstaltung von “Miteinander für Europa”

“Suchet der Stadt Bestes” mit Unterstützern der UNUM24?! – Gegenkundgebung am 27.06.2025!

Genau ein Jahr nach der christlich-fundamentalistischen Glaubenskonferenz „UNUM24 – Eins Sein“ in der Münchener Olympiahalle, treffen sich erneut – wieder parallel zum CSD – christliche Fundamentalist*innen, die im Sinne einer „Kingdom-minded Network Christianity“ (kurz: KiNC) eine christliche Vorherrschaft anstreben:

Vom 27. bis 29.06.2025 trifft sich das Netzwerk „Miteinander für Europa“ (MfE) unter dem Titel „Suchet der Stadt Bestes“ in der St. Matthäus Kirche am Sendlinger Tor in München. Am Samstag wird die Route des CSD direkt an der Veranstaltung vorbeiführen.

Und wieder wird eine solche Veranstaltung von Vertretern der Amtskirchen unterstützt. Dieses Mal von Reginalbischof Thomas Prieto Peral und von Kardinal Reinhard Marx, der sich von seinem Generalvikar Christoph Klingan vertreten lässt.

An dieser Stelle veröffentlichen wir unseren Offenen Brief an Bischof Peral und Kardinal Marx, den wir am 27.6.2025 bei einer Kundgebung am Sendlinger Tor verlesen werden.

Start ab 21 Uhr direkt nach dem TINQ*march:
Papa-Schmid-Straße (zwischen Müllerstraße / Blumenstraße.

Kundegebung ab ca. 21:15 Uhr:
Sendlinger Tor, Lindwurmstraße bei der St. Matthäus Kirche

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Offener Brief an
Kardinal Reinhard Marx und
Landesbischof Thomas Prieto Peral

Ihre Teilnahme an der Veranstaltung von „Miteinander für Europa“ – „Suchet der Stadt Bestes“
vom 27. bis 29.06.2025 in der St. Matthäus Kirche München

Kein „Miteinander“ um jeden Preis!

25.06.2025

Sehr geehrter Herr Kardinal Marx,
sehr geehrter Herr Bischof Peral,

vor genau einem Jahr sorgte die parallel zum Christopher Street Day veranstaltete christlich-fundamentalistische Glaubenskonferenz „UNUM24 – EINS SEIN“ in der Olympiahalle München für erhebliche Kritik. Dem vorausgegangen waren weiterhin öffentliche Recherchen des vom Unterzeichner mit initiierten Protestbündnisses #NoUNUM24 zur problematischen Ausrichtung der Veranstaltung und weiter Teile ihrer Unterstützer*innen.

Neben weiteren Aspekten stand insbesondere die Teilnahme des queerfeindlichen Trump-Unterstützers Bill Johnson aus der kalifornischen Bethel Church im Fokus der Kritik. Der öffentlichen Kritik schlossen sich auch zahlreiche christliche Gruppen, wie beispielsweise die Evangelische Jugend München und #OutInChurch an.

Wir haben damals positiv wahrgenommen, dass Sie, sehr geehrter Bischof Peral, sich unter anderem in einem Interview mit den Worten „Bill Johnson ist ein Spalter“ deutlich von der UNUM24 distanziert haben. Trotz des ökumenischen Einheits-Gedankens stellten Sie klar, dass ein solches Miteinander bzw. eine solche Einheit „nicht um jeden Preis“ anzustreben sei. Soweit uns bekannt, hatten Sie, sehr geehrter Herr Kardinal Marx, eine Teilnahme an der UNUM24 ebenfalls abgelehnt.

Umso irritierter sind wir nun, dass Sie – bzw. Kardinal Marx nunmehr in Vertretung seines Generalvikars – genau ein Jahr nach der UNUM24, und erneut parallel zum an der St. Matthäus-Kirche vorbeiführenden Christopher Street Day, die dort vom 27. bis 29.06.2025 organisierte Veranstaltung des Netzwerkverbands „Miteinander für Europa“ unter dem Titel „Suchet der Stadt Bestes“ unterstützen. „Miteinander für Europa“ war mit seinem Leiter Gerhard Proß ebenfalls im Trägerkreis und Netzwerk der UNUM24 vertreten. Ein Blick in die Liste der Angehörigen des Netzwerks von „Miteinander für Europa“ (erwähnt sei an dieser Stelle lediglich die lang fortzusetzende Liste von Kritik am Gospel Forum, der FCJG Lüdenscheid oder den Christen an der Seite Israels) wirft nun für uns die Frage auf, wie hoch „der Preis“ der Einheit oder eines Miteinanders Ihres Erachtens tatsächlich sein darf?

So sind bei der Veranstaltung dieses Wochenende auch zahlreiche weitere Personen und Organisationen involviert, die vergangenes Jahr die UNUM24 unterstützt haben. Besonders hervorzuheben ist insoweit (wie schon in den vergangenen Jahren) die Teilnahme von Gerhard Kehl aus der AlpenChurch in Kempten. Kehl war mit seiner Jordan Stiftung neben Fadi Krikor vom „Father‘s House for all Nations“ einer der beiden Initiatoren der UNUM24 und gehört mit der Stiftung ebenfalls dem Netzwerk „Miteinander für Europa“ an. Bei der Jordan-Stiftung wird auch das gefährlicheBethel SOZO-Befreiungsgebet“ angeboten, dass nach seinen „Entwicklern“ u.a. zur „Heilung von Homosexualität“ Anwendung finden soll. Zudem ist Kehl als Mitglied im Trägerkreis des Christlichen Convent Deutschland (CCD) bundesweit mit zahlreichen Organisationen verbunden.

Zudem ist Kehls AlpenChurch Teil des internationalen Bethel-Leaders-Network und steht mit der Bethel Church bzw. deren Netzwerken u.a. auch als „geistlicher Leiter“ der Schule der Erweckung in Füssen in enger Verbindung, wie hier vor Kurzem in der Bethel Church in Redding.

Schließlich findet sich die Anschrift des von Ben Fitzgerald geleiteten „Europa-Ablegers“ der Bethel Church, dem Verein „Awakening Europe“, ebenfalls an der Adresse der AlpenChurch. Innerhalb von nur zwei Jahren übernahm bzw. gründete Awakening Europe mit der Awakening Church drei Standorte in Deutschland, vor Kurzem in Berlin. Erst diese Woche berichtete Frontal, wie eine Undercover-Reporterin in der Awakening Church von Fitzgerald mit Konversionsbehandlungen konfrontiert wurde (gleiches wurde erst neulich in der ICF München aufgedeckt).

Wo bleibt ein hörbarer Aufschrei und deutlicher Widerspruch aus der christlichen Gemeinschaft, die sich immer wieder dagegen wehrt, mit Fundamentalist*innen in einen Topf geworfen zu werden?

Ben Fitzgerald wurde vom Spiegel zu einem Auftritt auf einer Holy Spirit Night des Gospel Forums (übrigens ebenfalls Mitglied bei „Miteinander für Europa“) 2017 mit dem Ausruf zitiert: „I want Deutsche to be proud of being Deutsche. Who cares about history?“. Auf einer weiteren Holy Spirit Night Ende 2023 träumte der Prediger Henok Worku (der ebenfalls auf der UNUM24 und beim Anfang diesen Jahres veranstalteten ZimZum-Festival des Gebetshaus Augsburg um Johannes Hartl auftrat) unter dem Jubel tausender Jugendlicher von einer „neuen Bücherverbrennung“, bei der alle Bücher – mit Ausnahme der Bibel – verbrannt werden.

Sehr geehrter Herr Bischof Peral, Sie benennen Bill Johnson und seine Bethel-Ideologie klar als „Spalter“, unterstützen mit Ihrem Auftritt aber Netzwerke, über die diese „Spalter“ weiter an Einfluss gewinnen? Wie passt das zusammen?

Leider blieb eine nachhaltige Debatte über die problematischen inhaltlichen Ausrichtungen der Unterstützer*innen der UNUM24 und ihrer Netzwerke bis heute aus. Wie dringend eine solche wäre, zeigt u.a. eine seit Ende letzten Jahres frei abrufbare Dissertation der Vikarin Dr. Maria Hinsenkamp unter dem Titel „Visionen eines neuen Christentums“. Hinsenkamp beschreibt dort eine zunehmend sich auch in Deutschland und Europa ausbreitende Glaubensausrichtung, die herrschaftstheologisch bzw. dominionistisch darauf ausgerichtet ist, Gesellschaften nach den eigenen biblizistischen Glaubensvorstellungen zu transformieren. Hinsenkamp etablierte für diese Bewegung den mittlerweile auch in verschiedenen Medien rezipierten Begriff einer „Kingdom-minded Network Christianity“ (kurz: KiNC) und sieht zugehörig zu dieser auch zahlreiche Unterstützer*innen sowohl der UNUM24 als auch das Netzwerk „Miteinander für Europa“. In ihrer Arbeit zeigt Hinsenkamp die weitreichenden Vernetzungen der KiNC in Deutschland und international bis in Kreise der US-Evangelikalen Rechten auf (vgl. zur KiNC in Deutschland z.B. das Schaubild: Hinsenkamp, S. 283). Bisher ist leider nicht wahrnehmbar, dass sich die Amtskirchen mit diesen besorgniserregenden Entwicklungen nachhaltig befassen bzw. sich vor allem dazu deutlich und abgrenzend positionieren.

Besondere Relevanz wird von der KiNC dem u.a. auch von Bill Johnson propagierten sog. „Seven Mountain Mandate“ beigemessen. Nach dessen Inhalt sollen Christ*innen berufen sein, die verschiedenen Gesellschaftsbereiche unter den „Machtbereich Gottes“ (freilich im Sinne eines biblizistischen, christlich-fundamentalistischen Weltbilds) zu bringen und mit entsprechenden Wertvorstellungen zu dominieren. Leider müssen wir aktuell wieder besonders deutlich sehen, wie entsprechende Bestrebungen in den USA bereits Realität werden. Dort wurde die Gefahr dieser Glaubensausrichtung für die Demokratie lange Zeit unterschätzt.

Hinsenkamp zeigt in ihrer Dissertation auch die zentrale Rolle des Netzwerks von „Miteinander für Europa“ bei der Bildung und weiteren Ausbreitung einer ökumenischen KiNC in Deutschland und Europa auf. Zudem weist sie unter Bezugnahme auf Gerhard Proß – dem Hinsenkamp insoweit ebenfalls eine zentrale Rolle zuschreibt – darauf hin, dass „Miteinander für Europa“ sich selbst „als prophetisches Zeichen, als Netzwerk, von Gott selbst berufen und gesammelt, und damit als Zeuge einer besonderen »Gnadenzeit für die Ökumene der Herzen«“ versteht (vgl. Hinsenkamp, S. 384). Auf seiner Homepage beschreibt „Miteinander für Europa“ sein Ziel, „christliche Werte in konkrete Antworten auf aktuelle Herausforderungen um[zu]setzen(Hervorhebung d.d. Verf.). Das zeigt sich unter anderem in der schrittweisen Ausweitung vom „Treffen von Verantwortlichen“ (TvV) über den Christlichen Convent Deutschland (CCD) bis zum Netzwerk „Miteinander für Europa“.

Doch welche „christlichen Werte“ sind bei „Miteinander für Europa“ gemeint? Wie verhalten sich die dort vertretenen Werte beispielsweise zu den Rechten queerer Menschen, die diese Wochen in einer zunehmenden (rechten) Bedrohungslage für ihre Rechte auf die Straße gehen? Warum bleibt, trotz der aktuellen Entwicklungen, die auch bereits von den Medien aufgegriffen wurden, eine deutliche Absage und Distanzierung zum zunehmenden Einfluss herrschaftstheologischen Ambitionen bisher weitgehend aus?

Können Sie nach den aufgezeigten Verbindungen von „Miteinander für Europa“ wirklich noch davon ausgehen, dass dort „der Stadt Bestes“ gesucht wird, obgleich dort (wie in zahlreichen weiteren „christlichen“ Netzwerken „Miteinander für…“) vor allem KiNC-nahe bzw. fundamentalistische evangelikale Akteure beworben werden?

Sie, sehr geehrter Herr Bischof Peral, unterstrichen im bereits erwähnten Interview im Jahr 2024 noch deutlich: „Menschen sind in unserer Kirche willkommen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Orientierung“. Auch Sie, sehr geehrter Herr Kardinal Marx haben sich immer wieder für die Rechte queerer Menschen in der Kirche (u.a. über die Queer-Pastoral) eingesetzt und für die vielen Verletzungen seitens der Kirche um Entschuldigung gebeten. Solche deutlichen Positionierungen, gerade auch von kirchlichen Leitungspersonen wie Ihnen, sind – insbesondere auch wieder in heutigen Zeiten – wichtig. Jedoch: Ein „Miteinander“ mit denjenigen, die sich gegen das Erreichte stellen und die Uhren wieder zurückdrehen wollen, steht dem diametral entgegen!

Die problematischen ideologischen Hintergründe und Ziele bei „Miteinander für Europa“ mögen nicht auf den ersten Blick erkennbar sein. Auch behaupten wir nicht, dass diese von allen dort verbundenen Organisationen in gleicher Weise geteilt werden. Doch auch hier sollte gelten: Kein Miteinander um jeden Preis! Christlicher Fundamentalismus und herrschaftstheologische Ideologien sind global und offenbar auch in Deutschland bzw. im deutschsprachigem Raum (vgl. auch die Diskussionen um das Stift Heiligenkreuz und die Loretto-Bewegung, die sich gerade erst u.a. in der Jugendkirche München trag) wieder auf dem Vormarsch. Die fehlende klare Abgrenzung weiter Teile der Christenheit und auch innerhalb der ökumenischen Bewegung hat diesen Entwicklungen bisher leider immer weiter Raum geschaffen.

Umso wichtiger erscheint es, dass Sie in Ihrer Rolle als christliche Leitungspersonen Ihrer Verantwortung gerecht werden. Denn auch für die Kirche sollte gelten: Keine Toleranz für Intoleranz!

Wir hoffen, dass dieser Brief Sie dazu bewegt, Ihre Positionierung zu den geschilderten Entwicklungen und konkret auch zum Netzwerk von „Miteinander für Europa“ noch einmal zu reflektieren und sich dazu deutlich und öffentlich zu positionieren.

Für Rückfragen oder einen gemeinsamen Austausch stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Pöhl für FundiWatch

„Blinder Fleck” – Ritualmordlegende im Kino

Filmplakat (Barnsteiner Film; Blinder Fleck)

In einer am 24.04.2025 im Kino angelaufenen Doku von Liz Wieskerstrauch wird die Satanic Panic wiederbelebt. Antisemitismus und Verschwörungserzählungen spielen dabei Hauptrollen.

Mitgliedsorganisationen aus dem christlich-evangelikalen Netzwerkverein „Gemeinsam gegen Menschenhandel e.V.“ (GGMH) und aus dessem Umfeld haben die offenbar ausschließlich durch Fundraising finanzierte Doku laut Homepage von Liz Wieskerstrauch finanziell unterstützt (mehr zu GGMH bzw. insbesondere dessen Mitgliedsorganisation „Mission Freedom e.V.“ in unserem Beitrag hier).

Nephthys Morgenstern von FundiWatch hat zu der Doku „Blinder Fleck“ einen Gastbeitrag bei belltower.news veröffentlicht.

(Content Note: Rituelle Gewalt, sexueller Missbrauch)


München wehrt sich gegen Jordan Peterson: Vielfalt und Demokratie verteidigen

Rechter queerfeindlicher Antifeminismus in der Olympiahalle? NICHT MIT UNS!

Zum Auftritt von Jordan B. Peterson im Rahmen seiner Tour „An evening to transform your life“ in der Olympihalle München (weitere Auftritte in Berlin und Frankfurt).

Mehr Infos

Unter dem Motto „An evening to transform your life“ tritt der Kanadier Jordan B. Peterson am 20. Mai in der Olympiahalle München auf. Was im ersten Moment harmlos daherkommt, ist in Wahrheit Nährboden für rassistische, antifeministische und autoritäre Weltbilder.

Am gleichen Ort fand letzten Sommer erst die christlich-fundamentalistische Glaubenskonferenz „UNUM24“ statt, gegen die sich schließlich das Protestbündnis #NoUNUM24 formierte. Bei der UNUM24 wirkte auch der katholische Theologe Johannes Hartl mit. Hartl trat gerade erst auf einer großen Konferenz von Jordan B. Petersons rechtslibertärer „Alliance for Responsible Citizenship“ (ARC) auf – gemeinsam mit zahlreichen christlichen Influencer*innen… Die ARC kann man durchaus als „Sammelbecken für die internationale politische und religiöse Rechte“ ansehen. Mehr dazu auch in diesem Artikel von correctiv.

Gemeinsam mit Bündnis Femizide Stoppen München, Gemeinsam gegen Rechts, Gruppe F, linksjugend [’solid], Extinction Rebellion München, FundiWatch und weiteren Privatpersonen und Initiativen planen wir einen Protest, dem sich hoffentlich Viele (übrigens hoffentlich auch bei den weiteren Auftritten von Peterson in Berlin und Frankfurt) anschließen!


Unsere Pressemitteilung zur geplanten Gegenveranstaltung findet ihr hier:

Also: Kommt am 20. Mai um 18:00 Uhr vor die Olympiahalle und lasst uns gemeinsam gegen diese Veranstaltung protestieren!


Workshop „Nächstenliebe & Lebenshilfe oder moralpolitische Beeinflussung?“

Wie religiös-fundamentalistische Bewegungen vorgehen

Am 28. und 29.10.2024 hat FundiWatch an der Netzwerktagung „Antifeminismus begegnen – Demokoratie stärken. Sichtbar und aktiv in Kommunen, Organisationen und Sozialer Arbeit“ in Dresden teilgenommen. Der vollständige Tagungsbericht kann hier aufgerufen werden.

Neben der Vorstellung unseres Projekts auf dem angebotenen „Marktplatz“ haben wir auch einen Workshop halten dürfen, in dem wir die Vorgehensweise religiös-fundamentalistischer Bewegungen beschreiben und Tipps zur Recherche über betreffende Organisationen geben konnten.

Hier veröffentlichen wir nun den Workshop-Bericht. Bei Interesse an einem Workshop- oder Seminar-Angebot von FundiWatch stehen wir für individuelle Anfragen über das Kontaktformular oder per Mail gerne zur Verfügung.

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Das Recherche- und Aufklärungsprojekt FundiWatch dokumentiert christlich-fundamentalistische Aktivitäten in gesellschaftspolitischen Bereichen wie Sozialer Arbeit.

FundiWatch sammelt dazu Hinweise auf christlich-fundamentalistische Weltbilder und beobachtet Netzwerkaktivitäten und politische Praxen der Akteure. Ziel der Arbeit ist Aufklärung und Sensibilisierung über antidemokratische und extremistische Potenziale des christlichen Fundamentalismus.

Christlich-fundamentalistische Einstellungen haben sowohl Auswirkungen auf das Verständnis von „Nächstenliebe“ und „Lebenshilfe“ als auch auf etwaige Ziele einer „(moral-)politischen Einflussnahme“.

Grund hierfür ist das diesen Einstellungen zu Grunde liegende Bibelverständnis: Die Bibel wird wörtlich als unmittelbares Wort Gottes und absolute Wahrheit verstanden. Eine historisch-kritische Einordnung wird abgelehnt. Dementsprechend herrschen beispielsweise eine äußerst konservative Sexualmoral (Sex nur in der Ehe, Homosexualität und Masturbation als Sünde etc.) und ein dualistisches Weltbild im Sinne einer klaren Einteilung der Welt in „gut“ und „böse“ vor.

Einige christlich-fundamentalistische Einstellungen sehen die Erlösung vom Leid in der Welt erst im Jenseits, auf Nicht- bzw. Andersgläubige würden hingegen ewige Qualen in der Hölle warten. Zunehmend vertreten christliche Fundamentalisten aber auch wieder ein Verständnis, nachdem sie dazu berufen seien, Gesellschaften – auch durch politische Einflussnahme – wieder unter christliche Vorherrschaft zu bringen und biblische Werte auf Erden durchzusetzen (sog. christlicher Dominionismus).

Tabellarische Darstellung der verschiedenen Menschenbilder (humanistisches menschenbild, christlich-humanistisches Menschenbild und christlich-fundamentalistisches Menschenbild) im Verhältnis zu verschiedenen Aspekten (Menschenwürde, Sicht auf den Menschen, Sinn des Lebens, Freiheit und Verantwortung, Motivation für Nächstenliebe).

Christlich-fundamentalistische Einstellungen führen aufgrund des Verständnisses, im Besitz der „absoluten Wahrheit“ zu sein und andere „retten“ zu wollen, nicht selten zu „emotionalen Machtmissbrauch“, der in letzter Zeit zunehmend auch in christlichen Kreisen unter dem Stichwort „geistlicher Missbrauch“ diskutiert wird.

Stephanie Butenkemper beschreibt dies wie folgt:

„Geistlicher Missbrauch geschieht dann, wenn innerhalb asymmetrischer Beziehungen der Glaube, christliche Lehren und Werte benutzt werden, um die sich anvertrauende oder abhängige Person nach den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu manipulieren, auszunutzen oder zu unterdrücken.

Dieser Prozess geschieht häufig sehr subtil, schleichend und meist ohne vorsätzlich böse Absicht, da die geistliche Autorität des Täters oder der Täterin mit der ‚Stimme Gottes‘ gleichgesetzt oder als solche legitimiert wird. Auf diese Weise stülpt der Täter der betroffenen Person sein eigenes Gottesverständnis oder das einer Gruppierung über, kontrolliert sie und nimmt Einfluss auf wichtige Lebensentscheidungen sowie ihr Denken, Fühlen und Handeln.

Die Folgen können derart dramatisch sein, dass viele Betroffene sich auf lange Zeit und in allen Bereichen ihres Lebens beeinträchtigt, blockiert und beschädigt fühlen […]“[1]

Das Handlungsfeld „Rotlichtarbeit“ oder „Rettung aus der Prostitution“ bietet – nicht zuletzt aufgrund vorgenannter sexueller Moralvorstellungen – Raum für Aktivitäten christlich-fundamentalistischer Akteurskonstellationen.

Darstellung der verschiedenen Charakteristika von Moralpolitik (Nebensache Implementierung, Laienpolitik, Maythen und Vorurteile, Richtungswechsel, emotionale Aufladung, Fantasie Regulierbarkeit, Ideologiedominanz)

Die sexarbeitsfeindliche Bewegung in Deutschland besteht aus mehreren Lagern:

1. Weißer Feminismus
2. (Ultra)- Konservative Sexarbeitsfeindlichkeit
3. „gender- und prostitutionskritische“ Sexarbeitsfeindlichkeit
4. Bauchlinke Sexarbeitsfeindlichkeit
5. Conspirituality
6. Extreme Rechte
sowie der Bereich der 7. religiös-fundamentalistischen Sexarbeitsfeindlichkeit.

1. und 7. bilden die größten Anteile bei sexarbeitsfeindlichen Mobilisierungen in Deutschland.

Schaubild zum "Lagerfeuer der Anständigen": Weisser Feminismus, Extreme Rechte, (Ultra)Konservativ, "Gender und Prostitutionskritisch", "Bauchlinke", Conspirituality, Fundamentalismus.

Die typische Vorgehensweise besteht im Stillen Ankommen in Form ehrenamtlicher, meist aufsuchende Sozialarbeit imitierender Praxen mit dem Ziel der Aufnahme ins lokale Hilfenetzwerk oder Wohlfahrtsverbände.

In mehreren Wohlfahrtsverbänden ist das bereits geglückt. Einmal aufgenommen beginnt das Agendasetting indem auf Positionierung zur Prostitution gedrungen wird. Parallel dazu wird mittels Kampagnen Druck auf deutsche und europäische Politik ausgeübt um eine Verschärfung der Prostitutionspolitik zu erreichen.

Oft spielt die christlich-fundamentalistische Ideologie keine prominente Rolle, wird sogar durch Begriffe wie Empowerment oder Achtsamkeit kaschiert. Recherchen zeigen allerdings ihre radikale Ideologie sowie enge Verflechtungen mit ultrakonservativen Glaubensgemeinschaften antifeministischer Ausrichtung.

Netzwerkschaubuld zu Anti-Sexarbeitsallianzen in Deutschland: "Gender- und Protitutionskritische Akteure"

Die Themen Sexarbeit und Menschenhandel bieten sich für christlich-fundamentalistische Akteure an. Sexuelle Selbstbestimmung, reproduktive Rechte oder Sexualität werden oft nach Prinzipien der Moralpolitik (Amesberger) verhandelt und sind daher geeignet für antifeministische Mobilisierungen.

Das konkrete Beispiel Mission Freedom e.V. / Himmelsstürmer Deutschland gGmbH (Haus SeeNest) veranschaulicht sowohl Vorgehensweise als auch Ideologien christlich-fundamentalistischer Akteure[2].

Zur Recherche christlich-fundamentalistischer Akteur*innen lohnt es sich zunächst, ausgehend von der Selbstdarstellung bspw. auf Homepages, Satzungen etc. etwaige Hinweise auf eine christlich-religiöse Ausrichtung zu hinterfragen (z.B.: Was wird unter einem ‚christlichen Menschenbild‘ konkret verstanden? Warum und wie will eine sozialarbeitende Organisation ‚christliche Werte vermitteln‘? Was ist mit ‚Innerer Freiheit‘ gemeint? etc.).

Schließlich können über das Internet weitere Informationen zusammengetragen werden (z.B. über Impressum und das frei abrufbare Handelsregister zur Organisationsleitung, Trägerorganisationen etc., Verbindungen zu anderen christlich-fundamentalistischen Gruppen/Netzwerken, Äußerungen in Social Media, YouTube etc.). Nicht selten zeigen sich hier überraschend offen geäußerte radikale christlich-fundamentalistische Einstellungen, Verbindungen zu US-amerikanischen evangelikalen Organisationen und zum Teil auch ins rechtsextreme Milieu.

Christlicher Fundamentalismus wird in Deutschland bisher kaum als ernstzunehmendes Problem wahrgenommen.

Infolgedessen werden Bezüge zu einer christlichen Grundausrichtung so gut wie nie kritisch hinterfragt und problematische fundamentalistische Ausrichtungen und Ziele nicht erkannt. Bisher sind nur vereinzelt Stimmen zu hören, die auch auf das extremistische Potential christlich-fundamentalistischer Ideologien hinweisen und eingehendere Untersuchungen und Forschung fordern[3].

Die Entwicklungen nicht zuletzt in den USA, wo christliche Fundamentalist*innen bereits ganz erheblichen Einfluss auf Politik und Gesellschaft nehmen, sollten uns vor Augen führen, wie gefährlich dies ist.


[1] Butenkemper, Stephanie, Toxische Gemeinschaften: Geistlichen und emotionalen Missbrauch erkennen, verhindern und heilen, Herder, Freiburg i. Br., (zitiert nach E-Book), S. 21.

[2] Vgl. hierzu m.w.N. auch Pöhl, Die großen Pläne ‚Gottes‘… sind undurchschaubar, in: MIZ 02/2024, abrufbar unter: https://wonderl.ink/@nounum24 sowie unter https://miz-online.de/die-grossen-plaene-gottes-sind-undurchschaubar/

[3] Vgl. auch den Bericht zur CoRE-NRW Werkstatt v. 27.06.2024 „Das extremistische Potenzial des christlichen Fundamentalismus“, abrufbar unter: https://www.bicc.de/Publikationen/CoRE-NRW%20Dokumentation%20Christlicher%20Fundamentalismus.pdf

Die Präsentation zum Workshop kann hier abgerufen werden:

Vielen Dank allen Teilnehmenden und unseren Gästen auf dem Podium

Der Linktree von #NoUNUM24

Podiumsgespräch vom 29.11.2024: „Aus #NoUNUM24 wird FundiWatch – Warum es unabhängige Recherchen zu christlichem Fundamentalismus braucht“

Wir freuen uns sehr über das Interesse an unserem gestrigen Podiumsgespräch und die gute Diskussion mit den Teilnehmenden und unseren Podiumsgästen Astrid Herrmann (Religionspädagogin, Coach und Bildungsreferentin; OutInChurch), Thomas Lechner (Münchner Stadtrat der Fraktion DIE.LINKE / die PARTEI), Dr. Jobst Paul (DISS-Institut) und Michael Stritar (Dekanatsjugendpfarrer der EJM). Einen ganz besonderen Dank auch noch einmal an das LeZ München, in dessen Räumen wir uns treffen durften!

Weitere Informationen zu unseren Podiumsgästen findet ihr weiterhin hier.

Zu den bisherigen Recherchen und Aktionen von #NoUNUM24 verweisen wir hier gerne auf den Linktree von #NoUNUM24, wo sich bereits zahlreiche Informationen zu christlich-fundamentalistischen Ideologien finden lassen. Dort finden sich auch weitere Informationen zur UNUM24 und auch zum Verein Mission Freedom e.V. und seiner neuen Einrichtung Himmelsstürmer Deutschland gGmbH (Haus SeeNest) im Allgäu (ein Artikel, auch zu den letzten Presseberichten über die Einrichtung hierzu findet sich in der MIZ 02/2024).

Und schließlich möchten wir auch noch einmal auf die von #NoUNUM24 gestartete Petition „Keine Chance für christlichen Fundamentalismus und Nationalismus!“ hinweisen, die weiterhin gerne unterstützt werden kann!

Immer wieder kam die Frage auf, wie man uns unterstützen kann:

Schaut doch gerne immer regelmäßig auf unserer Homepage vorbei, wir werden diese nun sukzessive weiter ausbauen. Folgt uns auch gerne auf Instagram, Bluesky und (#NoUNUM24) auf Facebook, liked und teilt unsere Posts, denn Aufklärung lebt natürlich von Reichweite… Und ruft unsere Profile auch gerne aktiv auf – für den „klassischen“ Algorithmus sind unsere Themen häufig zu wenig „unterhaltsam“…

Bisher sind wir rein ehrenamtlich ohne finanzielle Unterstützung unterwegs. Wir arbeiten gerade noch daran, auch Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung zu schaffen, denn auch das ist natürlich nötig.

Schließlich hilft es uns natürlich sehr, wenn ihr uns Informationen, Hinweise etc. über problematische Organisationen, Erfahrungsberichte und / oder Vorschläge für Zusammenarbeit, Kooperation, etc. zukommen lasst! Gerne stellen wir auch Kontakt zu spezialisierten Beratungsstellen her. Schreibt uns gern eine Mail unter fundiwatch(at)posteo.de oder nutzt unser Kontaktformular.

Mehr hier in Kürze…

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